{"id":4159,"date":"2012-02-10T02:33:56","date_gmt":"2012-02-10T01:33:56","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4159"},"modified":"2012-02-10T09:07:56","modified_gmt":"2012-02-10T08:07:56","slug":"hallo-oder-grus-gott","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4159","title":{"rendered":"&#8222;Hallo&#8220; oder &#8222;Gr\u00fc\u00df Gott&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p>Petra Seibert, Rektorin einer Schule im bayerischen Passau, hat in einem Aushang in ihrer Schule darauf gedrungen, man m\u00f6ge doch nicht immer und jedem gegen\u00fcber die Gru\u00dfformeln &#8222;hallo&#8220; und &#8222;tsch\u00fcs&#8220; verwendet, sondern auch beim Gr\u00fc\u00dfen differenzieren. Es ist schlie\u00dflich, meint sie, ein Unterschied, ob man einen Gleichaltrigen begr\u00fc\u00dft oder einen Lehrer oder seinen zuk\u00fcnftigen Chef. Sie empfiehlt ausdr\u00fccklich die alten bayerischen Gru\u00dfformeln wie &#8222;Gr\u00fc\u00df Gott&#8220; oder &#8222;Servus&#8220;.<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte sie nicht tun sollen, denn in den Internetforen ist seitdem die H\u00f6lle los. Die jungen Wutb\u00fcrger k\u00f6nnen endlich einmal wieder w\u00fcten.<\/p>\n<p>Dabei hat Frau Seibert eigentlich etwas v\u00f6llig Selbstverst\u00e4ndliches gefordert: da\u00df man n\u00e4mlich, wie bei allen Anl\u00e4ssen des Alltagslebens, auch beim Gr\u00fc\u00dfen differenziert. Mu\u00df man denn einem halbwegs erwachsenen Menschen wirklich erkl\u00e4ren, da\u00df er mit einem Gleichaltrigen aus seiner <em>peer group<\/em> anders reden sollte als mit einem Lehrer oder mit seinem Chef? Das versteht sich doch eigentlich von selbst! Alle V\u00f6lker, alle Sprachen kennen diese\u00a0 Unterschiede, und sie einzuebnen hat absolut nichts mit Demokratie zu tun. Es hat eher mit einem mangelnden Gesp\u00fcr f\u00fcr die Differenziertheit der Sprache und mit einem Mangel an H\u00f6flichkeit und Gesittung zu tun.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man H\u00f6flichkeit und sprachliche Differenzierung nicht administrativ erzwingen. Aber man kann, wie es die Passauer Rektorin getan hat, ein Zeichen setzen oder (wie man das in den Sechzigern genannt hat) einen <em>Denkansto\u00df<\/em> geben.<\/p>\n<p>Ich finde es sch\u00f6n, da\u00df man in Bayern &#8211; anders als zum Beispiel hier in Hessen &#8211; noch eine solche F\u00fclle an Gr\u00fc\u00dfen hat, vom &#8222;Gr\u00fc\u00df Gott&#8220; \u00fcber &#8222;Pf\u00fcete&#8220; und &#8222;Pf\u00fcet eana&#8220; bis zum &#8222;Servus&#8220;. Und daneben gibt es ja dort wie \u00fcberall auch die normalen hochdeutschen Gru\u00dfformeln. Was ist schlimm daran, wenn eine Schulleiterin darauf hinweist, da\u00df das Gr\u00fc\u00dfen &#8211; wie die Sprache \u00fcberhaupt &#8211; voller M\u00f6glichkeiten zur Differenzierung ist?<\/p>\n<p>Wenn wir zum Wandern in Bayern oder \u00d6sterreich sind und in den Bergen anderen Wanderern begegnen, sagen wir immer unser &#8222;Gr\u00fc\u00df Gott&#8220; oder erwidern es. Was ist denn daran schlimm? In der L\u00fcneburger Heide w\u00fcrden wir das nat\u00fcrlich nicht tun. Eben das nennt man sprachliche Differenzierung, nicht wahr?<\/p>\n<p>Wenn heute Erwachsene das ganze Leben lang nur noch die Jugendsprache nachahmen (also sprachlich sozusagen in der Adoleszenz steckenbleiben!) und nichts mehr kennen au\u00dfer &#8222;hallo&#8220;, &#8222;tsch\u00fcs&#8220; und &#8222;tschao&#8220; &#8211; dann ist das schon ein bi\u00dfchen bedenklich, weil es ein Anzeichen f\u00fcr eine drastische sprachliche Verarmung ist.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall war der Denkansto\u00df der Passauer Rektorin n\u00fctzlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petra Seibert, Rektorin einer Schule im bayerischen Passau, hat in einem Aushang in ihrer Schule darauf gedrungen, man m\u00f6ge doch nicht immer und jedem gegen\u00fcber die Gru\u00dfformeln &#8222;hallo&#8220; und &#8222;tsch\u00fcs&#8220; verwendet, sondern auch beim Gr\u00fc\u00dfen differenzieren. 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