{"id":4082,"date":"2012-02-04T13:05:18","date_gmt":"2012-02-04T12:05:18","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4082"},"modified":"2012-02-04T13:05:18","modified_gmt":"2012-02-04T12:05:18","slug":"one-goetheplaza","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4082","title":{"rendered":"One Goetheplaza ?????"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt in der Stadt Frankfurt einen Platz, der noch vor zehn Jahren ein wahres Schmuckst\u00fcck war: das ist der Goetheplatz. Nicht weit von der gesch\u00e4ftigen Zeil entfernt, war er von den G\u00e4rtnern so farbenfroh gestaltet, da\u00df man oft einen kleinen Umweg gemacht hat, um sich an ihm zu erfreuen.<\/p>\n<p>Das war einmal.<\/p>\n<p>Inzwischen hat man zwar das alte Goethedenkmal, was auch angebracht war, wieder auf den Goetheplatz gesetzt &#8211; aber gleichzeitig, was ganz und gar nicht angebracht war, den Platz bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet. Es ist heute eine \u00f6de schwarze Fl\u00e4che, die sich sogar auf den mit ihm zusammenh\u00e4ngenden Rathenauplatz und den Ro\u00dfmarkt ausdehnen darf. Die sch\u00f6nen Blumenbeete sind verschwunden und sollen auch nicht wiederkommen, die paar B\u00e4umchen und der Brunnen k\u00f6nnen die architektonische Scheu\u00dflichkeit des d\u00fcsteren Platzes nicht mildern. Inzwischen kommen die Menschen wieder auf den Goetheplatz &#8211; aber nicht mehr, weil er sch\u00f6n ist, sondern weil man sich einen der h\u00e4\u00dflichsten Pl\u00e4tze des Landes nicht entgehen lassen will.<\/p>\n<p>Aber das alles eigentlich nur nebenbei.<\/p>\n<p>Am Rande des Platzes n\u00e4mlich rei\u00dft man zur Zeit H\u00e4user ab. Nicht da\u00df es um sie besonders schade w\u00e4re, und auch, was an ihre Stelle tritt, ist das Immergleiche in so teuren Innenstadtlagen: das &#8222;erstklassige Shopping-Erlebnis&#8220; mit einer &#8222;Auswahl renommierter Trend-Marken und Luxus-Labels&#8220;. (Wie innovativ!)<\/p>\n<p>Nein, am sch\u00f6nsten ist wieder einmal der Projektname: <em>One Goetheplaza<\/em>.<\/p>\n<p>Wer geglaubt hat, da\u00df der Name des hypermodernen Einkaufszentrums auf der Zeil &#8211; <em>My Zeil<\/em> &#8211; an L\u00e4cherlichkeit nicht mehr zu \u00fcberbieten ist, wird also eines Besseren belehrt.<\/p>\n<p>Ein <em>Platz<\/em> &#8211; das ist viel zu provinziell f\u00fcr das &#8222;Shopping-Erlebnis&#8220; der Sch\u00f6nen und Reichen. Eine Plaza mu\u00df es sein! Der arme Goethe, der sich nicht mehr wehren kann, mu\u00df nat\u00fcrlich auch wieder herhalten (wie bei der genauso scheu\u00dflichen Goethe Business School), und am absurdesten ist, da\u00df man statt &#8222;Goetheplatz 1&#8220; die amerikanische \u00dcbersetzung verwendet.<\/p>\n<p>Liebe Marketingleute &#8211; seht euch doch einmal diese S\u00e4tze von Goethe an, die aus einem Brief vom 28. November 1771 stammen:<\/p>\n<blockquote><p>Franckfurt bleibt das Nest. Nidus wenn Sie wollen. Wohl um V\u00f6gel auszubr\u00fcteln, sonst auch fig\u00fcrlich spelunca ein leidig Loch. Gott helf aus diesem Elend.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein <em>Nest<\/em>, ein <em>leidig Loch<\/em> ist Frankfurt heutzutage nur, wenn es in die H\u00e4nde des Marketing und der Luxus-Labels f\u00e4llt. So, und jetzt mal herh\u00f6ren, ihr Werbeleute: wer sprachlich und geistig so arm ist und sich dann auch noch dreist mit dem Namen Goethe schm\u00fcckt, der sollte lebensl\u00e4nglich in ein <em>leidig Loch<\/em> gesteckt und erst wieder freigelassen werden, wenn er feierlich geschworen hat, die deutsche Sprache nie wieder &#8211; wirklich nie wieder! &#8211; auf diese Weise zu verunstalten!<\/p>\n<p>Ansonsten sag ich mit Goethen: Gott helf aus diesem Elend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt in der Stadt Frankfurt einen Platz, der noch vor zehn Jahren ein wahres Schmuckst\u00fcck war: das ist der Goetheplatz. 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