{"id":4773,"date":"2012-03-25T00:05:22","date_gmt":"2012-03-24T23:05:22","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4773"},"modified":"2012-03-26T09:42:32","modified_gmt":"2012-03-26T07:42:32","slug":"auch-die-kurstadt-wiesbaden-schmuckt-sich-mit-windradern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4773","title":{"rendered":"Auch Wiesbaden &#8222;schm\u00fcckt&#8220; sich mit Windr\u00e4dern"},"content":{"rendered":"<p>Wiesbaden, eines der \u00e4ltesten Kurb\u00e4der Europas, gegen\u00fcber von Mainz sch\u00f6n am Rhein gelegen, ist zugleich die Hauptstadt des Bundeslandes Hessen. Seine Innenstadt wird noch nicht, wie die der meisten anderen St\u00e4dte, v\u00f6llig von den immergleichen Ketten von Douglas bis H&amp;M beherrscht &#8211; hier kann man noch Entdeckungen machen. Und Wiesbaden hat eine Umgebung, die man ruhig malerisch nennen darf. Der Neroberg mit seinem Monopteros und den Weinbergen ist weithin bekannt.<\/p>\n<p>Westlich der Stadt schlie\u00dft sich der nicht weniger malerische Rheingau an &#8211; \u00fcber seine geplante Verschandelung durch Windkraftmonster habe ich vor ein paar Tagen berichtet. Jetzt kommt die erschreckende Meldung (gestern im Lokalteil der F.A.Z. zu lesen): auch Wiesbaden besteht jetzt darauf, seine Gemarkung mit Windr\u00e4dern zu verschandeln. Gegen die Stimmen von FDP und B\u00fcrgerliste haben die Stadtverordneten beschlossen, den Ausbau der Windkraft in Wiesbaden voranzutreiben.<\/p>\n<p>Der Umweltdezernent Arno Go\u00dfmann (SPD) wird mit den Worten zitiert:<\/p>\n<blockquote><p>Wir haben gen\u00fcgend Wind, um auf dem Taunuskamm wirtschaftlich rentable Windr\u00e4der zu betreiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Gen\u00fcgend Wind ist also da &#8211; aber gen\u00fcgend Verstand offenbar nicht. Denn gerade eine Kurstadt lebt doch auch von der Sch\u00f6nheit ihrer Umgebung &#8211; und gerade die soll jetzt zerst\u00f6rt werden. Aber nat\u00fcrlich wird der B\u00fcrger in alle Entscheidung &#8222;eingebunden&#8220; (wahrscheinlich so fest, da\u00df er fast daran erstickt). Wiesbaden will deshalb seine Entscheidung<\/p>\n<blockquote><p>mit einer breiten B\u00fcrgerbeteiligung und einer breiten \u00d6ffentlichkeitsarbeit begleiten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Man mu\u00df freilich schon sehr dumm sein, wenn man glaubt, da\u00df die Wiesbadener B\u00fcrger wirklich \u00fcber die Windr\u00e4der mitentscheiden d\u00fcrfen. Es ist, wie es der Fraktionsvorsitzende der <em>B\u00fcrgerliste<\/em> gesagt hat:<\/p>\n<blockquote><p>Das Ergebnis der Beteiligung steht schon fest, bevor sie angefangen hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Beteiligung wird so aussehen: das Parlament beschlie\u00dft die Windr\u00e4der, dann wird eine Hochglanzbrosch\u00fcre an alle Haushalte verteilt &#8211; und dann wird, ohne Verlierung einer Minute, der Pachtvertrag mit den Windkraftbetreibern unterschrieben.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen rufen den gro\u00dfen Parteien ein begeistertes &#8222;Willkommen im Club!&#8220; zu und bestehen darauf, da\u00df sie es waren, die es geschafft haben (man beachte die elegante Formulierung),<\/p>\n<blockquote><p>die gro\u00dfe Koalition auf den Taunuskamm zu tragen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was f\u00fcr ein Trauerspiel, wenn man mitansehen mu\u00df, wie die Gr\u00fcnen &#8211; egal, wohin man blickt &#8211; zu einer reinen Klientelpartei der Windkraftlobby verkommen sind. Sch\u00f6nheit und intakte Natur? Schei\u00df drauf! (Ich entschuldige mich <em>nicht<\/em> f\u00fcr diese Wortwahl, weil sie der gr\u00fcnen Barbarei v\u00f6llig angemessen ist.)