{"id":3458,"date":"2011-12-21T01:33:28","date_gmt":"2011-12-21T00:33:28","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3458"},"modified":"2011-12-21T08:36:51","modified_gmt":"2011-12-21T07:36:51","slug":"ein-schrecken-ohne-ende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3458","title":{"rendered":"Ein Schrecken ohne Ende?"},"content":{"rendered":"<p>Steffen Seibert ist ein guter, ein <em>wirklich<\/em> guter Journalist. Er ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als er am 11. September 2001 f\u00fcr das ZDF live \u00fcber den Anschlag auf das World Trade Center berichtete. Das war eine auch journalistisch schwierige Aufgabe, und er hat sie bravour\u00f6s gemeistert. Danach moderierte er sieben Jahre lang die <em>heute<\/em>-Nachrichten um 19 Uhr. Und dann &#8211; wurde er Regierungssprecher.<\/p>\n<p>Im ZDF war man sicher nicht gl\u00fccklich dar\u00fcber, und so ganz, das mu\u00df ich gestehen, begreife ich diesen Wechsel bis heute nicht. Man kann als Regierungssprecher zwar wie in jeder anderen journalistischen Sparte zeigen, wie gut man mit der Sprache umgehen kann. Aber man ist doch immer blo\u00df der Apologet der herrschenden Regierung, und man mu\u00df auch das eloquent verteidigen, was einem im Innern zuwider ist.<\/p>\n<p>Es ist eben <em>kein<\/em> freier, unabh\u00e4ngiger Journalismus. Es ist Brotarbeit.<\/p>\n<p>Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich heute las, wie Seibert &#8211; als Stimme seiner Herrin &#8211; schon wieder ihr &#8222;vollstes Vertrauen&#8220; zum Bundespr\u00e4sidenten verk\u00fcnden mu\u00dfte. Aber dann kam ein merkw\u00fcrdiger Satz.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr <em>neu auftauchende Fragen<\/em> gelte, so formulierte es der Regierungssprecher, da\u00df sie an den Bundespr\u00e4sidenten zu richten seien.<\/p>\n<blockquote><p>Sie werden von ihm pers\u00f6nlich aufgekl\u00e4rt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sind nun schon wieder S\u00e4tze, die ganz und gar nicht zum &#8222;vollsten Vertrauen&#8220; passen wollen. Man rechnet offenbar damit, da\u00df es immer mehr solcher &#8222;neu auftauchender Fragen&#8220; geben wird &#8211; und: man w\u00e4scht seine H\u00e4nde in Unschuld.<\/p>\n<p>Wulff soll sie gef\u00e4lligst pers\u00f6nlich aufkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wann macht der Bundespr\u00e4sident diesem elenden Spiel ein Ende? Die Kanzlerin wird ihm nicht helfen. Die Mehrheit der Deutschen will offenbar nicht, da\u00df er zur\u00fccktritt, aber hinter diesem Votum steht &#8211; nach dem bis heute r\u00e4tselhaften R\u00fccktritt von Horst K\u00f6hler &#8211; eigentlich nur ein &#8222;Nicht schon wieder!&#8220;<\/p>\n<p>Wenn aber in der gleichen Umfrage 47 % der Deutschen ihren Bundespr\u00e4sidenten f\u00fcr &#8222;nicht ehrlich&#8220; halten, dann kann doch ein Mensch, der noch ein bi\u00dfchen Selbstachtung besitzt, nicht im Amt bleiben!<\/p>\n<p>Es ist ja im \u00fcbrigen nicht einmal so sehr das Delikt an sich, das verwerflich ist &#8211; nein: wie schon bei Guttenberg und den halbseidenen Doktorinnen und Doktoren in unserer politischen Klasse ist es die v\u00f6llige Unf\u00e4higkeit, sich zu seiner Schuld zu bekennen. Ich bin sicher, selbst Guttenberg h\u00e4tte man verziehen, wenn er \u00f6ffentlich zugegeben h\u00e4tte, was er getan hat. Aber nein, so ein <em>mea culpa<\/em> geht unseren Politikern nicht \u00fcber die Lippen.<\/p>\n<p>Auch wenn man an Politiker keine allzu hohen Ma\u00dfst\u00e4be anlegen mag &#8211; dieses Unverm\u00f6gen, wenigstens bescheidenen ethischen Normen zu gen\u00fcgen, ist schon ein Zeichen des Niedergangs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steffen Seibert ist ein guter, ein wirklich guter Journalist. Er ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als er am 11. September 2001 f\u00fcr das ZDF live \u00fcber den Anschlag auf das World Trade Center berichtete. 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