{"id":4704,"date":"2012-03-20T01:35:43","date_gmt":"2012-03-20T00:35:43","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4704"},"modified":"2012-03-20T08:45:16","modified_gmt":"2012-03-20T07:45:16","slug":"jetzt-wird-auch-der-rheingau-verschandelt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4704","title":{"rendered":"Jetzt wird auch der Rheingau verschandelt!"},"content":{"rendered":"<p>Lucia Puttrich (CDU) ist hessische Umweltministerin. Sie ist Diplom-Betriebswirtin, hat im elterlichen Handwerksbetrieb gearbeitet und wurde dann &#8211; ehe sie in die Politik ging &#8211; Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin eines papierverarbeitenden Unternehmens. Das ist genau die richtige Qualifikation, um in Hessen Umweltminister zu werden. F\u00fcr 4,5 Millionen Euro hat sie eben erst auf Kosten des Steuerzahlers eine ziemlich windige &#8222;Akzeptanzinitiative&#8220; f\u00fcr die erneuerbaren Energien gestartet.<\/p>\n<p>Der Rheingau-Taunus-Kreis &#8211; um ihn soll es heute gehen &#8211; ist f\u00fcr Frau Puttrich einer der drei hessischen Kreise, die f\u00fcr die Windenergie &#8222;besonders pr\u00e4destiniert&#8220; sind (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/m.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/windenergie-windraeder-im-wald-entzweien-naturschuetzer-11661683.html\">hier<\/a> nachzulesen):<\/p>\n<blockquote><p>Der Hinterlandswald als das gr\u00f6\u00dfte zusammenh\u00e4ngende Waldgebiet des Bundeslandes und das zum Rhein hin abfallende Rheingaugebirge sind im Hinblick auf den zu erwartenden Stromertrag ideal f\u00fcr die Aufstellung von bis zu 180 Meter gro\u00dfen Windr\u00e4dern. Wenn zu den bislang knapp 700 Anlagen im Land tats\u00e4chlich weitere 1.500 kommen m\u00fcssen, um die Energiewende zu schaffen und zwei Prozent der Landesfl\u00e4che f\u00fcr die Erzeugung von Strom aus Windkraft zur Verf\u00fcgung zu stellen, dann f\u00e4llt dem Rheingau-Taunus eine bedeutsame Rolle zu.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer den Rheingau mit seiner alten Kulturlandschaft kennt, der kann es nicht fassen. Wie barbarisch und abgestumpft mu\u00df man sein, da\u00df man allen Ernstes darangeht, eine so alte und &#8211; hier ist das Wort angebracht &#8211; <em>liebliche<\/em> Landschaft mit 180 m hohen technischen Monstern zu verschandeln?<\/p>\n<p>Der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers (SPD), und der hessische SPD-Landesvorsitzende Thorsten Sch\u00e4fer-G\u00fcmbel sind in diesem Punkt ein Herz und eine Seele. Ohne &#8222;massiven Zubau von Windr\u00e4dern&#8220; werde es nicht gehen, sagen sie.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich nicht &#8211; wenn man holterdiepolter und ohne vern\u00fcnftigen Plan alles abschaltet. Aber es wird auch <em>mit<\/em> den Windr\u00e4dern nicht gehen. Denn es sind ja nicht nur die Windr\u00e4der, die unsere sch\u00f6nsten Naturlandschaften zerst\u00f6ren. Der &#8222;massive Zubau&#8220; von Stromleitungen, die f\u00fcr diese unsichere Energie n\u00f6tig sind, wird monstr\u00f6se Breschen quer durch Deutschland schlagen, wie man sie in Mitteleuropa noch nicht gesehen hat. Was angeblich \u00f6kologisch und nachhaltig ist, wird auf ein brutales Zerst\u00f6rungswerk hinauslaufen, eine Vernichtung der letzten Refugien unserer Natur &#8211; und der H\u00f6hen und W\u00e4lder, in denen sich der Mensch noch von seinem Alltag erholen kann. Da\u00df die technologischen Voraussetzungen f\u00fcr die Leitungs- und Speicherprobleme nicht einmal im Ansatz sichtbar sind, f\u00fcge ich nur am Rande hinzu.