<\/p>\n<p>Wenn wir schon von der Bedeutung von W\u00f6rtern sprechen &#8211; der Wiesbadener Umweltdezernent will sogar mit den Nachbarkommunen wetteifern, was die Aufstellung der Windr\u00e4der betrifft, und er beschreibt das mit einem bezeichnenden Satz:<\/p>\n<blockquote><p>Jetzt werden die Claims abgesteckt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das trifft genau den Punkt, denn &#8222;Claims&#8220;, das waren ja bei den Goldgr\u00e4bern in der Vereinigten Staaten die beh\u00f6rdlich registrierten Grundst\u00fccke, in denen nach Gold\u00a0 gegraben werden durfte. Und um eine Goldgr\u00e4berstimmung geht es auch heute bei der Windkraft. Da wird das Geld der Steuerzahler mit vollen H\u00e4nden verschwendet, und die Unternehmen haben so viel davon, da\u00df sie ganze D\u00f6rfer damit \u00fcbersch\u00fctten k\u00f6nnen, um an Standorte f\u00fcr ihre Windr\u00e4der zu kommen. Nat\u00fcrlich entsteht dadurch eine &#8222;Goldgr\u00e4berstimmung&#8220; &#8211; bei den Bauern, die noch irgendwo am Ortsrand einen Acker besitzen, bei den St\u00e4dten und Kommunen, und auch bei privaten Waldbesitzern: sie erhalten gleich haufenweise &#8222;unmoralische Angebote&#8220; von der Windkraftindustrie, und man kann es ihnen kaum verdenken, da\u00df sie darauf eingehen. So eine Chance, f\u00fcr wenig ertragreiches Land feste (und sehr respektable!) j\u00e4hrliche Pachteinnahmen zu bekommen, kommt vielleicht nie wieder, da wird man leicht schwach.<\/p>\n<p>Wer aber nicht korrumpierbar ist, weil er kein Land besitzt, der geh\u00f6rt vielleicht zu jenem r\u00fcckst\u00e4ndigen Menschenschlag, f\u00fcr den der &#8222;Umweltdezernent&#8220; sogar Verst\u00e4ndnis empfindet. Diese B\u00fcrger<\/p>\n<blockquote><p>h\u00e4tten eine bestimmte Silhouette vor Augen, die sie nicht missen wollten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber so altmodische Einstellungen mu\u00df man halt bek\u00e4mpfen als fortschrittlicher Umweltdezernent. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann hilft &#8211; Heidenrod im Hintertaunus. Hier wohnen windkraftbegeisterte Menschen zuhauf, sie sind ein leuchtendes Vorbild f\u00fcr alle &#8211; von ganz oben (Merkel, K\u00fcnast &amp; Co.) bis hinunter zum letzten B\u00e4uerlein, das den geerbten Acker zu Geld machen will. In Heidenrod n\u00e4mlich ist \u00fcber die Windr\u00e4der in einem von der SPD und den Gr\u00fcnen initiierten B\u00fcrgerbegehren abgestimmt worden, und zwar mit folgender Frage, die es in sich hat:<\/p>\n<blockquote><p>Sind Sie daf\u00fcr, dass zur Erzeugung von umweltfreundlicher, erneuerbarer Energie und zur Verbesserung der Einnahmesituation der Gemeinde nord\u00f6stlich der B 260 zwischen dem Egenrother Stock und der Landesgrenze bei Holzhausen Gro\u00dfwindkraftanlagen errichtet werden?<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich \u00fcbersetze das einmal, so wie es gemeint ist:<\/p>\n<blockquote><p>Sind Sie, wie es sich f\u00fcr einen anst\u00e4ndigen B\u00fcrger dieser Kommune geh\u00f6rt, f\u00fcr Natur und Umwelt, oder sind Sie etwa ein Umweltferkel? Wollen Sie, da\u00df Ihre Gemeinde ganz, ganz, ganz viel Geld mit der Windkraft einnimmt, oder wollen Sie daf\u00fcr verantwortlich sein, da\u00df diese einmalige Chance f\u00fcr unser sch\u00f6nes Heidenrod verlorengeht?<\/p><\/blockquote>\n<p>Ja, so sieht Demokratie auf dem Dorfe aus. Ein echtes Vorbild f\u00fcr das Kurbad Wiesbaden!<\/p>\n<p>Ich mu\u00df gar nicht hinzuf\u00fcgen, da\u00df sich angesichts dieser Suggestivfrage weit \u00fcber 80% der Bewohner von Heidenrod f\u00fcr die Windr\u00e4der entschieden haben. Der \u00f6rtliche CDU-Chef sagt es ganz offen: der zu erwartende Geldsegen habe seine Partei &#8222;milde gestimmt&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiesbaden, eines der \u00e4ltesten Kurb\u00e4der Europas, gegen\u00fcber von Mainz sch\u00f6n am Rhein gelegen, ist zugleich die Hauptstadt des Bundeslandes Hessen. 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