{"id":21164,"date":"2021-05-03T14:00:35","date_gmt":"2021-05-03T12:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21164"},"modified":"2021-05-04T14:47:14","modified_gmt":"2021-05-04T12:47:14","slug":"frauen-maenner-und-weitere-menschen-ein-peinlicher-beschluss-des-zentralkomitees-der-deutschen-katholiken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21164","title":{"rendered":"&#8222;Frauen, M\u00e4nner und weitere Menschen&#8220; &#8211;  Ein peinlicher Beschlu\u00df des Zentralkomitees der deutschen Katholiken"},"content":{"rendered":"\n<p>So lautet w\u00f6rtlich der Antrag, den Lisa-Marie Singer am 24. April 2021 unter dem Titel &#8222;Geschlechtervielfalt in Wort und Schrift&#8220; in der Vollversammlung des ZdK  eingebracht hat (<a href=\"https:\/\/antrag.zdk.digiv.de\/std\/A4_Geschlechtervielfalt_in_Wort_und_Schrift-48487\">hier<\/a> nachzuzlesen):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Sprache bestimmt unser Denken sowie unser Bewusstsein und sie schafft<br>Realit\u00e4ten. Durch einen sensiblen Sprachgebrauch tragen wir aktiv zur<br>Gleichberechtigung aller Menschen und zu einer wertsch\u00e4tzenden Ansprache bei. Sprache bildet die jeweils aktuellen gesellschaftliche Strukturen ab. Die Ber\u00fccksichtigung verschiedener geschlechtlicher Identit\u00e4ten in der Verwendung von Sprache ist ein erster Schritt zur Anerkennung jedes Menschen und seiner W\u00fcrde. Die Verwendung geschlechtergerechter Sprache macht Frauen, M\u00e4nner und weitere Menschen sichtbar.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken anerkennt, dass es Menschen gibt, die sich nicht den Geschlechterkategorien m\u00e4nnlich und weiblich zuordnen k\u00f6nnen oder wollen. Diese Realit\u00e4t anzuerkennen bedeutet, sie als Teil der sehr guten Sch\u00f6pfung Gottes wertzusch\u00e4tzen. Die Wirklichkeit ist komplexer als die klassische bin\u00e4re Lesart der Sch\u00f6pfungsordnung es darstellt. Alle Menschen, unabh\u00e4ngig ihres Geschlechts sind Ebenbilder Gottes \u2013 darin liegt auch ihre W\u00fcrde als Menschen begr\u00fcndet. Ein Ausschluss von intersexuellen, transsexuellen oder queeren Menschen aus dieser Sch\u00f6pfungstheologie entspricht nicht unserem christlichen Menschenbild und Werteverst\u00e4ndnis und verletzt die Menschenrechte. Deswegen verwendet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in jeder schriftlichen Kommunikation eine geschlechtersensible bzw. -gerechte Sprache, welche alle Menschen auch jenseits der Zweigeschlechtlichkeit einschlie\u00dft und adressiert. W\u00fcnschenswert ist dar\u00fcber hinaus eine geschlechtersensible und &#8211; gerechte Sprache in der m\u00fcndlichen Kommunikation. Dabei werden Geschlechterstereotype sensibel und kreativ durchbrochen. Im geschriebenen Wort wird der Asteriskus (das Gender*Sternchen) verwendet. Im m\u00fcndlichen Sprachgebrauch soll die Verwendung des Gender*Sternchens durch eine Pause an der Stelle des Sternchens ausgedr\u00fcckt werden.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><span class=\"has-inline-color has-black-color\">Begr\u00fcndung<\/span><br>Als Christ*innen m\u00fcssen wir die Wirklichkeit anerkennen und mit ihr umgehen. Diese Wirklichkeit zeigt uns, dass es biologisch nicht bestreitbar ist, dass es Menschen gibt, die sich nicht in das bin\u00e4re Geschlechtersystem einordnen k\u00f6nnen oder wollen. Diese Menschen geh\u00f6ren genauso zu Gottes guter Sch\u00f6pfung. Um dies anzuerkennen, ist es gerecht, sie mit unserer Sprache auch zu adressieren und zu benennen und somit sichtbar zu machen. Au\u00dferdem macht die Verwendung des Gender*Sternchens auch explizit Frauen sichtbar. Verschiedene Studien zeigen, dass die Verwendung des Generischen Maskulinum sowie einer neutralen Form weder zur Sichtbarkeit von Frauen oder trans-, intergeschlechtlichen oder queeren Menschen f\u00fchrt, noch sie im \u201eDenken\u201c der Menschen einen angemessenen Raum finden. Auch zeigen Studien, dass die Lesbarkeit von Texten kaum beeinflusst wird.