{"id":3896,"date":"2012-01-22T01:21:22","date_gmt":"2012-01-22T00:21:22","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3896"},"modified":"2012-01-22T08:41:19","modified_gmt":"2012-01-22T07:41:19","slug":"der-anbau-von-olpalmen-eine-intelligente-landnutzung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3896","title":{"rendered":"Der Anbau von \u00d6lpalmen &#8211; eine &#8222;intelligente Landnutzung&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p>Sein Name ist Niebel, Dirk Niebel. Er geh\u00f6rt der FDP an und ist Bundesminister f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Was ihn f\u00fcr dieses Amt qualifiziert, habe ich noch nicht herausgefunden. Acht Jahre war er Soldat auf Zeit. Nach einem Studium des Verwaltungswesens arbeitete er als Arbeitsvermittler beim Arbeitsamt. Das ist f\u00fcr die FDP in ihrem heutigen Zustand genug Qualifikation, um einen Mann zum Minister zu machen.<\/p>\n<p>Aber was hat das mit der \u00d6lpalme zu tun?<\/p>\n<p>Im s\u00fcd\u00f6stlichen Nicaragua befindet sich ein wertvolles Biosph\u00e4renreservat: Indio Ma\u00edz. Es ist, wie man auf den Seiten der Organisation <a title=\"Rettet den Regenwald\" href=\"https:\/\/www.regenwald.org\/aktion\/820\/nicaragua-deutsche-steuergelder-zerstoren-umwelt\">Rettet den Regenwald<\/a> nachlesen kann,<\/p>\n<blockquote><p>das zweitgr\u00f6\u00dfte Regenwaldschutzgebiet des Landes. Im Reservat leben 70-80 Prozent aller Tierarten des zentralamerikanischen Staates, ein F\u00fcnftel davon sind bedrohte Spezies.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier leben auch Kleinbauern, die von einer einheimischen Nichtregierungsorganisation im \u00f6kologischen Landbau geschult wurden und dadurch ihr kleines Auskommen hatten. Die Kosten daf\u00fcr wurden zum Teil von der deutschen GIZ \u00fcbernommen. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ), das mu\u00df man wissen, ist ein Zusammenschlu\u00df von drei Organisationen unter der Federf\u00fchrung von Dirk Niebel: der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Technische Zusammenarbeit (GTZ), des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und der\u00a0 Weiterbildungsgesellschaft InWEnt. Sie f\u00f6rderten also die Bauernkooperativen und ihren den Boden schonenden Landbau. So weit, so gut.<\/p>\n<p>Aber die Bauern und das Biosph\u00e4renreservat haben einen Nachbarn: einen der m\u00e4chtigsten Unternehmer des Landes, Ramiro Ortiz, und der wei\u00df, da\u00df es heutzutage &#8211; vor allem dank der gr\u00fcnen Bewegung in den reichen L\u00e4ndern &#8211; eine wahre Goldgrube gibt: den Anbau von \u00d6lpalmen f\u00fcr die Gewinnung von &#8222;Biosprit&#8220;.<\/p>\n<p>Aber ein Reicher kann ja nie reich genug sein, und deshalb ist auch seine Plantage nie gro\u00df genug. Also redet Ortiz so lange auf die Bauern ein, bis sie ihm ihr Land verkaufen. Inzwischen m\u00f6chten sie fast alle wieder zur\u00fcck, denn von dem Lohn, den ihnen der Plantagenbesitzer zahlt, k\u00f6nnen sie kaum leben. Aber daf\u00fcr ist es zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Doch die Pointe kommt erst noch, denn:<\/p>\n<blockquote><p>auf diesem Land soll die Plantage jetzt erweitert werden \u2013 mit 5,4 Millionen Euro der staatlichen Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), einer Tochter der Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Entwicklungsminister finanziert also die \u00f6kologische Fortbildung der Kleinbauern und gleichzeitig den Gro\u00dfgrundbesitzer, der den Bauern den Garaus macht! Das ist doch einmal eine ausgewogene und intelligente Politik.<\/p>\n<p>Palm\u00f6l-Plantagen, das wei\u00df man, k\u00f6nnen nur mit viel Wasser und mit viel Gift am Leben gehalten werden. Erste Anzeichen f\u00fcr eine Verseuchung des Bodens soll es in Nicaragua schon jetzt geben. Trotzdem kommen die deutsche Consultingfirma Unique und Dirk Niebel als verantwortlicher Minister zu dem Schlu\u00df, es handle sich bei diesen Monokulturen um eine &#8222;intelligente Landnutzung&#8220;.<\/p>\n<p>Wer nach Jahrzehnten \u00f6kologischer Forschung, die doch f\u00fcr jeden verf\u00fcgbar ist, so etwas sagt und die riesigen Monokulturen, die inzwischen in vielen L\u00e4ndern der Dritten Welt (und auch in den Schwellenl\u00e4ndern) von Horizont zu Horizont reichen, wer diese Monokulturen allen Ernstes als &#8222;intelligent&#8220; bezeichnet, sollte sich schon einmal fragen, wie es um seine eigene Intelligenz, zumindest aber um seine fachliche Belesenheit, bestellt ist. Vielleicht sind hier aber auch wirtschaftliche Interessen im Spiel &#8211; wer wei\u00df? Selbst die in solchen Dingen sehr zur\u00fcckhaltende, manchmal \u00fcbervorsichtige <a title=\"Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dirk_Niebel#cite_note-ecuad-7\">Wikipedia<\/a> berichtet von Kritikern, die Niebel vorwerfen,<\/p>\n<blockquote><p>nicht im Sinne der Entwicklung der &#8222;Dritte Welt&#8220;-L\u00e4nder zu agieren, sondern im Sinne deutscher Wirtschaftsunternehmen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die weltweite Vernichtung immer gr\u00f6\u00dferer Naturfl\u00e4chen, sogar wertvollster Regenw\u00e4lder, zugunsten von &#8222;Biosprit&#8220;-Plantagen wird in diesem Jahrhundert, wenn es nicht gelingt, den Proze\u00df zu stoppen, zu einer \u00f6kologischen Katastrophe von unvorstellbaren Ausma\u00dfen f\u00fchren &#8211; von der Verteuerung der Grundnahrungsmittel und den daraus resultierenden Verteilungsk\u00e4mpfen ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>Kann man noch etwas dagegen tun? Vielleicht ist es schon zu sp\u00e4t, denn die Gewinnspannen f\u00fcr den &#8220; Biosprit&#8220; sind so gro\u00df und die demokratischen Kontrollmechanismen in der Dritten Welt so schwach, da\u00df der Raubbau kaum noch zu bremsen ist &#8211; im Gegenteil: er beschleunigt sich noch.<\/p>\n<p>Aber etwas k\u00f6nnen wir schon tun: zum Beispiel eine Partei nicht mehr w\u00e4hlen (und zwar unter keinen Umst\u00e4nden!), die einen Dirk Niebel zum Minister macht. Das ist doch ein kleiner Anfang.<\/p>\n<p>Und dann nat\u00fcrlich: um Himmels willen (oder besser: um unserer guten alten Erde willen) keinen Biosprit tanken!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sein Name ist Niebel, Dirk Niebel. Er geh\u00f6rt der FDP an und ist Bundesminister f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Was ihn f\u00fcr dieses Amt qualifiziert, habe ich noch nicht herausgefunden. Acht Jahre war er Soldat auf Zeit. 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