{"id":22623,"date":"2022-11-13T16:22:55","date_gmt":"2022-11-13T15:22:55","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=22623"},"modified":"2022-11-13T16:22:55","modified_gmt":"2022-11-13T15:22:55","slug":"haben-sie-heute-schon-geschirkt-oder-war-ihr-sonntag-schimmerlos","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=22623","title":{"rendered":"Haben Sie heute schon geschirkt? Oder war Ihr Sonntag schimmerlos?"},"content":{"rendered":"\n<p>An einem so sch\u00f6nen Sonntag beim Spaziergang an einem See haben Sie bestimmt mit Ihren Kindern geschirkt. &#8222;Schirken&#8220; bedeutet n\u00e4mlich: &#8222;einen flachen Stein \u00fcber eine Wasserfl\u00e4che h\u00fcpfen lassen&#8220;. So steht es in der 14. Auflage des Duden von 1958. Ich habe ihn als Grundsch\u00fcler bekommen und heute ein bi\u00dfchen darin gebl\u00e4ttert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Adjektiv &#8222;schimmerlos&#8220; habe ich etwa darin entdeckt, das nicht etwa jemanden bezeichnet, der keinen Schimmer hat, sondern schlicht &#8222;glanzlos&#8220; bedeutet (so auch im Grimm&#8217;schen W\u00f6rterbuch, wo das Wort in Schillers <em>Maria Stuart<\/em> nachgewiesen wird). \u00c4ltere Semester wie ich kennen es aber fast nur noch aus der 1986 gesendeten Fernsehserie <em>Kir Royal<\/em>, in der es um die M\u00fcnchner Schickeria und den Klatschreporter <em>Baby Schimmerlos<\/em> ging. <\/p>\n\n\n\n<p>Und was ist eine &#8222;Nippzeit&#8220;? Das wissen heute allenfalls noch die Segler. Es ist n\u00e4mlich ein etwa viert\u00e4giger Zeitraum, in dem in der Nordsee das Niedrigwasser hoch und das Hochwasser niedrig ist, so da\u00df der Tidenhub besonders gering ist (nachzulesen ist das zum Beispiel im <a href=\"https:\/\/www.segeln-lernen.de\/segellexikon-nippzeit.html\">Segellexikon<\/a>). H\u00e4tten Sie&#8217;s gewu\u00dft?  <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Niklas&#8220; soll nicht nur ein m\u00e4nnlicher Vorname sein, sondern auch ein Geb\u00e4ck. Gefunden habe habe ich auf meiner Suche nach diesem Geb\u00e4ck nur einen Striezel aus Sachsen, den Annaberger Niklaszopf. Es soll sich dabei um den Vorl\u00e4ufer des Christstollens handeln. <\/p>\n\n\n\n<p>Und dann: der &#8222;Jupon&#8220;, der sichtlich franz\u00f6sischen Ursprungs ist. In der Schweiz sagt man dazu &#8222;Sch\u00fcpong&#8220; oder &#8222;Sch\u00fcpung&#8220;, auch nach guter Schweizer Art &#8222;Sch\u00fcpungeli&#8220;. Es ist ein weibliches Kleidungsst\u00fcck, n\u00e4mlich der Unterrock. In der im 18. Jahrhundert begonnenen Enzyklop\u00e4die von Kr\u00fcnitz hei\u00dft es: &#8222;Man nennt auch <em>Jupon<\/em> einen kurzen Unterrock der Frauenspersonen, im g. L. ein Appetit=R\u00f6ckchen.&#8220; Appetit-R\u00f6ckchen? Da kann man die Gedanken schweifen lassen. Rein linguistisch, nat\u00fcrlich. Und was bedeutet die Abk\u00fcrzung &#8222;im g. L.&#8220;? Ich bin schimmerlos. Auch im <em>Luxemburger W\u00f6rterbuch<\/em> findet man die W\u00f6rter &#8222;Jupe&#8220; und &#8222;Jupon&#8220;, dort werden sie als &#8222;Frauenkleid vom G\u00fcrtel abw\u00e4rts&#8220; definiert. Und nat\u00fcrlich kennt man auch im heutigen Franz\u00f6sisch den <em>jupon <\/em>als Unterrock; es gibt freilich auch den Ausdruck &#8222;courir le jupon&#8220; (oder &#8222;courir les filles&#8220;), was man auf deutsch mit &#8222;hinter dem Unterrock her sein&#8220; \u00fcbersetzen mu\u00df &#8211; womit wir also doch wieder beim Kr\u00fcnitz&#8217;schen Appetit-R\u00f6ckchen gelandet w\u00e4ren!<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df &#8222;Kretscham&#8220; eine Schenke ist und &#8222;Kreitschmer&#8220; ihr Wirt, da\u00df es &#8222;Hefnerkerzen&#8220; gibt und eine &#8222;Fehnkultur&#8220; (keine &#8222;Feenkultur&#8220;!), auch einen &#8222;Fecker&#8220; &#8211; dar\u00fcber vielleicht ein andermal. Ich will ja nicht <em>fatigant <\/em>sein!<\/p>\n\n\n\n<p>PS: Das alles geh\u00f6rt zum Wortschatz von 1958, nicht etwa zur Luther- oder Goethezeit. Man glaubt es nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>     <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einem so sch\u00f6nen Sonntag beim Spaziergang an einem See haben Sie bestimmt mit Ihren Kindern geschirkt. &#8222;Schirken&#8220; bedeutet n\u00e4mlich: &#8222;einen flachen Stein \u00fcber eine Wasserfl\u00e4che h\u00fcpfen lassen&#8220;. So steht es in der 14. Auflage des Duden von 1958. 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