{"id":3456,"date":"2011-12-22T00:28:30","date_gmt":"2011-12-21T23:28:30","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3456"},"modified":"2011-12-22T00:34:02","modified_gmt":"2011-12-21T23:34:02","slug":"der-fluch-der-olpalme-ein-bericht-aus-sierra-leone-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3456","title":{"rendered":"Der Fluch der \u00d6lpalme &#8211; Ein Bericht aus Sierra Leone"},"content":{"rendered":"<p>In China ist es an der Tagesordnung, da\u00df korrupte &#8222;Parteikader&#8220; das Land der Kleinbauern rauben und gewinnbringend an Immobilienkonzerne &#8222;verkaufen&#8220;. In der dritten Welt &#8211; in Afrika, S\u00fcdostasien und S\u00fcdamerika &#8211; raubt man den Armen ihr Land auch &#8211; aber aus anderen Gr\u00fcnden. Dort baut man auf den gestohlenen Fl\u00e4chen in unvorstellbaren Gr\u00f6\u00dfenordnungen \u00d6lpalmen an, und aus den Fr\u00fcchten wird dann Bio-Diesel f\u00fcr die \u00f6kologisch korrekten Autofahrer in den Industriel\u00e4ndern gebraut.<\/p>\n<p>Man kann es nicht oft genug sagen: die \u00d6lpalme ist die Pest des 21. Jahrhunderts. Um an Fl\u00e4chen f\u00fcr ihren Anbau zu kommen, gehen die Konzerne und ihre korrupten Helfershelfer in der Dritten Welt buchst\u00e4blich \u00fcber Leichen. Sie roden intakte Regenw\u00e4lder, sie enteignen das Land von Kleinbauern, sie nutzen jeden rechtlichen Schlupfwinkel &#8211; und das alles, weil die westlichen Industriestaaten, allen voran die EU und (damit auch Deutschland!), den sog. &#8222;Biosprit&#8220; zu einer moralischen Angelegenheit gemacht haben.<\/p>\n<p>Eine moralische Angelegenheit ist der &#8222;Biosprit&#8220; in der Tat, aber in einem ganz anderen Sinn. Das sieht man auch jetzt wieder an den neuesten Nachrichten aus Sierra Leone.<\/p>\n<p>Sierra Leone ist eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt. Es hat sich gerade von einem der schlimmsten B\u00fcrgerkriege des Kontinents halbwegs erholt, aber laut Wikipedia werden nur 6 % der Fl\u00e4che landwirtschaftlich genutzt. M\u00fc\u00dfte man da nicht froh sein, da\u00df Bauern \u00fcberhaupt das Land bewirtschaften? Nein &#8211; man will es ihnen stehlen, und das Vorgehen \u00e4hnelt auf verbl\u00fcffende Weise den Praktiken der Chinesen.<\/p>\n<p>Es gibt sog. &#8222;traditionelle F\u00fchrer&#8220;, die das Land (das ihnen gar nicht geh\u00f6rt!) der Regierung &#8222;zur Verf\u00fcgung gestellt&#8220; haben. Und die Regierung hat es dann an die Socfin Agriculture Company (SAC) weitergereicht. Dieser Konzern hat das Land f\u00fcr 50 Jahre &#8222;gepachtet&#8220; &#8211; man mu\u00df alle diese W\u00f6rter in Anf\u00fchrungszeichen setzen, denn im Grunde handelt es sich hier (wie auch in China) schlicht und einfach um Landraub. Die Regierung h\u00e4lt ihre sch\u00fctzende Hand \u00fcber die Gesch\u00e4fte, und alle verdienen daran &#8211; am meisten nat\u00fcrlich der Konzern selbst.<\/p>\n<blockquote><p>Socfin locken in Sierra Leone extrem niedrige Pachtpreise, gro\u00dfz\u00fcgige Steuerbefreiungen, minimale Arbeitsl\u00f6hne, schwache Umweltauflagen sowie verbreitete Korruption &#8211; Bedingungen wie sie schon zu Kolonialzeiten herrschten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Schon jetzt haben die Agrokonzerne 10 % des Landes unter ihrer Kontrolle, aber man wei\u00df ja, wie das mit der Gier ist &#8211; wer viel hat, will immer noch mehr. SOCFIN, der Mutterkonzern der SAC, hat schon jetzt 90.000 Hektar \u00d6lpalmplantagen und 50.000 Hektar Kautschukplantagen in seinem Besitz. Eines seiner Tochterunternehmen rodet in Kamerun den Regenwald und vertreibt die dort ans\u00e4ssigen Pygm\u00e4en. Wer dar\u00fcber berichtet, wird in Frankreich vor Gericht gestellt, denn