{"id":4049,"date":"2012-02-02T00:04:58","date_gmt":"2012-02-01T23:04:58","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4049"},"modified":"2022-02-24T19:46:48","modified_gmt":"2022-02-24T18:46:48","slug":"der-winkemann-von-berwang","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=4049","title":{"rendered":"Der Winkemann von Berwang"},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7580\" src=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Winkemann.jpg\" alt=\"Winkemann\" width=\"81\" height=\"76\" \/>Liebe Leser, dieser Artikel, der schon einige Jahre alt ist, geh\u00f6rt zu den meistgelesenen meines Blogs. Weil er so oft aufgerufen wird, bringe ich ihn ab und zu auf den neuesten Stand.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong><em>24. Februar 2022:<br \/>\n<\/em><\/strong><em>Seit ein paar Wochen gibt es zwei Winkem\u00e4nner, die sich aber leicht unterscheiden lassen. Unser guter alter Winkemann, Walter, winkt ruhig, gleichm\u00e4\u00dfig und professionell, der andere &#8211; ein Kollege von der Sonnalmbahn, vermute ich &#8211; winkt mit viel h\u00f6herer Frequenz, schnell und hastig, er steht auch mal hier, mal da, oft h\u00f6rt er auch schon auf, wenn er noch im Bild ist. Aber freuen wir uns doch \u00fcber beide! \u00a0 <\/em><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>26. Dezember 2021:<\/em><\/strong><em><br \/>\n<\/em><em>Und kaum ist er da, schon ist er wieder weg! Manche wissen es vielleicht noch nicht: von Weihnachten bis zum Neujahrstag sendet 3sat seine &#8222;Thementage&#8220;, an denen das gesamte Tagesprogramm unter einem Leitthema steht. Alle Sendungen, die sonst zur gewohnten Zeit laufen, fallen an solchen Tagen aus &#8211; auch das Alpenpanorama. Wir k\u00f6nnen unseren Winkemann also erst am 2. Januar 2022 wiedersehen.<\/em><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>23. Dezember 2021:<br \/>\n<\/em><\/strong><em>ER IST WIEDER DA! Was f\u00fcr eine Freude! Tagelang war alles dunkel und unbelebt an der Bergststation, und man hat sich schon Sorgen gemacht, es waren auch keine Kollegen zu sehen. Jetzt winkt er wieder, und endlich kann man sich wieder auf den Morgen beim Alpenpanorama freuen.\u00a0 <\/em><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>13.Dezember 2021:<br \/>\n<\/em><\/strong><em>Wenn die Angaben auf der Seite der Bergbahnen Berwang stimmen, beginnt die Wintersaison tats\u00e4chlich am 18. Dezember, also am kommenden Samstag. Die Schneeh\u00f6he am Berg betr\u00e4gt zur Zeit 30 cm. Es k\u00f6nnte also sein, da\u00df wir unseren Winkemann schon in f\u00fcnf Tagen wiedersehen!<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong><em>6. Oktober 2021:<br \/>\n<\/em><\/strong><em>Ja, es scheint vorerst dabei zu bleiben: die Skisaison beginnt am 18. Dezember 2021 und endet am 27. M\u00e4rz 2022. Hoffen wir auf eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig normale Saison und viele morgendliche Begegnungen mit unserem Winkemann!\u00a0 <\/em><em>\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>*************************************<\/p>\n<p>Kennen Sie das &#8222;Alpenpanorama&#8220;? Nein? Dann ist Ihnen etwas entgangen!<\/p>\n<p>Das &#8222;Alpenpanorama&#8220; ist eine wunderbare Sendung auf 3sat. Sie kommt (fast) jeden Morgen zwischen 7.30 und 9.00 Uhr und sendet live aus verschiedenen Orten der deutschen, \u00f6sterreichischen und italienischen Alpen. Meist stehen die Kameras an den Bergstationen im der Lifte und Bergbahnen. Etwa 45 Sekunden langt schwenkt die Kamera &#8211; ohne Ton, nur von alpenl\u00e4ndischer Musik dezent untermalt &#8211; sanft von einer Seite zur anderen, dann kommt der n\u00e4chste Ort. Es sind keine Webcams, die d\u00fcrftige Bildchen liefern, sondern ordentliche Videokameras mit einer sehr guten Bildqualit\u00e4t. Jetzt, im Winter, sieht man oft, wie die Skifahrer aus dem Lift klettern und sich entweder erst sammeln oder gleich ins Tal brausen. Im Sommer, der mir lieber ist als der Winter, kann man oft Wanderer beochachten, wie sie mit r\u00fcstigen Schritten die Almen durchqueren oder auf der Steinplatte wandern.<\/p>\n<p>Das Sch\u00f6nste sind immer die \u00fcberraschenden und unbeabsichtigten Momente. Da sieht man etwa Fliegen oder Spinnen, die \u00fcber das Objektiv krabbeln, oder die Hand eines Vermummten, der gerade das Objektiv reinigt. Oder es fliegen Dohlen vorbei. Die Drehmechanik der Kamera ist manchmal defekt: dann ist das Bild eingefroren, oder es ruckelt dahin &#8211; oder es schwenkt gar in die falsche Richtung. So war etwa in einem der letzten Jahre die Kamera eine halbe Minute lang starr auf den Hinterhof einer Bergstation gerichtet, auf dem es aussah wie bei Hempels unterm Sofa.