{"id":3704,"date":"2012-01-08T01:21:30","date_gmt":"2012-01-08T00:21:30","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3704"},"modified":"2012-01-08T08:52:55","modified_gmt":"2012-01-08T07:52:55","slug":"der-islam-und-die-toleranz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3704","title":{"rendered":"Der Islam und die Toleranz"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt kaum eine Talkshow \u00fcber den Islam, in dem nicht ein Muslim (oder eine Muslima) ihre Religion als Hort des Friedens und der wahren Toleranz beschw\u00f6ren. Es ist dies freilich &#8211; leider! &#8211; eine Toleranz der Worte, nicht der Taten, denn da, wo der Islam <em>herrscht<\/em>, wo er also die Mehrheit und die Macht hat, ist er ganz und gar nicht tolerant.<\/p>\n<p>Wenn dort andere Religionen \u00fcberhaupt geduldet und nicht, wie in Nigeria und in vielen anderen L\u00e4nderen der islamischen Welt, mit Mord und Totschlag bedroht werden, dann werden sie eben nur &#8211; <em>geduldet<\/em>. Das war jahrhundertelang auch im Osmanischen Reich so, wo man die &#8222;Ungl\u00e4ubigen&#8220; gro\u00dfm\u00fctig am Leben lie\u00df, solange sie die Kopfsteuer entrichteten und brave Untertanen waren. Und auch in der heutigen T\u00fcrkei, die von ihrem Ministerpr\u00e4sidenten als islamisches Musterland verstanden wird, werden Christen \u00fcberall nach Kr\u00e4ften kleingehalten und in der Aus\u00fcbung ihres Menschenrechts auf Religionsfreiheit behindert.<\/p>\n<p>Ein Zeichen von Selbstbewu\u00dftsein ist das nicht, ganz im Gegenteil: man f\u00fcrchtet die &#8222;freie Konkurrenz&#8220; der Religionen wie der Teufel das Weihwasser, also errichtet man ein ganzes Netz von religi\u00f6sen und strafrechtlichen Verboten, um den Gl\u00e4ubigen den Abfall vom &#8222;wahren&#8220; Glauben so schwer wie m\u00f6glich zu machen. Das geht in manchen Regionen der islamischen Welt bis hin zur Todesdrohung gegen\u00fcber Konvertiten, und selbst in der &#8222;modernen&#8220; T\u00fcrkei mu\u00df ein Muslim, der zum Christentum \u00fcbertritt, ein Leben lang in Angst leben.<\/p>\n<p>Toleranz, das mu\u00df man hier einmal deutlich sagen, ist <em>nicht<\/em> der Verzicht darauf, den Andersgl\u00e4ubigen totzuschlagen. Toleranz ist immer der Respekt vor dem Andersdenkenden &#8211; und erst recht vor dem Andersgl\u00e4ubigen. Um den eigenen Glauben einen strafbewehrten Zaun zu errichten, ist mehr als armselig.<\/p>\n<p>Wahre Toleranz &#8211; dar\u00fcber gibt es in Lessings Drama <em>Nathan der Weise<\/em> eine sch\u00f6ne Geschichte: die Ringparabel. Fr\u00fcher hat man sie in der Oberstufe jedes Gymnasiums gelesen, heute &#8211; f\u00fcrchte ich &#8211; ist das nicht mehr so. Deshalb will ich sie hier in den wichtigsten Ausz\u00fcgen vorstellen.<\/p>\n<blockquote><p>Vor grauen Jahren lebt&#8216; ein Mann in Osten,<br \/>\nDer einen Ring von unsch\u00e4tzbarem Wert<br \/>\nAus lieber Hand besa\u00df. Der Stein war ein<br \/>\nOpal, der hundert sch\u00f6ne Farben spielte,<br \/>\nUnd hatte die geheime Kraft, vor Gott<br \/>\nUnd Menschen angenehm zu machen, wer<br \/>\nIn dieser Zuversicht ihn trug. Was Wunder,<br \/>\nDa\u00df ihn der Mann in Osten darum nie<br \/>\nVom Finger lie\u00df; und die Verf\u00fcgung traf,<br \/>\nAuf ewig ihn bei seinem Hause zu<br \/>\nErhalten? N\u00e4mlich so. Er lie\u00df den Ring<br \/>\nVon seinen S\u00f6hnen dem geliebtesten;<br \/>\nUnd setzte fest, da\u00df dieser wiederum<br \/>\nDen Ring von seinen S\u00f6hnen dem vermache,<br \/>\nDer ihm der liebste sei; und stets der liebste,<br \/>\nOhn&#8216; Ansehn der Geburt, in Kraft allein<br \/>\nDes Rings, das Haupt, der F\u00fcrst des Hauses werde.