<\/p>\n<p>Also: jetzt auch der Rheingau. Der Landrat meint nur lapidar, ihm seien &#8222;20 Windr\u00e4der lieber als ein Atomkraftwerk&#8220;. Wie bitte &#8211; 20 Windr\u00e4der? Die sollen ein Atomkraftwerk ersetzen? Hat er vielleicht ein paar Nullen vergessen? Tausende und Abertausende dieser bis zu 200 m hohen Monster m\u00fcssen gebaut werden, um &#8211; auf dem Papier! &#8211; die Kernkraftwerke zu ersetzen. Aber \u00fcberall wird verniedlicht, verharmlost, tiefgestapelt. Die technischen Probleme? Ach, die kriegen wir schon irgendwie in den Griff! Die Strompreise? Ach, so schlimm wird das schon nicht werden. Die Tiere? Die werden sich schon mit der Zeit an die Windr\u00e4der gew\u00f6hnen. Und der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige B\u00fcrgermeister von Geisenheim hat, wie man heute in einem Leserbrief in der F.A.Z. lesen kann, die Pachtverg\u00fctungen durch den Windkraftbetreiber schon ins mittelfristige Haushaltskonzept bis zum Jahr 2014 einflie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>Eine besonders schlimmes Kapitel sind f\u00fcr mich die gro\u00dfen Naturschutzverb\u00e4nde wie BUND und NABU, die in ihren F\u00fchrungsgremien offenbar nur noch in politischen Kategorien denken (ich habe dar\u00fcber berichtet). Aber man mu\u00df doch auch einmal ein positives Beispiel hervorheben: die <em>Hessische Gesellschaft f\u00fcr Ornithologie und Naturschutz (HGON).<\/em> Ihr Arbeitskreis Wiesbaden\/Rheingau-Taunus hat heftigen Widerstand gegen die Windkraftpl\u00e4ne in &#8222;einem der gr\u00f6\u00dften zusammenh\u00e4ngenden und bisher ungest\u00f6rten Waldgebiete in Hessen mit einer einmaligen Naturausstattung&#8220; angek\u00fcndigt:<\/p>\n<blockquote><p>Dieses Gebiet h\u00e4tte es nach Ansicht der HGON verdient, als Kern eines gr\u00f6\u00dferen Biosph\u00e4rengebiets ausgewiesen und wom\u00f6glich zu einem Nationalpark weiterentwickelt zu werden, wie dies auch Greenpeace schon gefordert hatte. Die HGON h\u00e4lt es f\u00fcr befremdlich, wie \u201egestern noch heftig verteidigte Natur- und Kulturr\u00e4ume heute zu Windindustriegebieten werden sollen\u201c. Die HGON verweist warnend auf ehemals intakte und jetzt mit Windr\u00e4dern verbaute Landstriche wie Rheinhessen, den Hunsr\u00fcck und den Soonwald. Das Niederwalddenkmal m\u00fcsse im Rheingau das pr\u00e4gende Bauwerk bleiben. Das Rheingaugebirge m\u00fcsse \u00fcberdies als \u201eTabuzone\u201c ebenso wie das Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n und der Nationalpark Kellerwald g\u00e4nzlich frei von Windr\u00e4dern bleiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich dr\u00fccke den Bewohnern des wundersch\u00f6nen Rheingaus die Daumen, da\u00df ihnen das Schicksal anderer Mittelgebirge erspart bleibt. Es geht ja auch um den Tourismus. Wer wird noch an den Rhein kommen, wenn alle Blickachsen an den Weinbergen hinauf von Betonmonstern dominiert werden?<\/p>\n<p><em>Entr\u00fcstet euch!<\/em> kann ich da nur sagen. Wehrt euch gegen die Landr\u00e4te, Provinzpolitiker, gegen all die Hofschranzen ihrer jeweiligen Parteien, die euch mit einem &#8222;Es geht leider nicht anders!&#8220; abspeisen wollen.<\/p>\n<p>Es geht <em>immer<\/em> auch anders. Nichts ist wirklich <em>alternativlos<\/em> oder <em>unumkehrbar<\/em>, wie man uns weismachen will, nichts. Wir haben uns doch nicht diesen sch\u00f6nen, seit Jahrhunderten nachhaltig bewirtschafteten Wald aufgebaut und erhalten, um ihn jetzt von Barbaren zubetonieren zu lassen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lucia Puttrich (CDU) ist hessische Umweltministerin. Sie ist Diplom-Betriebswirtin, hat im elterlichen Handwerksbetrieb gearbeitet und wurde dann &#8211; ehe sie in die Politik ging &#8211; Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin eines papierverarbeitenden Unternehmens. 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