{"id":3092,"date":"2011-11-18T01:01:46","date_gmt":"2011-11-18T00:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3092"},"modified":"2011-11-19T12:02:20","modified_gmt":"2011-11-19T11:02:20","slug":"jetzt-ist-schlus-mit-mademoiselle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=3092","title":{"rendered":"Jetzt ist Schlu\u00df mit Mademoiselle!"},"content":{"rendered":"<p>Kennen Sie Roselyne Bachelot? Oder h\u00e4tte ich sagen sollen &#8211; Mademoiselle Bachelot? Um Himmels willen, nur nicht! Einzig und allein &#8222;Madame Bachelot&#8220; ist die Anrede in korrektem Franz\u00f6sisch. Sie ist n\u00e4mlich verheiratet und hat einen Sohn.<\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt &#8211;<em> mademoiselles<\/em> wird es bald sowieso nicht mehr geben. Und genau daf\u00fcr will unsere Madame Bachelot sorgen.<\/p>\n<p>Sie ist &#8222;Ministerin f\u00fcr Solidarit\u00e4t und sozialen Zusammenhalt&#8220;. Das klingt irgendwie wohlig und heimelig. Aber in Wahrheit ist sie eine radikale Feministin. Und wie fast alle heutigen Feministinnen will sie die Welt der Geschlechter ver\u00e4ndern, indem sie &#8211; die Sprache ver\u00e4ndert. Das ist verst\u00e4ndlich, denn die Sprache kann sich nicht wehren. Wenn man gegen die Niedrigl\u00f6hne von Verk\u00e4uferinnen und Friseusen k\u00e4mpft, hat man es mit einem m\u00e4chtigen Gegner zu tun. Aber die Sprache ver\u00e4ndern? Das ist eine leichte \u00dcbung. Die Sprache verkr\u00fcppelt man mit einem Federstrich. Bachelots Kolleginnen und Kollegen diesseits des Rheins haben es vor Jahren vorgemacht: mit der sog. &#8222;Neuen Rechtschreibung&#8220; ist es ihnen in k\u00fcrzester Zeit gelungen, das geschriebene Deutsch so zu ver\u00e4ndern, da\u00df es nicht mehr wiederzuerkennen war. Jeder schreibt heute, wie er will &#8211; es herrscht Anarchie. Es ist also der seltene Fall eingetreten, da\u00df in Deutschland brave Beamte &#8211; sozusagen auf dem Dienstweg &#8211; die Anarchie eingef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Aber kehren wir zu Mademoiselle &#8211; oh pardon, zu <em>Madame<\/em> Bachelot zur\u00fcck. Sie will die Anrede &#8222;Mademoiselle&#8220; aus allen amtlichen Formularen in Frankreich streichen lassen. Die Anrede sei eine &#8222;sexistische Diskriminierung&#8220;.<\/p>\n<blockquote><p>Schlie\u00dflich sind M\u00e4nner auch nicht dar\u00fcber auskunftspflichtig, ob sie noch unverheiratet sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Unterscheidung sei au\u00dferdem ein Eingriff ins weibliche Privatleben. Damit hat sie, wie man gestern in der F.A.Z. nachlesen konnte, eine Kampagne der Feministinnenvereinigung <em>Chiennes de garde<\/em> (&#8222;Wachh\u00fcndinnen&#8220;) aufgegriffen.<\/p>\n<p>Die &#8222;gendergerechte Sprache&#8220; hat sich ja auch bei uns durchgesetzt &#8211; vor allem bei denen, die viel von Gender, aber wenig von Sprache verstehen. Wer etwa seine Landsleute mit &#8222;Liebe Nordrhein-Westf\u00e4linnen und Nordrhein-Westfalen!&#8220; anredet, mag einiges f\u00fcr die Gendergerechtigkeit getan haben, aber Sprachgef\u00fchl hat er (oder besser: sie?) nicht, und von Sprache versteht er wirklich gar nichts.