{"id":2898,"date":"2011-11-05T14:13:48","date_gmt":"2011-11-05T13:13:48","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=2898"},"modified":"2011-11-07T14:01:34","modified_gmt":"2011-11-07T13:01:34","slug":"habermas-die-demokratie-und-die-finanzmarkte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=2898","title":{"rendered":"Habermas, die Demokratie und die Finanzm\u00e4rkte"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen habe ich \u00fcber den klugen Artikel von Frank Schirrmacher \u00fcber die Demokratie, Papandreou und die Finanzm\u00e4rkte berichtet. Heute nun findet man in der F.A.Z. gleich zwei g\u00e4nzlich verschiedene Reaktionen darauf in derselben Zeitung.<\/p>\n<p>Im Kommentar auf der ersten Seite spricht einer der Herausgeber, G\u00fcnther Nonnenmacher, von dem &#8222;Geschimpfe auf M\u00e4rkte oder Banken&#8220;, das ihm offenbar l\u00e4stig ist, und freut sich, da\u00df nun in Europa endlich das &#8222;Realit\u00e4tsprinzip&#8220; Einzug gehalten hat (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/krise-der-eu-das-realitaetsprinzip-11517632.html\">hier<\/a> nachzulesen). F\u00fcr ihn sind die &#8222;politischen Eliten&#8220; schuld an allem:<\/p>\n<blockquote><p>Und was ist mit der Souver\u00e4nit\u00e4t? Und wie steht es mit der Demokratie in den nun unter Kuratel gestellten oder \u00fcberwachten Staaten? Die Grenzen ihrer Souver\u00e4nit\u00e4t haben die M\u00e4rkte den betroffenen Staaten aufgezeigt: Man kann nicht endlos auf Pump leben, ohne dass die Gl\u00e4ubiger irgendwann Angst bekommen, sie k\u00f6nnten ihr Geld nicht mehr sehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier schwingt sichtlich eine klammheimliche Freude mit, da\u00df die &#8222;M\u00e4rkte&#8220; endlich einmal ihre Macht gezeigt haben. Die Antwort Nonnenmachers auf Schirrmacher (g\u00e4nzlich verschiedene Macher unter sich!) besteht in der v\u00f6lligen Verleugnung der Ver\u00e4nderungen, die sich in der Finanzwelt in den letzten Jahren vollzogen haben. Er schreibt, als ob es noch die guten alten &#8222;Bankiers&#8220;, die verantwortlich handelnden, seri\u00f6sen Gesch\u00e4ftsleute in den Banken g\u00e4be &#8211; aber die hat man lange aus ihren Stellungen herausgemobbt, damit eine neue, junge, von jeder Moral, von jeder Verantwortung entbundene Generation von Spielern und Zockern mit viel &#8222;Risikoappetit&#8220; die Schaltstellen in der Finanzwelt \u00fcbernehmen kann. Sie kommen alle aus den bekannten Eliteschulen und -universit\u00e4ten, sie haben &#8211; wenn sie nicht Einzelk\u00e4mpfer bleiben &#8211; ihre Seilschaften und beherrschen inzwischen alles. Wie sonst k\u00f6nnte ein einzelner Milliarden verzocken, ohne entdeckt zu werden! Hier ist, wenn auch nicht immer kriminelle, so doch asoziale Energie in einem Ausma\u00df vorhanden, wie man sie sich noch vor zehn oder zwanzig Jahren nicht hat vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese &#8222;Eliten&#8220;, die in den Gef\u00e4ngnissen besser aufgehoben w\u00e4ren als an den Schaltstellen der Finanzm\u00e4rkte, haben mit den Jahren soviel Macht und soviel Selbstbewu\u00dftsein angesammelt, da\u00df sie nun nicht einmal mehr Hemmungen haben, ganze Staaten in die Knie zu zwingen. Die eigentliche Neuigkeit ist aber, da\u00df sich die europ\u00e4ischen Regierungen zu fast devoten, willf\u00e4hrigen Marionetten dieser M\u00e4rkte degradieren lassen. Das hat es vorher in dieser Radikalit\u00e4t nicht gegeben. Hochkar\u00e4tige Gipfeltreffen, Konferenzen, G-20-Treffen eifern danach, es den M\u00e4rkten und Ratingagenturen ja recht zu machen, sie zeigen einen Masochismus, eine Willf\u00e4hrigkeit, da\u00df es einem fast \u00fcbel wird.<\/p>\n<p>Aber dann gibt es in derselben Ausgabe der F.A.Z. einen Artikel von J\u00fcrgen Habermas, der einen mit dem Blatt wieder vers\u00f6hnt. Nat\u00fcrlich steht er im Feuilleton und nicht auf Seite eins, daf\u00fcr ist er viel gescheiter als der wirtschaftfreundliche Kommentar von Nonnenmacher. Habermas (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/euro-krise-rettet-die-wuerde-der-demokratie-11517735.html\">hier<\/a> ist sein Artikel erfreulicherweise in voller L\u00e4nge nachzulesen) m\u00f6chte, da\u00df Schirrmachers Beitrag nicht &#8222;mit dem schnellen Szenenwechsel verpufft&#8220;. Denn, so schreibt er:<\/p>\n<blockquote><p>Was h\u00e4tte die dramatische Lage einer von \u201eden M\u00e4rkten\u201c kujonierten politischen Klasse besser entlarven k\u00f6nnen als die pomp\u00f6se Aufregung des Chefpersonals von EU und Internationalem W\u00e4hrungsfond \u00fcber den unbotm\u00e4\u00dfigen Kollegen aus Athen?<\/p><\/blockquote>\n<p>Leider hat das &#8222;Personal&#8220; die eigene Lage ganz und gar nicht begriffen, die Pr\u00e4sidenten, Kanzler und Minister sind wahrscheinlich noch stolz darauf, da\u00df sie im Interesse der &#8222;M\u00e4rkte&#8220; Papandreou in die Knie gezwungen und das Referendum verhindert haben. Aber man wei\u00df es ja: es gibt Siege &#8211; und es gibt Pyrrhussiege.<\/p>\n<p>Wenn Habermas \u00fcber dieses &#8222;Personal&#8220; spricht &#8211; denn genau das ist es ja, K\u00fcchenpersonal, das man in den Kreisen der Finanzm\u00e4rkte nur durch den Hintereingang hereinlassen w\u00fcrde! -, dann redet er eben von einer von den M\u00e4rkten kujonierten politischen Klasse:<\/p>\n<blockquote><p>Die Hauptdarsteller auf der B\u00fchne der EU- und Euro-Krise, die seit 2008 an den Dr\u00e4hten der Finanzindustrie zappeln, plustern sich emp\u00f6rt gegen einen Mitspieler auf, der es wagt, den Schleier \u00fcber dem Marionettencharakter ihrer Muskelspiele zu l\u00fcften.<\/p><\/blockquote>\n<p>Papandreou ist unter dem Druck eingeknickt &#8211; das h\u00e4tte auch einem St\u00e4rkeren widerfahren k\u00f6nnen. Das traurige, f\u00fcr alle Demokraten vernichtende Res\u00fcmmee des &#8222;griechischen Dramas&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Weniger Demokratie ist besser f\u00fcr die M\u00e4rkte.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen habe ich \u00fcber den klugen Artikel von Frank Schirrmacher \u00fcber die Demokratie, Papandreou und die Finanzm\u00e4rkte berichtet. Heute nun findet man in der F.A.Z. gleich zwei g\u00e4nzlich verschiedene Reaktionen darauf in derselben Zeitung. 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