{"id":23104,"date":"2024-07-08T13:33:16","date_gmt":"2024-07-08T11:33:16","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=23104"},"modified":"2024-07-12T14:19:18","modified_gmt":"2024-07-12T12:19:18","slug":"der-lange-marsch-des-feminismus-durch-die-institutionen-carola-lentz-und-das-goethe-institut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=23104","title":{"rendered":"Der lange Marsch des Feminismus durch die Institutionen: Carola Lentz und das Goethe-Institut"},"content":{"rendered":"\n<p>Im November 2020 wurde die Ethnologin Carola Lentz Pr\u00e4sidentin des Goethe-Instituts. In einem Interview mit der Berliner Zeitung, das sie kurz nach ihrer Ernennung gab (<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/carola-lentz-goethe-institut-kulturelle-zusammenarbeit-kolonialismus-li.125672\">hier<\/a> nachzulesen), wurde sie unter anderem gefragt, ob sie beim Sprechen gendere. Ihre Antwort:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich bin da ganz unorthodox. Wir versuchen im Goethe-Institut genderbewusst zu formulieren, und wir haben da viele M\u00f6glichkeiten. Manchmal hilft das mit dem Sternchen, manchmal ist es in Texten schrecklich zu lesen. Es kann auch sein, dass man manchmal einfach den weiblichen Plural nimmt. Ich finde das wichtig, und ich freue mich auch sehr, dass ich hier in einer Organisation arbeite, wo wir bis zur zweiten F\u00fchrungsebene, also der Ebene unter dem Vorstand, in den F\u00fchrungspositionen einen Frauenanteil von mindestens 50 Prozent haben. Wenn nicht mehr.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Lentz hat das Gendern im Goethe-Institut nicht eingef\u00fchrt, das ist wohl schon unter ihrem mehr als 12 Jahre amtierenden Vorg\u00e4nger Klaus-Dieter Lehmann geschehen. Aber wenn man bedenkt, da\u00df es die Aufgabe des Goethe-Institus ist, unsere sch\u00f6ne deutsche Sprache und die deutsche Kultur \u00fcberall auf der Welt vorzuzeigen und zu f\u00f6rdern, dann sind solche S\u00e4tze ein Armutszeugnis. Gerade am Ende zeigt sich, da\u00df es im Grunde gar nicht um Sprache und Kultur geht, sondern um eine doch ziemlich schlichte, arithmetische Version des Feminismus: <em>&#8222;Hauptsache Frau!&#8220;<\/em> &#8211; und nicht etwa <em>&#8222;Egal, ob Mann oder Frau, Hauptsache klug und gebildet!&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sehen will, was inzwischen aus dem Goethe-Institut (nota bene: Goethe ist der Namensgeber dieses Instituts!) geworden ist, welcher kulturelle Verfall jetzt auch diese Institution ergriffen hat, dann gen\u00fcgt ein Blick auf seine Internetseite. Nehmen wir nur einmal Unterrichtsmaterialien wie <em>Gendern im Deutschen<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.goethe.de\/prj\/dlp\/dlapi\/v1\/index.cfm?endpoint=\/tlm\/download&amp;file_ID=1378&amp;tlm_ID=481\">hier<\/a> herunterzuladen). Da hei\u00dft es zum Beispiel:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Viele Nomen f\u00fcr Personen und Berufe im Deutschen haben eine maskuline und eine feminine Form: der Sch\u00fcler und die Sch\u00fclerin. Und wenn man alle ansprechen m\u00f6chte? Fr\u00fcher sagte man dann einfach: \u2018\u2019Liebe Sch\u00fcler\u2019\u2019. Heute ist das nicht mehr so normal.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und warum ist das &#8222;nicht mehr so normal&#8220;? Weil eine kleine politisch-ideologische Gruppe, die offensichtlich nur eine bescheidene Kenntnis davon hat, was Sprache \u00fcberhaupt ist, mit schlechten Argumenten, daf\u00fcr mit effektiver Netzwerkarbeit und mit der blinden Unterst\u00fctzung der gr\u00fcnen und linken Parteien, vor allem aber: mit sozialem und psychischem Druck in Redaktionen, Schulen, Universit\u00e4ten, Betrieben und Stadtverwaltungen ihr Zerst\u00f6rungswerk an der deutschen Sprache vorantreibt &#8211; gegen den Willen der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit der Bev\u00f6lkerung. Davon werden Sie aber auf der Seite des Goethe-Instituts nichts finden &#8211; statt dessen lesen Sie da so etwas:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wenn eine Schuldirektorin eine Rede mit \u201eLiebe Jury, liebe Lehrer und Sch\u00fcler\u201c beginnt, ist das problematisch. Es ist nicht klar, ob ihre Rede auch f\u00fcr Lehrerinnen oder nicht-bin\u00e4re Sch\u00fcler (Sch\u00fcler_innen) ist. Sie kann aber nach &#8222;Sch\u00fcler&#8220; eine Mini-Pause machen und dann &#8222;innen&#8220; sagen. So ist klar: Sie meint Sch\u00fcler und Lehrer aller Gender. Genderinklusiv ist auch \u201eLiebe Jury, liebe Lehrkr\u00e4fte, liebe Deutschlernende\u201c zu sagen. F\u00fcr diese Worte gibt es keine spezifisch maskuline oder spezifisch feminine Variante. Sie sind f\u00fcr alle Gender.