<\/p>\n<p>So kam nun dieser Ring, von Sohn zu Sohn,<br \/>\nAuf einen Vater endlich von drei S\u00f6hnen;<br \/>\nDie alle drei ihm gleich gehorsam waren,<br \/>\nDie alle drei er folglich gleich zu lieben<br \/>\nSich nicht entbrechen konnte. Nur von Zeit<br \/>\nZu Zeit schien ihm bald der, bald dieser, bald<br \/>\nDer dritte, &#8211; sowie jeder sich mit ihm<br \/>\nAllein befand, und sein ergie\u00dfend Herz<br \/>\nDie andern zwei nicht teilten, &#8211; w\u00fcrdiger<br \/>\nDes Ringes; den er denn auch einem jeden<br \/>\nDie fromme Schwachheit hatte, zu versprechen.<br \/>\nDas ging nun so, solang es ging. &#8211; Allein<br \/>\nEs kam zum Sterben, und der gute Vater<br \/>\nK\u00f6mmt in Verlegenheit. Es schmerzt ihn, zwei<br \/>\nVon seinen S\u00f6hnen, die sich auf sein Wort<br \/>\nVerlassen, so zu kr\u00e4nken. &#8211; Was zu tun?<br \/>\nEr sendet in geheim zu einem K\u00fcnstler,<br \/>\nBei dem er, nach dem Muster seines Ringes,<br \/>\nZwei andere bestellt, und weder Kosten<br \/>\nNoch M\u00fche sparen hei\u00dft, sie jenem gleich,<br \/>\nVollkommen gleich zu machen. Das gelingt<br \/>\nDem K\u00fcnstler. Da er ihm die Ringe bringt,<br \/>\nKann selbst der Vater seinen Musterring<br \/>\nNicht unterscheiden. Froh und freudig ruft<br \/>\nEr seine S\u00f6hne, jeden insbesondre;<br \/>\nGibt jedem insbesondre seinen Segen,<br \/>\nUnd seinen Ring, und stirbt.<\/p>\n<p>Ich bin zu Ende.<br \/>\nDenn was noch folgt, versteht sich ja von selbst.&#8211;<br \/>\nKaum war der Vater tot, so k\u00f6mmt ein jeder<br \/>\nMit seinem Ring, und jeder will der F\u00fcrst<br \/>\nDes Hauses sein. Man untersucht, man zankt,<br \/>\nMan klagt. Umsonst; der rechte Ring war nicht<br \/>\nErweislich; fast so unerweislich, als<br \/>\nUns itzt &#8211; der rechte Glaube.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich ziehen die S\u00f6hne vor Gericht &#8211; und geraten (das gibt es sogar hin und wieder im wirklichen Leben!) an einen weisen Richter. Der n\u00e4mlich sagt:<\/p>\n<blockquote><p>Mein Rat ist aber der: ihr nehmt<br \/>\nDie Sache v\u00f6llig wie sie liegt. Hat von<br \/>\nEuch jeder seinen Ring von seinem Vater:<br \/>\nSo glaube jeder sicher seinen Ring<br \/>\nDen echten. &#8211; M\u00f6glich; da\u00df der Vater nun<br \/>\nDie Tyrannei des einen Rings nicht l\u00e4nger<br \/>\nIn seinem Hause dulden wollen! &#8211; Und gewi\u00df;<br \/>\nDa\u00df er euch alle drei geliebt, und gleich<br \/>\nGeliebt: indem er zwei nicht dr\u00fccken m\u00f6gen,<br \/>\nUm einen zu beg\u00fcnstigen. &#8211; Wohlan!<br \/>\nEs eifre jeder seiner unbestochnen<br \/>\nVon Vorurteilen freien Liebe nach!<br \/>\nEs strebe von euch jeder um die Wette,<br \/>\nDie Kraft des Steins in seinem Ring&#8216; an Tag<br \/>\nZu legen! Komme dieser Kraft mit Sanftmut,<br \/>\nMit herzlicher Vertr\u00e4glichkeit, mit Wohltun,<br \/>\nMit innigster Ergebenheit in Gott<br \/>\nZu Hilf&#8216;! Und wenn sich dann der Steine Kr\u00e4fte<br \/>\nBei euern Kindes-Kindeskindern \u00e4u\u00dfern:<br \/>\nSo lad ich \u00fcber tausend tausend Jahre<br \/>\nSie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird<br \/>\nEin weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen<br \/>\nAls ich; und sprechen. Geht! &#8211; So sagte der<br \/>\nBescheidne Richter.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Es eifre jeder seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach!&#8220; &#8211; und zwar &#8222;mit Sanftmut, mit herzlicher Vertr\u00e4glichkeit, mit Wohltun, mit innigster Ergebenheit in Gott&#8220;.<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6nere Definition von Toleranz wird man nicht leicht finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt kaum eine Talkshow \u00fcber den Islam, in dem nicht ein Muslim (oder eine Muslima) ihre Religion als Hort des Friedens und der wahren Toleranz beschw\u00f6ren. 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