{"id":21947,"date":"2021-11-21T12:17:19","date_gmt":"2021-11-21T11:17:19","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21947"},"modified":"2021-11-21T12:39:49","modified_gmt":"2021-11-21T11:39:49","slug":"inwuietum-und-das-haus-des-betrugs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21947","title":{"rendered":"Inquietum, inwuietum, invuietum"},"content":{"rendered":"\n<p>Trust no one &#8211; man traue niemandem im Internet! Das gilt vor allem f\u00fcr angebliche Zitate ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten. Nicht umsonst gelten f\u00fcr das Zitieren in der Wissenschaft die strengsten Ma\u00dfst\u00e4be. Im normalen Umgang mit der Literatur kann man da ruhig etwas gro\u00dfz\u00fcgiger sein, aber einfach abschreiben &#8211; das geht gar nicht. Wenn man nicht sicher ist, da\u00df ein Zitat wirklich von dem angegebenem Autor stammt, mu\u00df man eben in den digitalisierten Werkausgaben danach suchen, die von den meisten gemeinfreien Autoren vorhanden sind. Ist es dort nicht auffindbar, ist es mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit dem Autor f\u00e4lschlich zugeschrieben worden.   <\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Tagen war ich auf der Suche nach dem sch\u00f6nen (lateinischen) Augustinus-Zitat <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te. <br>Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Satz steht in den <em>Confessiones <\/em>des Kirchenlehrers, und zwar gleich am Anfang, im ersten Kapitel des ersten Buches. Seri\u00f6se Zitatenlexika sind zurecht penibel. Das von Ernst Bury herausgegebene Lexikon <em>In medias res<\/em>, das ich in der digitalen Ausgabe von 2006 benutze, notiert als Quelle &#8222;Augustinus, Confessiones 1. 1&#8220; &#8211; damit ist, kurz und b\u00fcndig, alles gesagt, und jedermann kann die Quelle in ihrem Kontext \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein eher erheiterndes Beispiel, wie es im Internet zugeht, findet sich auf der Seite <a href=\"https:\/\/www.sprichwoerter.net\/sprichwoerter\/lateinische-sprichwoerter-und-redewendungen\/inwuietum-cor-nostrum-donec-requiescat-in-te.html\">sprichwoerter.net<\/a>. Dort ist aus dem korrekten &#8222;inquietum&#8220; das schon auf den ersten Blick falsche &#8222;inwuietum&#8220; geworden. Ein Tippfehler vermutlich &#8211; &#8222;w&#8220; und &#8222;q&#8220; liegen auf der Tastatur nebeneinander. Sollte nicht passieren, weil man gerade bei Zitaten sehr sorgf\u00e4ltig sein mu\u00df, aber dagegen ist niemand gefeit, noch dazu in einer Zeit, in der offenbar selbst in den Online-Ausgaben gro\u00dfer Tageszeitungen nicht mehr korrekturgelesen wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber sehen wir uns einmal die Seite <a href=\"http:\/\/latinum.tantalosz.de\/i.php\">latinum.tantalosz.de<\/a> an. Sie bietet uns &#8222;6037 Lateinische Redewendungen &amp; Sprichw\u00f6rter&#8220; an, darunter auch das korrekte Augustinus-Zitat, mit deutscher \u00dcbersetzung, aber ohne Erw\u00e4hnung seines Urhebers. Nur wenige Zeilen weiter die \u00dcberraschung: dasselbe Zitat, diesmal mit Erw\u00e4hnung des Augustinus, daf\u00fcr mit einer neuen Falsschreibung: &#8222;invuietum&#8220;! Der Leser kann sich also eine Version aus dreien aussuchen. Wer jetzt von wem falsch abgeschrieben hat, ist fast schon gleichg\u00fcltig. Sicher ist nur, da\u00df Ihnen die seltsamen Schreibungen &#8222;inwuietum&#8220; und &#8222;invuietum&#8220; in Zukunft noch \u00f6fter begegnen werden, denn viele gehen <em>furandi causa<\/em> ins Internet. <\/p>\n\n\n\n<p>Oder hei\u00dft es <em>vurandi<\/em>? Oder gar <em>wurandi<\/em>? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trust no one &#8211; man traue niemandem im Internet! Das gilt vor allem f\u00fcr angebliche Zitate ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten. Nicht umsonst gelten f\u00fcr das Zitieren in der Wissenschaft die strengsten Ma\u00dfst\u00e4be. 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