<\/p>\n<p>Und dann das Wetter! Im Winter ist es um halb acht, wenn die Sendung beginnt, oft noch dunkel, sp\u00e4ter beginnen die h\u00f6heren Gipfel mit den ersten Sonnenstrahlen zu leuchten. In den kleinen Bergd\u00f6rfern, die sich oft in Talmulden kauern, sieht man mit etwas Gl\u00fcck das Licht in den Fenstern, wo die ersten G\u00e4ste schon fr\u00fchst\u00fccken.<\/p>\n<p>Nicht alles ist sch\u00f6n in den Bergen. Gerade die Bergstationen der Lifte und Bergbahnen sind oft von einer kaum ertr\u00e4glichen H\u00e4\u00dflichkeit &#8211; Zweckbauten, die in der herrlichen Umgebung <em>noch<\/em> h\u00e4\u00dflicher aussehen. Manche \u00e4hneln UFOs, andere wieder ausgedienten Reisebussen. Dann flackern im Schnee &#8211; schon am Morgen! &#8211; riesige Bildschirme mit den neuesten &#8222;Infos&#8220; f\u00fcr Skifahrer, und das mitten in einem Naturpanorama, wie es sch\u00f6ner nicht sein kann. Der Kontrast tut einem fast k\u00f6rperlich weh. Werbetafeln, so gro\u00df, da\u00df man die Schrift von der entferntstehenden Kamera aus lesen kann, berichten, da\u00df es sich hier um das &#8222;schneesicherste Gebiet&#8220; der ganzen Gegend handelt, und der Name &#8222;Sunny Mountain Restaurant&#8220; pa\u00dft auch eher in die Rocky Mountains als in die Alpen.<\/p>\n<p>Man m\u00fc\u00dfte einmal einen Bildband \u00fcber die architektonische H\u00e4\u00dflichkeit der alpinen Bergstationen zusammenstellen (aber den gibt es vielleicht schon).<\/p>\n<p>Seltsamerweise gew\u00f6hnt man sich aber daran &#8211; sonst k\u00f6nnte man ja auch in manchem Haus, in manchem Stadtviertel nicht gl\u00fccklich werden.<\/p>\n<p>Aber jetzt zum Winkemann!<\/p>\n<p>Jeden Morgen, um 8.34, ist die kleine Tiroler Gemeinde Berwang an der Reihe. Und dann sieht man ihn, mit etwas Gl\u00fcck: den Winkemann von Berwang. Er steht in aufrechter Haltung neben der Bergstation der Sonnalmbahn im Schnee &#8211; und winkt in die Kamera. Aber was hei\u00dft winken &#8211; es ist eine so gleichm\u00e4\u00dfige, professionelle Bewegung der Arme, da\u00df es jeden Morgen wieder eine Freude ist, ihn zu sehen. Am Anfang dachten wir, es sei nur ein Tourist, der sich einen Spa\u00df macht. Aber der Lift ist noch gar nicht in Betrieb, wenn der Winkemann winkt. Inzwischen wei\u00df ich, da\u00df es ein Angestellter der Sonnalmbahn ist, der fr\u00fchmorgens bei jedem Wetter, manchmal vor Schnee oder Nebel fast nicht zu sehen und oft genug in eisiger K\u00e4lte, den Zuschauer auf diese freundliche Art begr\u00fc\u00dft. Er ist wohl fast immer da, aber die Kamera schwenkt manchmal so, da\u00df sie ihn nicht erfa\u00dft &#8211; aber auch wenn er dem Blick verborgen bleibt, freut man sich an der Gewi\u00dfheit: er ist da und winkt, auch wenn man ihn nicht sieht.<\/p>\n<p>Manchmal &#8211; und das sind dann ganz au\u00dfergew\u00f6hnliche Tage! &#8211; ist er nicht allein. Dann hat er einen Kollegen neben sich, der unbeholfen versucht, wie der Winkemann zu winken. Ein sinnloses Unterfangen &#8211; niemand winkt wie der Winkemann. Einmal, zu Beginn der Wintersaison im Dezember (der Winkemann winkt n\u00e4mlich nur im Winter!), hatte er gleich drei Kollegen auf einmal neben sich, und alle vier winkten gemeinsam dem Zuschauer zu. Aber man wu\u00dfte sofort, wer von den vieren der wahre, der echte Winkemann war. Die Geschmeidigkeit der Bewegungen, die gekonnte Professionalit\u00e4t, die jahrelange Erfahrung im Winken &#8211; das kann man eben nicht verbergen.<\/p>\n<p>Habe ich Ihnen jetzt ein bi\u00dfchen Lust auf das &#8222;Alpenpanorama&#8220; gemacht? Ich hoffe es.<\/p>\n<p>Am Ende jeder halben Stunde &#8211; und auch das war eine gl\u00fcckliche Einrichtung &#8211; konnte man sich bis vor einiger Zeit noch ein wenig vom Gebirge erholen: dann gab es erst einmal einen sch\u00f6nen Schwenk vom Burgtheater aufs Wiener Rathaus, und dann, ganz am Ende und nat\u00fcrlich auch live, eine Aussicht aufs Mittelmeer. Erst war es Cambrils in Spanien, dann zeigte man kroatische K\u00fcstenst\u00e4dtchen: nach dem vielen Schnee war das ein sch\u00f6ner Anblick, wenn sich die frischgr\u00fcnen Aleppokiefern im Wind wiegten und die Wellen &#8211; manchmal bed\u00e4chtig und ruhig, dann wieder aufsch\u00e4umend &#8211; ans Ufer schlugen. Auf das Mittelmeer hat man leider seit langem verzichtet, auch auf den Neusiedler See.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser, dieser Artikel, der schon einige Jahre alt ist, geh\u00f6rt zu den meistgelesenen meines Blogs. 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