{"id":23036,"date":"2024-04-27T23:21:28","date_gmt":"2024-04-27T21:21:28","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=23036"},"modified":"2024-04-27T23:22:56","modified_gmt":"2024-04-27T21:22:56","slug":"kleine-geschichte-des-wortes-neger-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=23036","title":{"rendered":"Kleine Geschichte des Wortes &#8222;Neger&#8220; (1)"},"content":{"rendered":"\n<p>Zur Geschichte des Wortes &#8222;Neger&#8220; gibt es eine Vorgeschichte, und damit wollen wir beginnen. Die alten R\u00f6mer nannten n\u00e4mlich die Farbigen, mit denen sie zuerst in Kontakt kamen, nach ihrer Herkunft &#8222;Aethiopes&#8220; oder &#8222;Afri&#8220;. Dieser Begriff bezeichnete bei ihnen bald alle Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Man nannte sie auch &#8222;atrae gentes&#8220;, also schwarze V\u00f6lker. Im Althochdeutschen tauchte daf\u00fcr im 8. Jahrhundert der Begriff &#8222;mor&#8220;, also &#8222;Mohr&#8220; auf, mit dem man zun\u00e4chst nur die dunkelh\u00e4utigen Bewohner Nordafrikas und die in Spanien eingefallenen Mauren, danach aber alle Schwarzafrikaner bezeichnete.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wort &#8222;Neger&#8220; war also im Deutschen bis weit ins 18. Jahrhundert hinein fast unbekannt. Erst in Johann Christoph Adelungs <em>Grammatisch-kritischem W\u00f6rterbuch der Hochdeutschen Mundart<\/em>, dessen Auflage letzter Hand zwischen 1793 und 1801 erschienen ist, taucht es auf, zuerst unter dem Stichwort &#8222;Der Mohr&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Der Mohr<br>des -en, plur. die -en, F\u00e4min. die Mohrinn, ehedem M\u00f6hrinn.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Eigentlich, ein Einwohner des ehemahligen Mauritaniens, wegen der braunen oder br\u00e4unlich gelben Gesichtsfarbe; aus dem Lat. und Griech. Maurus. Nachdem diese aus Afrika in das westliche Europa eingefallen waren und sich daselbst fest gesetzet hatten, nannte man erst diese, und hernach in den sp\u00e4tern Zeiten nicht nur alle Muhamedaner in dem s\u00fcdlichen Theile Asiens und auf den K\u00fcsten und Inseln des Indischen Meeres, sondern auch die braunen \u00c4thiopier wegen dieser ihrer Gesichtsfarbe Mohren. Die letztern kommen unter diesem Nahmen in der Deutschen Bibel mehrmahls vor. Wegen der gro\u00dfen Zweydeutigkeit dieses Wortes hat man in den neuern Zeiten angefangen, die Einwohner des ehemahligen Mauritaniens, oder die gesittetern n\u00f6rdlichen Afrikaner Mauren zu nennen, um sie von den Mohren in der folgenden Bedeutung zu unterscheiden; die Muhamedaner in dem s\u00fcdlichen Asien aber, welche gr\u00f6\u00dften Theils Araber von Herkunft sind, nennet man richtiger Muhamedaner, ungeachtet sie in vielen Reisebeschreibungen noch immer den Nahmen der Mohren f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Ein Mensch von ganz schwarzer Gesichtsfarbe mit krausen wolligen Haaren und dicken aufgeworfenen Lippen, dergleichen die Bewohner des s\u00fcdlichern Afrika, am Senegal, in Neu-Guinea und Congo, die Einwohner von Monomotapa, Malabar, Malakka und einigen s\u00fcdlichen Inseln sind: welche auch unter dem Nahmen der Schwarzen oder <strong>Negern <\/strong>bekannt sind. Besonders pflegt man einen solchen ganz schwarzen Afrikaner, welchen vornehme Herren zu ihrer Bedienung halten, einen Mohren zu nennen.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>An anderer Stelle steht bei Adelung dann ein eigener, aber kleinerer Artikel \u00fcber das Wort &#8222;Neger&#8220;:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Der Neger<br>des -s, plur. die -n, F\u00e4min, die Negerinn, aus dem Franz. Negre, und die\u00df von dem Latein. niger, eine Benennung, welche man heut zu Tage den Einwohnern des s\u00fcdlichen Afrika wegen ihrer v\u00f6llig schwarzen Gesichtsfarbe zu geben pflegt, und die daher auch wohl die Schwarzen genannt werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8222;Heut zu Tage&#8220;, schreibt Adelung &#8211; das Wort war also noch relativ neu. Aber wie ist es nach Deutschland gekommen? &#8222;Schwarz&#8220; hei\u00dft lateinisch &#8222;niger&#8220;, und aus dem Lateinischen ist das Wort in fast alle romanischen Sprachen \u00fcbergegangen. Im Spanischen hei\u00dft es &#8222;negro&#8220;, im Italienischen &#8222;nero&#8220;, im Rum\u00e4nischen &#8222;negru&#8220; und auf Katalanisch &#8222;negre&#8220;. Und im Franz\u00f6sischen hei\u00dft schwarz zwar &#8222;noir&#8220;, aber einen dunkelh\u00e4utigen Menschen nannte man &#8222;n\u00e8gre&#8220;. Franz\u00f6sisch, das mu\u00df man wissen, war damals in Europa nicht nur die Sprache der Diplomatie, es war auch die Sprache der Kultur. In den gebildeten Schichten sprach man Franz\u00f6sisch &#8211; auch in Deutschland. Da ist es kein Wunder, da\u00df neben vielen anderen W\u00f6rtern auch &#8222;n\u00e8gre&#8220; als leicht veer\u00e4ndertes Lehnwort in die deutsche Sprache aufgenommen wurde. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Fortsetzung folgt!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Geschichte des Wortes &#8222;Neger&#8220; gibt es eine Vorgeschichte, und damit wollen wir beginnen. Die alten R\u00f6mer nannten n\u00e4mlich die Farbigen, mit denen sie zuerst in Kontakt kamen, nach ihrer Herkunft &#8222;Aethiopes&#8220; oder &#8222;Afri&#8220;. 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