{"id":2244,"date":"2011-09-27T00:35:13","date_gmt":"2011-09-26T22:35:13","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=2244"},"modified":"2011-09-27T00:49:45","modified_gmt":"2011-09-26T22:49:45","slug":"die-ehe-ist-unaufloslich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=2244","title":{"rendered":"Die Ehe ist (un)aufl\u00f6slich"},"content":{"rendered":"<p>Die katholische Kirche ist oft von einer geradezu qu\u00e4lenden Beharrlichkeit. Das ist nicht immer schlecht, aber bisweilen ist es wirklich \u00e4rgerlich. Die katholische Haltung zu ihren geschiedenen und wiederverheirateten Sch\u00e4fchen k\u00f6nnen selbst brave Katholiken nicht mehr nachvollziehen.<\/p>\n<p>Ich auch nicht.<\/p>\n<p>Nach katholischem Recht endet die Ehe erst mit dem Tod eines der beiden Ehepartner. Sie ist, das betonen auch die deutschen Bisch\u00f6fe immer wieder, unaufl\u00f6slich. Nur in ganz, ganz seltenen F\u00e4llen darf ein Katholik ein zweites Mal mit kirchlichem Segen heiraten.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung h\u00f6rt sich auf den Internetseiten des Bistums Trier so an:<\/p>\n<blockquote><p>Durch Christus erh\u00e4lt die Verbindung zwischen Mann und Frau eine neue &#8218;Qualit\u00e4t&#8216;, wird zum Sakrament erhoben. Jede Ehe, die zwischen Christen geschlossen wird, ist demnach Zeichen f\u00fcr Gottes Neuen Bund mit den Menschen. Aus der Sakramentalit\u00e4t der Ehe folgt ihre Unaufl\u00f6slichkeit: weil Gottes Zusage an die Menschen in Christus einen unwiderruflichen Bund begr\u00fcndet, kann das &#8218;Ja&#8216; der Brautleute am Altar als Abbild dieses Bundes nicht widerrufen werden. Durch ihr Jawort entsteht ein Band, das nicht gel\u00f6st werden kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Weil die Ehe also ein <em>Zeichen<\/em>, ein <em>Symbol<\/em> f\u00fcr etwas ganz anderes ist, mu\u00df sie bis zum bitteren Ende bestehen bleiben? Das ist nicht nur weltfremd, es ist b\u00f6se und zynisch. Es will mir nicht einleuchten, da\u00df ausgerechnet die katholische Kirche, die sonst ein so realistisches Menschenbild hat, hier (und nur hier!) vom Menschen geradezu \u00dcbermenschliches verlangt und ihn hart bestraft, wenn er diesem Anspruch nicht standh\u00e4lt. Fast jedem S\u00fcnder wird vergeben &#8211; nur nicht dem armen Menschen, dessen Ehe gescheitert ist. Das ist &#8211; in einem ganz wichtigen Bereich des menschlichen Lebens &#8211; ein Widerruf der christlichen Barmherzigkeit. <em>Deus caritas est<\/em> &#8211; Gott ist die Liebe, so hei\u00dft eine Enzyklika Benedikts XVI. Diese Aussage wird praktisch zunichte gemacht, wenn man mit Geschiedenen und Wiederverheirateten so umgeht, wie es die katholische Kirche tut. An die Stelle der Barmherzigkeit, einer der sch\u00f6nsten und wichtigsten christlichen Tugenden (keine andere Religion hat etwas Vergleichbares!), tritt hier eine blo\u00df auf Buchstabendeutung, auf zweifelhafte Schriftinterpretation begr\u00fcndete Mitleidlosigkeit. Das ist umso \u00e4rgerlicher, weil es v\u00f6llig unn\u00f6tig ist. \u00dcber den Z\u00f6libat kann man streiten, \u00fcber die Zulassung von Frauen zum Priesteramt auch. Aber die Bestrafung von Menschen, deren Ehe gescheitert ist, noch dazu mit einer so abstrakten, blo\u00df philologischen Interpretation , ist schlicht und einfach verwerflich.<\/p>\n<p>Als Begr\u00fcndung wird fast immer das Jesuswort &#8222;Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen&#8220; (Matth. 19,6) angef\u00fchrt. Dieses Wort richtet sich freilich gegen die damals gebr\u00e4uchliche Sitte, da\u00df M\u00e4nner ihre Ehefrauen, wenn sie ihrer \u00fcberdr\u00fcssig waren, einfach versto\u00dfen konnten. Manche Schriftgelehrten erlaubten die Versto\u00dfung der Frau schon, wenn sie nur ein Essen hatte anbrennen lassen. Es ist eine Frage dieser Pharis\u00e4er, auf die Jesus mit seinem sprichw\u00f6rtlich gewordenen Satz antwortet.<\/p>\n<p>Eine Rechtfertigung f\u00fcr die Aufrechterhaltung gescheiterter Ehen um buchst\u00e4blich jeden Preis liefert dieses Wort sicher nicht.<\/p>\n<p>Ehen werden eben <em>nicht<\/em> im Himmel geschlossen, sie sind eine sehr irdische Angelegenheit. Und es gibt fast so viele Gr\u00fcnde f\u00fcr ein Scheitern, wie es Ehen gibt.\u00a0 Das alles ist menschlich, die Liebe geht eben manchmal im Lauf der Jahre verloren, man lebt sich auseinander, manchmal hat man einander nicht einmal richtig gekannt, als man geheiratet hat.<\/p>\n<p>Das Fleisch ist eben schwach, das wei\u00df die Kirche doch.<\/p>\n<p>Dann darf man von einem <em>Menschen<\/em> auch nichts <em>\u00dcbermenschliches<\/em> verlangen. Da\u00df er sich M\u00fche gibt, eine Ehe, die zu scheitern droht, doch noch zu retten, das darf man von ihm verlangen, und es ist auch gut, wenn man es ihm dabei nicht zu leicht macht.<\/p>\n<p>Aber weiter darf man nicht gehen. Wenn die Sakramentalit\u00e4t der Ehe die Menschen ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzt, wenn sie der Grund ist, dem Menschen etwas abzuverlangen, was er nicht leisten kann, dann mu\u00df man sie neu interpretieren oder ganz abschaffen.<\/p>\n<p>Jesus hat sich mit Gescheiterten und Unvollkommenen umgeben. Er hat sie so geliebt wie alle anderen Menschen. Deshalb ist die Haltung der katholischen Kirche in dieser Frage nicht nur weltfremd, sie ist zutiefst unchristlich. Sie verst\u00f6\u00dft gegen ihre gr\u00f6\u00dfte und sch\u00f6nste Tugend &#8211; die Barmherzigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die katholische Kirche ist oft von einer geradezu qu\u00e4lenden Beharrlichkeit. 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