{"id":212,"date":"2011-04-10T17:48:56","date_gmt":"2011-04-10T15:48:56","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=212"},"modified":"2011-04-10T17:52:50","modified_gmt":"2011-04-10T15:52:50","slug":"noch-einmal-zu-ai-weiwei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=212","title":{"rendered":"Noch einmal zu Ai Weiwei"},"content":{"rendered":"<p>Da\u00df China ein Rechtsstaat ist, glaubt nicht einmal Hong Lei, der Sprecher des chinesischen Au\u00dfenministeriums, der diese absurde Behauptung k\u00fcrzlich vor der Presse aufgestellt hat. Fast nirgendwo auf der Welt (von Nordkorea vielleicht abgesehen) wird von einer Regierung die Wahrheit so dreist verschwiegen, unterdr\u00fcckt und verdreht wie in China.<\/p>\n<p>Wer z.B. den Namen Ai Weiwei heute in eine chinesische Suchmaschine eingibt, erh\u00e4lt folgende Fehlermeldung:<\/p>\n<blockquote><p>In \u00dcbereinstimung mit einschl\u00e4gigen Gesetzen, Regeln und Bestimmungen werden die Suchergebnisse nicht angezeigt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da\u00df unsere Wirtschaftsf\u00fchrer, wie berichtet, einen, der nach dem Verbleib des verschleppten K\u00fcnstlers fragt, ausbuhen und damit verh\u00f6hnen, mag man noch verstehen. Ihnen geht es nur um das profitable China-Gesch\u00e4ft, da lassen sie sich doch nicht von einem K\u00fcnstler st\u00f6ren &#8211; w\u00e4re ja noch sch\u00f6ner.<\/p>\n<p>Aber es gibt da einen Mann, der solche R\u00fccksichten wirklich nicht n\u00f6tig h\u00e4tte, und das ist Martin Roth, der Generaldirektor der Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Er ist einer der Organisatoren der Ausstellung &#8222;Kunst der Aufkl\u00e4rung&#8220;, die am 1. April in Peking &#8222;mit gro\u00dfem Pomp&#8220;, wie die heutige Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt, er\u00f6ffnet wurde. Die Ehreng\u00e4ste waren noch beim Kofferpacken, da wurde Ai Weiwei verschleppt. Er ist bis heute unauffindbar.<\/p>\n<p>Au\u00dfenminister Westerwelle, der in seiner Rede zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung nur mild mahnende Worte gefunden hatte und sich durch die Verschleppung des K\u00fcnstlers auch pers\u00f6nlich zurecht gedem\u00fctigt f\u00fchlen mu\u00dfte, bestellte daraufhin den chinesischen Botschafter ein, immerhin. Die Nobelpreistr\u00e4gerin Herta M\u00fcller wurde deutlicher: es komme ihr vor, sagte sie, &#8222;als w\u00fcrde die deutsche Kulturpolitik regelrecht winseln um Anerkennung durch China&#8220;.<\/p>\n<p>Und Martin Roth? Er rechtfertigt die gescheiterte Kulturpolitik gegen\u00fcber China um jeden Preis. Als der Pr\u00e4sident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, die Freilassung Ai Weiweis forderte (eigentlich ja eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit), meinte Roth nur zynisch: &#8222;Na, da wird die chinesische Staatssicherheit aber das Z\u00e4hneklappern bekommen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Verhaftung sei zwar &#8222;furchtbar&#8220;, aber &#8211; das obligatorische Aber! &#8211; schlie\u00dflich sei Ai Weiwei &#8222;bei den Medien&#8220; deshalb so beliebt, &#8222;weil er st\u00e4ndig draufhaut&#8220;.<\/p>\n<p>Ja, lieber Herr Roth, es ist doch nicht Aufgabe eines K\u00fcnstlers, so wie Sie mit den M\u00e4chtigen seines Landes Prosecco (oder von mir aus auch Maotai-Schnaps) zu trinken und zu allem Ja und Amen zu sagen! Soll er sich den Tyrannen nur noch auf Sammetpf\u00f6tchen n\u00e4hern, damit ja kein Schatten auf Ihre leise Diplomatie f\u00e4llt? Was f\u00fcr eine Vorstellung von Kunst und vom K\u00fcnstler haben Sie eigentlich? Ist f\u00fcr Sie der K\u00fcnstler nur ein St\u00f6rfaktor beim gem\u00fctlichen Zusammensein mit den chinesischen Funktion\u00e4ren? Eine Kulturpolitik, die diesen Namen verdient, mu\u00df doch f\u00fcr die Kunst und den K\u00fcnstler (also auch f\u00fcr Ai Weiwei!) da sein &#8211; und nicht umgekehrt.<\/p>\n<blockquote><p>Ohne China m\u00fc\u00dfte die Phaeton-Produktion eingestellt werden. Diese Diktatur gibt uns in unserer Demokratie Lohn und Brot.<\/p><\/blockquote>\n<p>So werden Sie von der F.A.S. zitiert. Man glaubt, man habe sich verlesen. Das soll ein deutscher Museumdirektor tats\u00e4chlich gesagt haben? Aber offenbar haben Sie es genauso gesagt und gemeint. Nur &#8211; was bedeutet das? Nur weil China unsere Luxuslimousinen kauft, m\u00fcssen wir deshalb jetzt in der Kulturpolitik leisetreten? Ein Kotau f\u00fcr jeden verkauften Phaeton?<\/p>\n<p>Seit vielen Jahren wollen uns die sog. China-Kenner weismachen, da\u00df durch die wirtschaftliche \u00d6ffnung des Landes auch die Tage des alten politischen Systems in China gez\u00e4hlt seien. Nichts davon ist eingetreten, das Unterdr\u00fcckungssytem funktioniert wie eh und je, Pr\u00fcgel, Folter und Hinrichtungen geh\u00f6ren zum chinesischen Alltag, es gibt weder eine freie Presse noch unabh\u00e4ngige Gerichte. Die kleinen, immer gef\u00e4hrdeten Nischen, die sich einige chinesische K\u00fcnstler und ein paar Blogger erobert haben, sind allein ein Erfolg ihres eigenen Mutes und ihrer z\u00e4hen Beharrlichkeit.<\/p>\n<p>Sie mu\u00df man unterst\u00fctzen, sie brauchen unsere Hilfe und unsere Zuneigung, nicht irgendwelche Kulturfunktion\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da\u00df China ein Rechtsstaat ist, glaubt nicht einmal Hong Lei, der Sprecher des chinesischen Au\u00dfenministeriums, der diese absurde Behauptung k\u00fcrzlich vor der Presse aufgestellt hat. 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