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Auch im Synodalen Weg, insbesondere im Synodalforum \u201eLeben in gelingenden Beziehungen \u2013 Liebe leben in Sexualit\u00e4t und Partnerschaft\u201c wird der Umgang mit intersexuellen, transsexuellen und queeren Menschen diskutiert. Wir m\u00f6chten mit Menschen reden, anstatt \u00fcber sie, was aber auch bedeutet, dass wir eine Sprache verwenden m\u00fcssen, die alle Menschen anspricht. Ein Ausschluss von Menschen entspricht weder unserem christlichen Menschenbild, noch w\u00e4re er ethisch vertretbar.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Vollversammlung nahm den Antrag an. Von den anwesenden Mitgliedern stimmten 86 f\u00fcr und 54 gegen den Antrag. Als ein Mitglied in der Diskussion das Gendern (v\u00f6llig zurecht!) eine &#8222;Vergewaltigung der Sprache&#8220; nannte, warf ihm Gudrun Lux, die f\u00fcr die Fraktion <em>Die Gr\u00fcnen &#8211; Rosa Liste<\/em> im M\u00fcnchner Stadtrat sitzt, allen Ernstes &#8222;Bagatellisierung sexualisierter Gewalt&#8220; vor. <\/p>\n\n\n\n<p>Was um Himmels willen hat so ein Antrag mit dem Glauben und der katholischen Kirche zu tun? Er ist nichts weiter als eine w\u00f6rtliche, erbarmenswert schlecht formulierte \u00dcbernahme \u00e4hnlicher (und \u00e4hnlich dummer) Beschl\u00fcsse, wie sie seit langem in vielen Institutionen landauf, landab auf Druck einer kleinen, aber aggressiven Minderheit durchgesetzt werden. Kein einziger Satz dieses Antrags h\u00e4lt einer wissenschaftlichen Pr\u00fcfung stand, wie man ja \u00fcberhaupt die &#8222;Genderforschung&#8220;, was ihre Wissenschaftlichkeit betrifft, allenfalls mit Feldern wie der Hom\u00f6opathie und anderen hermetischen K\u00fcnsten vergleichen kann. Eine Wissenschaft, die immer zu den ideologisch vorgegebenen, politisch gew\u00fcnschten Ergebnissen kommt und mit den von ihr verwendeten &#8222;Begriffen&#8220; einen <em>Jargon <\/em>anbietet, der sich allenfalls den Anschein einer Wissenschaftssprache gibt, eine solche &#8222;Wissenschaft&#8220; mag alles m\u00f6gliche sein &#8211; nur keine Wissenschaft.  <\/p>\n\n\n\n<p>Es grenzt schon an tragische Ironie, da\u00df sich die katholische Kirche, die in ihrer Geschichte jahrhundertelang von dem sexuellen Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau wie besessen war, nun ausgerechnet von einem Zeitgeist \u00fcberw\u00e4ltigen l\u00e4\u00dft, der, wenn auch auf ganz andere Weise, ihre Obsession f\u00fcrs Sexuelle teilt. Beide, und das ist merkw\u00fcrdig genug, scheinen nur noch wenig Interesse an den zentralen Fragen der Menschheit zu haben: <em>Was ist der Mensch? Wo kommt er her? Wo geht er hin? <\/em>Um Leben und Tod geht es n\u00e4mlich in der Religion, nicht um &#8222;intersexuelle, transsexuelle und queere Menschen&#8220;, und schon gar nicht um seichte Ratschl\u00e4ge f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben. <\/p>\n\n\n\n<p>Von einem &#8222;sensiblen Sprachgebrauch&#8220;, den der Antrag einfordert, ist er selbst weit entfernt. Er ist in einem f\u00fcrchterlichen Deutsch verfa\u00dft (&#8222;unabh\u00e4ngig ihres Geschlechts&#8220; usw.), holprig, voller Wiederholungen und bis zum Rand angef\u00fcllt mit Phrasen aus der verstaubten Ecke der Queerdenker. Und das alles nur, um das sch\u00f6ne &#8222;Als Mann und Frau schuf er sie&#8220; zu widerlegen und zu einer &#8222;bin\u00e4ren Lesart der Sch\u00f6pfungsordnung&#8220; herabzustufen? Da\u00df die Mehrheit der Delegierten diesem Gebr\u00e4u zugestimmt hat, ist ein Armutszeugnis f\u00fcr den deutschen Katholizismus, der es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, dem Zeitgeist noch eifriger hinterherzuhecheln als die deutschen Protestanten. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber das kommt heraus, wenn man es rabiaten und gut vernetzten Minderheiten gestattet, der Mehrheit der &#8222;Christ*innen&#8220; vorzuschreiben, wie sie zu reden und zu schreiben haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Der scheidende Pr\u00e4sident des ZdK soll \u00fcbrigens im November von einer Frau abgel\u00f6st werden. Na, dann is ja alles gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lautet w\u00f6rtlich der Antrag, den Lisa-Marie Singer am 24. April 2021 unter dem Titel &#8222;Geschlechtervielfalt in Wort und Schrift&#8220; in der Vollversammlung des ZdK eingebracht hat (hier nachzuzlesen): Sprache bestimmt unser Denken sowie unser Bewusstsein und sie schafftRealit\u00e4ten. 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