{"id":2766,"date":"2011-10-31T00:58:19","date_gmt":"2011-10-30T23:58:19","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=2766"},"modified":"2011-10-31T00:58:19","modified_gmt":"2011-10-30T23:58:19","slug":"waldfonds-nein-danke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=2766","title":{"rendered":"Waldfonds &#8211; nein danke!"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcberall im Internet wird man dazu animiert, in sog. <em>Waldfonds<\/em> zu investieren. Das wird z.B. <a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.nachhaltiges-investment.com\/waldfonds.php\">hier<\/a> so begr\u00fcndet:<\/p>\n<blockquote><p>Diese stabile Sachwertanlage hat den Vorteil, dass sie w\u00e4chst und w\u00e4chst, unabh\u00e4ngig von Krisen. Holz ist ein sehr vielseitiger Rohstoff und erlebt eine st\u00e4ndig wachsende Nachfrage, die den st\u00e4ndig schrumpfenden Waldfl\u00e4chen gegen\u00fcbersteht. Dieses Ungleichgewicht f\u00fchrt zu steigenden Preisen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Einmal ganz davon abgesehen, da\u00df hier der Wald auf die Rendite reduziert wird, die er abwirft, und die Abholzung von W\u00e4ldern, weil sie das Angebot verknappt, als geradezu willkommen erscheinen mu\u00df, kann in Mitteleuropa keine Rede davon sein, da\u00df die Sachwertanlage &#8222;w\u00e4chst und w\u00e4chst&#8220;, denn der Holzpreis ist bei uns seit Jahrzehnten gro\u00dfen Schwankungen unterworfen.<\/p>\n<p>Deshalb kauft &#8222;so gut wie jeder Waldfond Waldst\u00fccke im Ausland&#8220;. Besonders beliebt ist innerhalb Europas offenbar Rum\u00e4nien, &#8222;weil es hier noch gro\u00dfe unerschlossene Waldgebiete gibt&#8220;. Die meisten W\u00e4lder der Waldfonds d\u00fcrften aber auf anderen Kontinenten liegen. Nat\u00fcrlich ist man da mit der &#8222;Nachhaltigkeit&#8220; mal wieder schnell bei der Hand, und auch zertifiziert wird nach Herzenslust.<\/p>\n<p>Am bekanntesten ist das sog. <em>FSC-Siegel<\/em> des Forest Stewardship Council. Da gibt es freilich zum Teil heftige Kritik von Umweltverb\u00e4nden, weil offenbar auch Holz aus Plantagen dieses Siegel bekommt. Eine Plantage hat aber mit einem naturnahen Wald rein gar nichts zu tun. Plantagen werden in der Regel bew\u00e4ssert, mit Pestiziden bespr\u00fcht, sie k\u00f6nnen &#8211; wie ein todkranker Mensch auf der Intensivstation &#8211; nur durch eine st\u00e4ndige intensive Pflege \u00fcberleben. Ein nat\u00fcrlicher oder naturnaher Wald dagegen, wenn er wie etwa in Mitteleuropa behutsam bewirtschaftet wird, lebt in einem \u00f6kologischen Gleichgewicht.<\/p>\n<p>Wenn man sieht, wie auf der <a title=\"deutschen FSC-Seite\" href=\"http:\/\/www.fsc-deutschland.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=269%3Afscundplantagendebatte&amp;catid=109%3Afaq&amp;Itemid=184\">deutschen FSC-Seite<\/a> bei diesem Thema um den hei\u00dfen Brei herumgeredet wird, wird man eher noch skeptischer. &#8222;Im Rahmen des internationalen Prozesses&#8220;, so hei\u00dft es da, habe der FSC Deutschland Bedenken &#8222;bez\u00fcglich der echten langfristigen Plantagenbewirtschaftung&#8220; angemeldet. Und weiter:<\/p>\n<blockquote><p>Die Kommentare des FSC Deutschland wurden in den weltweiten Prozess eingebracht und teilweise aufgenommen.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8222;Teilweise aufgenommen&#8220; &#8211; weniger geht eigentlich nicht. Wer so nebul\u00f6s formuliert, will vermutlich etwas verschweigen. Ich schlie\u00dfe aus dem Text jedenfalls, da\u00df gerade in den au\u00dfereurop\u00e4ischen L\u00e4ndern immer noch Plantagen, also gro\u00dffl\u00e4chige Monokulturen, als Wald zertifiziert werden und das FSC-Siegel erhalten.<\/p>\n<p>In S\u00fcdafrika ist man sogar noch weiter gegangen: da werden in einer vom FSC zertifizierten Plantage mit offizieller FSC-Billigung Hunderte von Pavianen abgeschossen, weil sie angeblich die Baumrinde besch\u00e4digen (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.prowildlife.de\/PM14\/06\/11\">hier<\/a> nachzulesen). Die Stellungnahme des FSC:<\/p>\n<blockquote><p>FSC erwartet nicht von allen zertifizierten Unternehmen, f\u00fcr alle Ma\u00dfnahmen Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfungen durchzuf\u00fchren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was ist so ein Siegel dann noch wert? Ohne st\u00e4ndige unabh\u00e4ngige Kontrollen kann man doch nicht blau\u00e4ugig davon ausgehen, da\u00df in L\u00e4ndern, in denen vielfach auch Korruption herrscht, alles seinen ordentlichen Gang geht.