der Konzern geh\u00f6rt zur Firmengruppe des franz\u00f6sischen Gro\u00dfindustriellen Bollor\u00e9, der (wie die Organisation <a title=\"Rettet den Regenwald\" href=\"https:\/\/www.regenwald.org\/aktion\/810?mt=1260\">Rettet den Regenwald<\/a> berichtet) enge Kontakte bis in den Elysee-Palast unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Landraub gibt es nat\u00fcrlich auch schon einen Fachbegriff: <em>landgrabbing<\/em>. Das Netzwerk <em>International Landcoalition<\/em> hat einmal den Landraub genauer untersucht und herausgefunden, da\u00df zwischen 2000 und 2010 insgesamt 200 Millionen Hektar Land geraubt wurden. Von den n\u00e4her untersuchten 71.000 Hektar wurde mehr als die H\u00e4lfte f\u00fcr die Erzeugung von &#8222;Biosprit&#8220; genutzt.<\/p>\n<blockquote><p>Mit Palm\u00f6ldiesel lassen sich in Europa hohe Gewinne erwirtschaften. Denn die Europ\u00e4ische Union schreibt vor, dass dem fossilen Dieselkraftstoff sogenannter Biodiesel beigemischt wird. Damit soll das Klima geschont werden. Wissenschaftler aus aller Welt warnen hingegen vor Agrosprit. Deren Anbau und Produktion sind mit enormen Umweltsch\u00e4den verbunden. Viele Agrarkraftstoffe sch\u00e4digen das Klima um ein Vielfaches mehr, als herk\u00f6mmlicher Sprit. Und weil Ackerfl\u00e4chen und Nahrungsmittel f\u00fcr die Produktion von Agrosprit in Beschlag genommen werden, fordern die UNO und weitere internationale Organisationen die Industriel\u00e4nder auf, deren Agrospritpolitik zu beenden. Sonst w\u00fcrden weiter steigende Nahrungsmittelpreise, Hungersn\u00f6te und Aufst\u00e4nde drohen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Meine Leser kennen das ja schon &#8211; ich frage da immer auch nach der Verantwortung der gr\u00fcnen Bewegung, ohne die es nie zu diesem Landraub im internationalen Ma\u00dfstab gekommen w\u00e4re. Bis heute halten die Gr\u00fcnen an ihrer perversen Neigung zum &#8222;Biosprit&#8220; fest, sie haben im nationalen und im internationalen Ma\u00dfstab mit gro\u00dfer Energie auf die Gesetzgebung eingewirkt, um das herk\u00f6mmliche Benzin zumindest teilweise mit &#8222;Biosprit&#8220; anzureichern. Aber sie stehen nicht zu ihrer Verantwortung, obwohl inzwischen viele internationale Organisationen zum sofortigen Abbau der Subventionen f\u00fcr den &#8222;Biosprit&#8220; aufgerufen haben.<\/p>\n<p>Wissen die Gr\u00fcnen nicht, wie man ins Internet geht? Eine Minute mit einer beliebigen Suchmaschine w\u00fcrde reichen, um ihnen klarzumachen, was sie in Afrika, Indonesien, Malaysia und in vielen s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern mit ihrer Politik angerichtet haben.<\/p>\n<p>Sie stammeln, falls sie \u00fcberhaupt etwas sagen, nur von &#8222;Zertifizierung&#8220; &#8211; aber \u00fcber diese Zertifizierungen lacht die ganze Welt. Sie sind billig zu haben, und genau so billig ist diese ganze Pseudo-\u00d6kologie, die zu einer platten, unkritischen Ideologie verkommen ist. &#8222;Quidquid agis, prudenter agas, et respice finem&#8220; &#8211; so hei\u00dft ein r\u00f6misches Sprichwort. Was immer du tust, tu es klug, und bedenke die Folgen! Die gr\u00fcne Ideologie denkt nicht mehr an die Folgen, sie betreibt d\u00fcmmliche Sprechblasen- und Symbolpolitik (Gl\u00fchbirnen! CO2-Bilanz!) und ist sich ansonsten selbst genug.<\/p>\n<p>Eine solche Partei ist f\u00fcr Menschen, denen es <em>wirklich<\/em> um die Natur geht, nicht mehr w\u00e4hlbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In China ist es an der Tagesordnung, da\u00df korrupte &#8222;Parteikader&#8220; das Land der Kleinbauern rauben und gewinnbringend an Immobilienkonzerne &#8222;verkaufen&#8220;. 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