<\/p>\n<p>Ich gebe es unumwunden zu: am Anfang &#8211; das ist lange her &#8211; hatte es tats\u00e4chlich Witz und sogar einen gewissen Erkenntniswert, als Frauen untersuchten, wie der &#8222;patriarchalische Charakter&#8220; der Gesellschaft auch unsere Sprache pr\u00e4gt. Ich denke da zum Beispiel an den sch\u00f6nen Satz<\/p>\n<blockquote><p>Als Gott den Mann schuf, \u00fcbte sie noch.<\/p><\/blockquote>\n<p>So etwas hat <em>esprit<\/em>, es ist ein Bonmot, das wirklich erkenntnisf\u00f6rdernd ist.<\/p>\n<p>Aber dann!<\/p>\n<p>Dann ist die plumpe und ideologische Genderisierung der Sprache, also ihre Umgestaltung und Verhunzung, abgesunken bis zum letzten Dorfb\u00fcrgermeister. Wo gibt es noch einen Schuldirektor, der seine Z\u00f6glinge mit &#8222;Liebe Sch\u00fcler!&#8220; anredet? Nein, er wird &#8211; oft wider besseres Wissen &#8211; &#8222;Liebe Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler!&#8220; sagen. In dem Wort &#8222;Sch\u00fcler&#8220; sind freilich seit Jahrhunderten beide Geschlechter zusammengefa\u00dft, aber was z\u00e4hlen Jahrhunderte eines organischen Wachstums der Sprache? Nichts. Im Wort &#8222;B\u00fcrger&#8220; sind immer schon M\u00e4nner und Frauen inbegriffen, aber der Verwaltungsbeamte, der Ortsvorsteher, der B\u00fcrgermeisterkandidat, alle sagen &#8222;Liebe Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger!&#8220;<\/p>\n<p>Warum machen sie das? Weil sie Angst haben, da\u00df sich vielleicht eine genderorientierte Frau \u00fcber sie beschweren k\u00f6nnte? Weil sie vom Wesen ihrer eigenen Sprache nichts verstehen?<\/p>\n<p>Der absolute H\u00f6he- oder besser Tiefpunkt des <em>Gender<\/em>-Wahnsinns in Deutschland war sicher die &#8222;Bibel in gerechter Sprache&#8220;. Sie ist nicht nur in einem geradezu erb\u00e4rmlich schlechten Deutsch geschrieben, nein &#8211; sie verf\u00e4lscht den Text auch in einem Ausma\u00df, wie man das bei deutschen Bibel\u00fcbersetzungen vorher noch nie erlebt hat. Sie will gar nicht mehr das Original so wiedergeben, wie es gemeint war, sie will nur den eigenen, als modern empfundenen Gender-Sinn \u00fcber den urspr\u00fcnglichen Text st\u00fclpen.<\/p>\n<p>Das ist nichts anderes als die Diktatur der modernen (Gender-) Interpretation \u00fcber den historischen Text, also eine grobe Verf\u00e4lschung.<\/p>\n<p>Es stellt sich hier &#8211; genau wie bei der Abschaffung der <em>Mademoiselle<\/em> &#8211; die Frage, ob die Sprecher einer Muttersprache es sich bieten lassen, von <em>Ideologinnen und Ideologen<\/em> auf diese Weise bevormundet zu werden.<\/p>\n<p>Aber nicht einmal Madame Bachelot kann diktatorisch \u00fcber den <em>tats\u00e4chlichen<\/em> Sprachgebrauch ihrer Landsleute bestimmen. Sie mag ihre Amtsformulare drucken, wie sie will, aber wie die Franzosen wirklich reden, liegt &#8211; Gott sei Dank! &#8211; nicht in ihrer Macht.<\/p>\n<p>Auch die &#8222;Bibel in gerechter Sprache&#8220; wird weder die Lutherbibel noch die Einheits\u00fcbersetzung verdr\u00e4ngen. Dazu hat sie nun wirklich nicht das Format. Allenfalls als Kuriosum mag sie vielleicht noch eine Zeitlang ihr Dasein fristen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennen Sie Roselyne Bachelot? Oder h\u00e4tte ich sagen sollen &#8211; Mademoiselle Bachelot? Um Himmels willen, nur nicht! Einzig und allein &#8222;Madame Bachelot&#8220; ist die Anrede in korrektem Franz\u00f6sisch. Sie ist n\u00e4mlich verheiratet und hat einen Sohn. 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