{"id":21128,"date":"2021-05-06T16:02:27","date_gmt":"2021-05-06T14:02:27","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21128"},"modified":"2021-05-06T16:02:27","modified_gmt":"2021-05-06T14:02:27","slug":"fundstuecke-aus-einem-alten-duden-4-kaffer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=21128","title":{"rendered":"Fundst\u00fccke aus einem alten Duden (4): &#8222;Kaffer&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>An dieser Stelle berichte ich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von W\u00f6rtern, wie man sie nur in alten B\u00fcchern findet \u2013 in diesem Fall in einer Ausgabe von Dudens \u201eOrthographischem W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache\u201c (8. Auflage 1908).<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210424_2302132-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210424_2302132-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21130\" width=\"299\" height=\"144\" srcset=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210424_2302132-1.jpg 790w, http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210424_2302132-1-300x145.jpg 300w, http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/20210424_2302132-1-768x372.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 299px) 100vw, 299px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ein seltsames Wort, das aus zwei v\u00f6llig verschiedenen Quellen gespeist wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Einmal ist es ein gew\u00f6hnliches Schimpfwort (&#8222;Du Kaffer&#8220;) mit einer einigerma\u00dfen gekl\u00e4rten Herkunft. Ein Kaffer ist, wie man im &#8222;Kluge&#8220; (<em>Etymologisches W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache<\/em>, 23. Aufl., Berlin 1999) nachlesen kann, ein &#8222;dummer Kerl&#8220;. Der Duden bevorzugt als Bedeutung &#8222;Dummkopf, bl\u00f6der Mensch&#8220;, was das Wort auch nicht sympathischer macht. Es kommt aus dem Rotwelschen, der deutschen Gaunersprache, die einst unter Bettlern und beim fahrenden Volk verbreitet war. Da ist Kaffer als Schimpfwort schon im 18. Jahrhundert nachweisbar. <\/p>\n\n\n\n<p>Wer im <em>Deutschen W\u00f6rterbuch<\/em> der Br\u00fcder Grimm nachschl\u00e4gt, findet die folgenden Bedeutungen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Schimpfwort, z. b. studentisch, duckm\u00e4user, fader mensch, knauser, auch schmuziger mensch im w\u00f6rtlichen sinn, und bauer.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Jetzt kommen wir der Sache schon n\u00e4her. Das Wort ist n\u00e4mlich \u00fcber das Jiddische ins Rotwelsche eingedrungen, und im Westjiddischen bedeutet &#8222;kafer&#8220; soviel wie Bauer, D\u00f6rfler. Auch &#8222;Bauer&#8220; wird ja oft als Schimpfwort f\u00fcr einen ungebildeten Menschen gebraucht, weshalb sich die Bauern selbst eine Zeitlang lieber als &#8222;Landwirte&#8220; oder &#8222;Agrar\u00f6konomen&#8220; titulieren lassen wollten. Inzwischen hat sich das wieder ge\u00e4ndert, und man freut sich, wenn man Lebensmittel &#8222;direkt vom Bauern&#8220; erwerben kann. Aber das ist eine andere (Wort-) Geschichte. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt m\u00fcssen wir nur noch wissen, wie das Wort ins Jiddische gekommen ist. Das ist aber nicht weiter schwer, denn viele W\u00f6rter des Jiddischen stammen aus dem Hebr\u00e4ischen, und dort hei\u00dft &#8222;d\u00f6rflich&#8220; nachtalmudisch <em>kafri<\/em>. So ist \u00fcbrigens auch unser Wort &#8222;Kaff&#8220; entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wort Kaffer hat aber auch noch eine zweite Bedeutung. Schon das <em>Deutsche W\u00f6rterbuch<\/em> fragt, ob es sich bei dem Schimpfwort wom\u00f6glich um eine &#8222;\u00dcbertragung der Kaffern im Kafferlande&#8220; handeln k\u00f6nnte. Das ist aber wohl nicht so. Als Kaffern hat man im 19. Jahrhundert afrikanische St\u00e4mme wie die Xhosa und andere Bantuv\u00f6lker im s\u00fcdlichen Afrika bezeichnet. Diese indigenen V\u00f6lker wurden von den Muslimen als Ungl\u00e4ubige (<em>kafir<\/em>) bezeichnet. Daraus ist im Spanischen und Portugiesischen das Wort <em>cafre<\/em> entstanden, das es heute noch in der Bedeutung &#8222;Barbar&#8220; gibt. <\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df &#8222;Kaffer&#8220; (genauso wie &#8222;Neger&#8220;) damals keineswegs ein Schimpfwort war, sondern eine (urspr\u00fcnglich nicht herabsetzende) Bezeichnung f\u00fcr V\u00f6lker mit dunkler Hautfarbe und das Land, in dem sie lebten, sieht man schon aus W\u00f6rtern wie &#8222;Kaffernb\u00fcffel&#8220;, einem s\u00fcdafrikanischen Wildrind, oder der &#8222;Kaffernlimette&#8220;. Zu einem Schimpfwort werden solche W\u00f6rter erst durch einen Menschen, der sie in herabsetzender Weise gebraucht.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dieser Stelle berichte ich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von W\u00f6rtern, wie man sie nur in alten B\u00fcchern findet \u2013 in diesem Fall in einer Ausgabe von Dudens \u201eOrthographischem W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache\u201c (8. Auflage 1908). 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