{"id":5438,"date":"2012-05-15T02:35:19","date_gmt":"2012-05-15T00:35:19","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=5438"},"modified":"2012-05-15T02:38:30","modified_gmt":"2012-05-15T00:38:30","slug":"sloterdijk-philosophie-im-ohrensessel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=5438","title":{"rendered":"Sloterdijk &#8211; ein Philosoph im Ohrensessel?"},"content":{"rendered":"<p>Die <em>Welt<\/em> hat trotz vieler und guter seri\u00f6ser Artikel immer noch (oder schon wieder?) einen Hang zum Boulevard und\u00a0zur wenig gelungenen Ironie. Mit der Ironie verh\u00e4lt es sich n\u00e4mlich so: sie scheint leichtf\u00fc\u00dfig daherzukommen, aber es steckt viel harte Gedankenarbeit in ihr. Dahingeschluderte Ironie erkennt man sofort &#8211; sie wirkt billig.<\/p>\n<p>Michel Friedman zum Beispiel durfte an einer Wallfahrt zum Heiligen Rock von Trier teilnehmen und in der <em>Welt<\/em> dar\u00fcber schreiben. Wer ihn kennt, wei\u00df, da\u00df da wenig Tiefes zu erwarten war. Er redet von &#8222;Jesus&#8216; Unterhemd&#8220; (wie lustig!), und als Pater Johannes im Bus das Geld f\u00fcr die Wallfahrt einsammelt, schreibt er: &#8222;Bei aller Liebe f\u00fcr Gott, bezahlt werden muss auf Erden.&#8220; Dann fragt er einen Jugendlichen, was er von den Wallfahrern h\u00e4lt, und bekommt die Antwort, die er wohl erwartet hat: &#8222;Die haben doch einen Knall!&#8220;<\/p>\n<p>Nehmen wir &#8211; aus gegebenem Anla\u00df &#8211; einen anderen Artikel der <em>Welt<\/em>. Heimo Schwilk schreibt (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article106294648\/Philosophie-im-Ohrensessel.html\">hier<\/a> nachzulesen) \u00fcber das <em>Philosophische Quartett<\/em>, dem das ZDF nun endg\u00fcltig den Garaus gemacht hat. Schon der Titel klingt gequ\u00e4lt ironisch: &#8222;Philosophie im Ohrensessel&#8220;. Wer im Ohrensessel sitzt, will er damit wohl sagen, sollte das Philosophieren besser lassen. Aber philosophieren kann man \u00fcberall! Wichtig ist doch nicht, <em>wo<\/em> man philosophiert, sondern <em>da\u00df<\/em> und <em>wie<\/em> man philosophiert.<\/p>\n<p>Bei den alten Griechen hat man meistens im Gehen gedacht, und das war keine so schlechte Wahl: wenn man k\u00f6rperlich in Bewegung ist, das wei\u00df man, ist auch der Geist beweglicher. Aber notwendig ist das nicht &#8211; die vielen Sendungen des Philosophischen Quartetts, bei denen die G\u00e4ste stets im Schwilkschen &#8222;Ohrensessel&#8220; sa\u00dfen, sind der Beweis daf\u00fcr, da\u00df es sich auch im Sitzen ganz wunderbar philosophieren l\u00e4\u00dft. Aber Schwilk, ob er nun beim Verfassen seines Artikels am Schreibtisch gesessen hat oder auf seiner Terrasse auf und abgegangen ist, mag Sloterdijk nun einmal nicht.<\/p>\n<p>Sloterdijk, so beschreibt Schwilk das \u00fcbliche Auftreten des Philosophen,<\/p>\n<blockquote><p>presste mit dem ihm eigenen n\u00e4selnden Singsang alle Luft aus den Zwischenr\u00e4umen seiner Wort- und Satzkaskaden, verstrickte sich in allzu narzisstisch anmutende Metapherngest\u00f6ber.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Metapherngest\u00f6ber&#8220; &#8211; das ist ein sch\u00f6nes und treffendes Wort, wenn es auch nicht von Schwilk, sondern von Celan stammt. Sloterdijk ist tats\u00e4chlich ein Meister im Umgang mit der Sprache. Was daran aber verwerflich sein soll, begreife ich nicht. Mir jedenfalls ist jeder Mensch angenehm, der die deutsche Sprache so beherrscht wie er. Und &#8222;narzi\u00dftisch&#8220;? Mein Gott, jeder Journalist ist doch heutzutage narzi\u00dftisch, auch wenn er nur davon tr\u00e4umen kann, die Sprache so gekonnt einzusetzen wie Sloterdijk. Nicht wahr, Herr Schwilk?<\/p>\n<p>Schwilk versucht, die beiden Moderatoren des <em>Philosophischen Quartetts<\/em> gegeneinander auszuspielen. So heftig, wie er Sloterdijk niedermacht (&#8222;Selbstberauschungen&#8220;), so sehr lobt er Safranski. Der n\u00e4mlich gebe &#8222;den medientauglicheren Part&#8220; der beiden. Da ahnt man schon, worauf alles hinausl\u00e4uft: auf den Nachfolger, Richard David Precht:<\/p>\n<blockquote><p>Ob der Bestsellerautor der Fernsehphilosophie mehr Glanz zu geben vermag, steht in den Sternen. Vorsichtshalber disqualifizierte Sloterdijk seinen smarten Nachfolger schon einmal als &#8222;Popularisator&#8220; &#8211; als sei massenmediale Verst\u00e4ndlichkeit ein Anschlag auf Komplexit\u00e4t.<\/p><\/blockquote>\n<p>Na ja &#8211; da\u00df Precht &#8222;medientauglich&#8220; und &#8222;massenmedial verst\u00e4ndlich&#8220; sein wird, daran zweifelt nun wirklich niemand.<\/p>\n<p>Aber was, um Himmels willen, haben solche Eigenschaften mit Philosophie zu tun?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt hat trotz vieler und guter seri\u00f6ser Artikel immer noch (oder schon wieder?) einen Hang zum Boulevard und\u00a0zur wenig gelungenen Ironie. 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