{"id":21305,"date":"2021-05-28T19:37:22","date_gmt":"2021-05-28T17:37:22","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21305"},"modified":"2021-05-29T14:55:23","modified_gmt":"2021-05-29T12:55:23","slug":"petra-gerster-und-das-gendern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21305","title":{"rendered":"Petra Gerster und das Gendern"},"content":{"rendered":"\n<p>Petra Gerster, die seit \u00fcber 20 Jahren die <em>heute<\/em>-Nachrichten im ZDF moderiert, hatte vor einigen Tagen ihre letzte Sendung. Zusammen mit Anne Will geh\u00f6rt sie (leider!) zu den prominenten Frauen im Fernsehen, die das Gendern in seiner absurdesten Form praktiziert haben: mit der Sprechpause mitten im Wort. Sie selbst sagt dazu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Vor allem \u00e4ltere M\u00e4nner regen sich sehr dar\u00fcber auf. Von J\u00fcngeren \u2013 Frauen wie M\u00e4nnern \u2013 kommt dagegen Zustimmung. Ich verstehe das Unbehagen sogar, denn wir sind mit unserer Sprache aufgewachsen und vertraut, jetzt f\u00fcrchten manche, dass da alles umgekrempelt werden soll. Aber das passiert ja nicht. Der Genderstern ist nur ein winziges Zeichen, das daf\u00fcr sorgt, dass Frauen, die bisher im m\u00e4nnlichen Plural verschwanden, sichtbar werden.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Da haben wir sie also wieder, die <em>alten M\u00e4nner<\/em> (hier nur eine Spur h\u00f6flicher als &#8222;\u00e4ltere M\u00e4nner&#8220; tituliert). Man kann dieses Wort eine Zeitlang h\u00f6ren, man kann es auch selbst hin und wieder ironisch verwenden, aber wenn man dann sieht, wieviel Ernst, wieviel dumme Anma\u00dfung <em>junge Frauen<\/em> da hineinlegen, wird man doch so langsam \u00e4rgerlich. Und was ist \u00fcberhaupt mit den <em>alten Frauen<\/em>? Wenn man n\u00e4mlich immerfort Sichtbarkeit fordert, dann mu\u00df man eines feststellen: da\u00df n\u00e4mlich alte Frauen v\u00f6llig <em>unsichtbar <\/em>sind. Ihre Sichtbarkeit liegt dem Feminismus <em>\u00e0 la mode<\/em> offenbar nicht sehr am Herzen. Er lebt von der st\u00e4ndigen Attacke auf den Feind: Frau gegen Mann, Jung gegen Alt, Gut gegen B\u00f6se. Und am besten auch noch Schwul gegen Hetero, Farbig gegen Wei\u00df und so weiter. <\/p>\n\n\n\n<p>Sophie Passmann eine preisgekr\u00f6nte Feministin und Slam-Poetin, erl\u00e4utert ihr schlichtes Weltbild so (<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2019\/12\/alte-weisse-maenner-sophie-passmann-feminismus?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F\">hier<\/a> nachzulesen): <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Einerseits &#8222;wei\u00dfer, gesunder, christlicher, wohlhabender Mann, der die Erz\u00e4hlungen schreibt, den Kuchen backt und uns die Welt erkl\u00e4rt&#8220;, andererseits alle anderen. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em>Yes, life is as simple as that!<\/em> Interessant sind hier die Attribute, die Passmann dem feindlichen (m\u00e4nnlichen) Lager zuschreibt. Bis auf <em>gesund<\/em> und <em>wohlhabend<\/em> sind es samt und sonders kulturelle T\u00e4tigkeiten, die sie dem Mann zum Vorwurf macht: Religion, Literatur, Philosophie, sogar die Kochkunst, wobei die Kuchen wohl \u00f6fter von alten wei\u00dfen Frauen als von alten wei\u00dfen M\u00e4nnern gebacken werden. