{"id":4370,"date":"2012-02-26T01:37:34","date_gmt":"2012-02-26T00:37:34","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4370"},"modified":"2012-02-26T11:35:52","modified_gmt":"2012-02-26T10:35:52","slug":"windkraft-fur-das-klima-und-gegen-die-natur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4370","title":{"rendered":"Windkraft &#8211; f\u00fcr das Klima und gegen die Natur?"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt immer wieder Konflikte, die im Grunde unl\u00f6sbar sind. So etwas st\u00f6rt den Menschen, weil er gern f\u00fcr alles eine L\u00f6sung h\u00e4tte. Aber solche Konflikte sind ein Teil unseres Alltags &#8211; und auch ein Teil unserer geistigen Existenz. Die Griechen, denen wir soviel zu verdanken haben, kennen daf\u00fcr den Begriff des <em>Tragischen<\/em>. Der tragische Held hat zwar mehrere M\u00f6glichkeiten, den Konflikt zu bew\u00e4ltigen, aber alle Wege, gleichg\u00fcltig, f\u00fcr welchen er sich entscheidet, f\u00fchren ins Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick stehen wir jetzt vor einer \u00e4hnlichen Aufgabe. Um den Klimawandel wenigstens halbwegs in den Griff zu bekommen, das erz\u00e4hlt uns jedenfalls <em>tout le monde<\/em>, von der Kanzlerin und den Gr\u00fcnen \u00fcber die Naturschutzverb\u00e4nde bis hinunter zum letzten Lobbyisten, m\u00fcssen wir die gesamte Energiebasis so schnell wie m\u00f6glich auf die erneuerbaren Energien umstellen. In der Praxis hei\u00dft das: auf die Windkraft, denn alles andere bringt in einem Industrieland wie Deutschland Energienmengen, die fast vernachl\u00e4ssigbar sind.<\/p>\n<p>Unsere Naturschutzverb\u00e4nde &#8211; und das ist f\u00fcr mich eine der gro\u00dfen Entt\u00e4uschungen der letzten Jahre &#8211; haben sich ohne viel Federlesens auf die Seite, wie sie zumindest glauben, des Klimaschutzes gestellt. Und sie spielen die Folgen, die das f\u00fcr den Schutz der Natur hat, systematisch herunter. Warum tun sie das?<\/p>\n<p>Auch in der Forstverwaltung ist es \u00e4hnlich. Ein Abteilungsleiter im Hessischen Forstministerium bekennt unger\u00fchrt, er habe keine Probleme mit den Windr\u00e4dern. Auch da verdient man n\u00e4mlich an der Verpachtung der Standorte &#8211; <em>cherchez l&#8217;argent<\/em> hei\u00dft es heute \u00fcberall, nicht mehr <em>cherchez la femme<\/em>. Auf der unteren Ebene, wo man sich solche Abgehobenheit nicht leisten kann, sieht es mit der Meinungsbildung schon ganz anders aus.<\/p>\n<p>Jetzt beginnt endlich, wenn auch erst zaghaft, die lange politisch zugedeckte Diskussion innerhalb der Naturschutzverb\u00e4nde. Der BUND h\u00e4lt offenbar den drastischen Ausbau der Windenergie f\u00fcr v\u00f6llig naturschutzneutral. In Rheinland-Pfalz haben BUND und Nabu sogar den forcierten Ausbau der Windenergie ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dft (eine Erkl\u00e4rung, f\u00fcr die sie sich meines Erachtens sch\u00e4men sollten). Diesen Ausbau gebe es halt nicht &#8222;zum \u00f6kologischen Nulltarif&#8220; &#8211; er ist, sagen die beiden Verb\u00e4nde (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/rlp.nabu.de\/themen\/energie\/\">hier<\/a> nachzulesen),<\/p>\n<blockquote><p>notwendig, verlangt der ohnehin geschundenen Natur aber viel ab.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der vielfache Tod von zerschmetterten Wei\u00dfst\u00f6rchen, Schwarzmilanen, Rotmilanen, Uhus und Fischadlern, von den Flederm\u00e4usen ganz zu schweigen, erscheint da nur noch als Kollateralschaden.<\/p>\n<p>Ich sehe da &#8211; und hoffentlich habe ich unrecht! &#8211; bei den Naturschutzverb\u00e4nden eine \u00e4hnliche Entwicklung wie bei den Gr\u00fcnen (vielleicht auch gef\u00f6rdert durch personelle Verquickungen): sie sehen die Dinge nur noch aus gro\u00dfer Entfernung und in einem Rahmen, der so gro\u00df und weit ist, da\u00df ein paar tote V\u00f6gel nun wirklich keine Rolle mehr spielen. F\u00fcr den Klimaschutz mu\u00df eben auch die Natur Opfer bringen, nicht wahr?<\/p>\n<p>Die <em>Hessische Gesellschaft f\u00fcr Ornithologie und Naturschutz<\/em> (HGON), das sei zur Ehrenrettung zumindest dieses Verbandes noch angemerkt, denkt da immerhin ein bi\u00dfchen differenzierter. Ihr Arbeitskreis Wiesbaden\/Rheingau-Taunus h\u00e4lt es f\u00fcr befremdlich, da\u00df<\/p>\n<blockquote><p>gestern noch heftig verteidigte Natur- und Kulturr\u00e4ume heute zu Windindustriegebieten werden sollen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist eben hier wie \u00fcberall: auf der unteren Ebene sind Menschen, die sich sehr genau auskennen und auch noch ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die Natur und ihre Probleme haben, aber je h\u00f6her man in einer Organisation (oder einem Verband oder einem Unternehmen) aufsteigt, umso leichter kann man einen Kollateralschaden wie eine tote Gro\u00dftrappe oder tote Flederm\u00e4use einfach beiseiteschieben. Es geht ja um H\u00f6heres und Gr\u00f6\u00dferes!<\/p>\n<p>Ich kann nur hoffen, da\u00df auch bei BUND, Nabu und den \u00fcbrigen Verb\u00e4nden von unten her die dringend notwendige Diskussion \u00fcber die Windkraft einsetzt.<\/p>\n<p>Bevor es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p>Denn die Windkraftlobby schwimmt im Moment dank der Subventionierung durch den Steuerzahler f\u00f6rmlich in Geld &#8211; sie hat so viel davon, da\u00df sie es mit vollen H\u00e4nden an Bauern, Vereine und Gemeinden weitergeben kann, um an &#8222;Standorte&#8220; f\u00fcr ihre Windr\u00e4der zu kommen.<\/p>\n<p>Diesem Geldsegen kann man im Moment leider nur eines entgegensetzen &#8211; Argumente.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt immer wieder Konflikte, die im Grunde unl\u00f6sbar sind. So etwas st\u00f6rt den Menschen, weil er gern f\u00fcr alles eine L\u00f6sung h\u00e4tte. Aber solche Konflikte sind ein Teil unseres Alltags &#8211; und auch ein Teil unserer geistigen Existenz. 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