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Also, ich bin jetzt 74 Jahre auf der Welt und habe seither, wie die meisten Menschen, sicher tausend und mehr Gelegenheiten erlebt, wo Menschen mich und andere m\u00fcndlich oder schriftlich angeredet haben: von &#8222;Liebe Sch\u00fcler!&#8220;, &#8222;Liebe Mitsch\u00fcler!&#8220;, &#8222;Liebe Kommilitonen!&#8220; bis hin zu &#8222;Liebe Mitarbeiter!&#8220; usw. Und ich kann an dieser Stelle &#8211; notfalls durch eine eidesstattliche Versicherung! &#8211; bekr\u00e4ftigen, da\u00df sich niemals M\u00e4dchen oder Frauen durch solche Anreden diskriminiert gef\u00fchlt haben. Und das nicht etwa, weil sie damals noch naiv und unwissend waren &#8211; im Gegenteil: weil sie, anders als die heutigen Aktivisten, zwischen dem grammatischen und dem biologischen Geschlecht noch unterscheiden konnten. Und sie mu\u00dften auch nicht erst von irgenwelchen feministischen Gr\u00fcppchen <em>sichtbar gemacht <\/em>werden, sie <em>waren <\/em>sichtbar &#8211; und wie!<\/p>\n\n\n\n<p>Carola Lentz verl\u00e4\u00dft jetzt das Goethe-Institut &#8211; und wird nat\u00fcrlich kr\u00e4ftig gelobt, vor allem von Baerbocks Ausw\u00e4rtigem Amt. Sie habe das Institut &#8222;umsichtig gef\u00fchrt&#8220;, sagt der Leiter der Kulturabteilung. Und weiter: sie habe &#8222;die Notwendigkeit einer Transformation erkannt und den Reformprozess im Pr\u00e4sidium aktiv unterst\u00fctzt, um so das Institut gut f\u00fcr die Zukunft aufzustellen&#8220;. Die euphemistisch so genannte &#8222;Transformation&#8220; besteht zum Beispiel darin, Institute auszud\u00fcnnen und zusammenzulegen und ganze Standorte zu schlie\u00dfen, zum Beispiel die in Bordeaux, Genua, Osaka, Rotterdam, Triest, Turin und Washington. (Sind ja auch alles nur kleine, unbedeutende Provinzst\u00e4dte!) <\/p>\n\n\n\n<p>Frau Lentz hatte als Schwerpunkt ihrer ethnologischen Forschung immer Afrika. Da h\u00e4tte man doch denken k\u00f6nnen, da\u00df sie wie eine L\u00f6win um jedes ihrer Institute k\u00e4mpft!<\/p>\n\n\n\n<p>PS: Da\u00df sich jemand &#8222;im Grabe herumdreht&#8220;, wenn er sieht, was die Nachfolger mit seinem Erbe machen, ist eine etwas abgegriffene Formel. Aber hier trifft sie sicher zu, denn von 1993 bis 2001 war Hilmar Hoffmann Pr\u00e4sident des Goethe-Instituts, ein hochgebildeter Mann, dem Frankfurt am Main unter anderem sein Museumsufer verdankt. Neben so einem Riesen wirken die Zwerge von heute noch viel kleiner.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die bisherigen Folgen dieser kleinen Reihe:<\/em><br><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20848\">Kathrin Kunkel-Razum, Chefin der DUDEN-Redaktion<\/a><br><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20936\">Katja Thorwarth und die Frankfurter Rundschau<\/a><br><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20961\">Nina George und das PEN-Zentrum Deutschland<\/a><br><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21156\">Lena Hornstein und wetter.com<\/a><br><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21233\">Susanne Baer und das Bundesverfassungsgericht<\/a><br><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21149\">Johanna Rahner, das Rumgesumse und die katholische Kirche<\/a> <br><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=22074\">Ulrike Lembke und die Humboldt-Universit\u00e4t<\/a> <br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im November 2020 wurde die Ethnologin Carola Lentz Pr\u00e4sidentin des Goethe-Instituts. 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