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel: riesige Eukalyptusplantagen in Portugal und Brasilien haben das FSC-Siegel bekommen, obwohl Eukalyptusb\u00e4ume den Boden degenerieren und alle einheimischen Pflanzen verdr\u00e4ngen. Das kann man in Portugal beobachten, wo immer mehr einheimische Kiefern und Eichen den neuen Plantagen zum Opfer fallen. Die Firma wabeko (&#8222;Wir bringen Farbe in Ihr B\u00fcro&#8220;) schreibt \u00fcber das von ihr angebotene Papier, es werde<\/p>\n<blockquote><p>mit 12 Millionen eigenst gepflanzten Eukalyptusb\u00e4umen auf der ganzen Welt produziert. Die Eukalyptus-Plantagen befinden sich zum gr\u00f6\u00dften Teil in Portugal. Eukalyptusb\u00e4ume haben den Vorteil, dass sie bereits nach 12 Jahren komplett ausgewachsen sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcber die \u00f6kologischen Sch\u00e4den, die solche Plantagen anrichten, verliert das Unternehmen kein Wort.<\/p>\n<p>In Spanien ist es nicht anders (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/switzerland\/de\/News_Stories\/News-Archiv\/forests\/die-schweizer-firma-sgs-bringt-die-fsc-zertifizierung-in-verruf\/\">hier<\/a> nachzulesen):<\/p>\n<blockquote><p>Die Monokulturen und der Handel mit dem Eukalyptus-Holz haben eine Verarmung und das Verlassen von l\u00e4ndlichen Gemeinden und vom Waldland zur Folge gehabt. Andere Auswirkungen sind eine hohe Brandgefahr, die intensive Bodenerosion, der Verlust der Artenvielfalt, die Zerst\u00f6rung der Ressourcen, die Verschmutzung von B\u00e4chen und Grundwasser durch die Verwendung grosser Mengen von Pestiziden und der Verlust der Landschaften.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit \u00d6kologie hat dieses Siegel offenbar fast nichts, mit Marketing f\u00fcr die Holzwirtschaft aber sehr viel zu tun. Auch Tropenholz wird bei uns wieder importiert, weil das Siegel beim Verbraucher den Eindruck erweckt, jetzt k\u00f6nne er mit gutem Gewissen auch dieses Holz wieder kaufen, weil es aus \u00f6kologischer und nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Auf der Seite von <a title=\"eurobinia\" href=\"http:\/\/www.eurobinia.eu\/upload\/downloaddocs\/FSC_Flyer_02_DE_LoRes.pdf?PHPSESSID=dls9r0l98nf64hu6s86sp37540\"><em>eurobinia<\/em><\/a> fa\u00dft man die kritischen Punkte so zusammen:<\/p>\n<blockquote><p>Auf FSC-zertifizierten Fl\u00e4chen ist meistens kein Unterschied zu \u201ekonventionellem\u201c Waldbau zu erkennen. Aufgrund unzureichender Kontrollmechanismen ist es au\u00dferdem m\u00f6glich,<br \/>\nZertifikate zu f\u00e4lschen, umzudeklarieren und zur\u00fcckgezogene<br \/>\nZertifikate ohne Restriktionen weiter zu verwenden. So gelangen regelm\u00e4\u00dfig Raubbauholz aus Brasilien, umdeklariertes<br \/>\nNadelholz aus Kanada und Sibirien oder Blutholz (Teak) aus<br \/>\nBirma mit FSC-Siegel auf den Markt. Nur in Ausnahmen und nur unter massivem Druck von Nichtregierungsorganisationen wurden Zertifikate bisher widerrufen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aus Gr\u00fcnden des Natur- und Klimaschutzes kann man also von Waldfonds, selbst wenn es sich um solcherma\u00dfen &#8222;zertifizierte&#8220; W\u00e4lder handelt, nur abraten. \u00dcberhaupt hat es f\u00fcr mich etwas &#8211; sagen wir: Ungeh\u00f6riges, Unangemessenes, Wald zum Renditeobjekt zu machen. Selbst dort, wo es sich nicht um Plantagen handelt, kann es dazu kommen, da\u00df um des schnellen Profits willen z.B. nicht \u00f6kologisch passende, standortgem\u00e4\u00dfe, sondern schnellwachsende B\u00e4ume gepflanzt werden.<\/p>\n<p>Wald geh\u00f6rt grunds\u00e4tzlich nicht in die H\u00e4nde von Investoren, um den Wald sollen sich erfahrene Forstverwaltungen k\u00fcmmern, wie es bei uns seit Jahrhunderten \u00fcblich ist.<\/p>\n<p>Also: wenn Sie die Natur und den Wald lieben &#8211; H\u00e4nde weg von diesen Waldfonds!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberall im Internet wird man dazu animiert, in sog. Waldfonds zu investieren. Das wird z.B. hier so begr\u00fcndet: Diese stabile Sachwertanlage hat den Vorteil, dass sie w\u00e4chst und w\u00e4chst, unabh\u00e4ngig von Krisen. 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