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir sind mit unserer Sprache aufgewachsen und vertraut, jetzt f\u00fcrchten manche, dass da alles umgekrempelt werden soll. Aber das passiert ja nicht&#8220;, sagt Frau Gerster. Doch, genau das passiert, und sie selbst hat ihr Scherflein dazu beigetragen. Wir sind ja nicht nur mit unserer Sprache <em>vertraut<\/em>, sie ist uns, die wir in ihr sprechen und schreiben, auch zur Bewahrung <em>anvertraut<\/em>. Sie ist das R\u00fcckgrat unserer Kultur und zugleich, wie jede Sprache, ein Archiv der Vergangenheit. Wer die Sprache gerecht machen will, wird sich an ihr die Z\u00e4hne ausbei\u00dfen. Keine Sprache der Welt ist gerecht, und keine wird es je sein. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Aber Sprachen \u00e4ndern sich doch immer, wir sprechen heute ja auch nicht mehr das Deutsch der Lutherzeit!&#8220; &#8211; das ist das Standardargument, das man als Gegner des Genderns zu h\u00f6ren bekommt. Ja, auch Sprachen \u00e4ndern sich im Lauf der Zeit, wie alles unter der Sonne. Aber sie \u00e4ndern sich langsam, in fast organischer Weise. Neue W\u00f6rter tauchen auf, bleiben oder verschwinden wieder, andere, die einmal in aller Munde waren, geraten in Vergessenheit. Das alles geschieht ganz von allein. Was heute passiert, hat mit einer solchen nat\u00fcrlichen Sprachentwicklung nichts zu tun: eine zu allem entschlossene Minderheit versucht hier, der Mehrheit ihren Willen aufzuzwingen &#8211; auch der Mehrheit der Frauen \u00fcbrigens. Sie machen erst gar nicht den Versuch, die Menschen zu \u00fcberzeugen, weil sie genau wissen, da\u00df sie daran scheitern w\u00fcrden. Deshalb setzen sie auf den administrativen Zwang: wer in Schule und Universit\u00e4t, am Arbeitsplatz, in der Beh\u00f6rde nicht gendern will, wird dazu gezwungen. Einzelne Sanktionen gibt es bereits, und sie gen\u00fcgen vollauf.  <\/p>\n\n\n\n<p>Das alles hat ohnehin nur ganz am Rande etwas mit Mann und Frau zu tun, das zeigen schon die 60 % der F rauen, die das Gendern ablehnen. Eher schon k\u00f6nnte man von einem einseitig ausgerufenen Kulturkampf sprechen, in dem linke und gr\u00fcne Kreise unter dem Motto &#8222;Fiat iustitia, et pereat lingua!&#8220; ihre politischen Ziele mit einer vorgeschobenen &#8222;Gerechtigkeit&#8220; durchsetzen wollen. Man mu\u00df nur hie und da einen sanktionieren, der nicht gendert &#8211; und schon hat man alle anderen eingesch\u00fcchtert, die um ihren Arbeitsplatz oder um die Note ihrer Hausarbeit bangen. So entsteht ein Klima, in dem Feigheit und Mitl\u00e4ufertum gedeihen und die Freiheit bald nur noch auf dem Papier steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein allerletztes Beispiel: Konstanze Marx, Linguistikprofessorin (!) an der Universit\u00e4t Greifswald, ist offenbar stolz darauf, da\u00df sie den Senatsbeschlu\u00df zum Gendern umsetzen darf (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/bildung\/universitaet-gender-verein-deutsche-sprache-1.4661809\">hier<\/a> nachzulesen). Studenten, die in ihren Hausarbeiten <em>nicht <\/em>gendern, sagt sie, weise sie als Gutachterin darauf hin, ohne es aber in der Note zu ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das kommt aber auch nur selten vor, weil Studierende in unserem Fach von sich aus gendern. F\u00fcr sie ist das einfach selbstverst\u00e4ndlich.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8222;In unserem Fach&#8220; &#8211; das ist \u00fcbrigens, man glaubt es kaum, die Germanistische Sprachwissenschaft. Und man sieht, wie gut schon jetzt der psychische Druck selbst bei Studenten funktioniert.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petra Gerster, die seit \u00fcber 20 Jahren die heute-Nachrichten im ZDF moderiert, hatte vor einigen Tagen ihre letzte Sendung. 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