{"id":20936,"date":"2021-03-20T17:13:08","date_gmt":"2021-03-20T16:13:08","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20936"},"modified":"2021-03-20T17:13:08","modified_gmt":"2021-03-20T16:13:08","slug":"der-lange-marsch-des-feminismus-durch-die-institutionen-2-katja-thorwarth-und-die-frankfurter-rundschau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20936","title":{"rendered":"Der lange Marsch des Feminismus durch die Institutionen (2): Katja Thorwarth und die Frankfurter Rundschau"},"content":{"rendered":"\n<p>Die <em>Frankfurter Rundschau<\/em> (FR) war einmal eine der besten liberalen Tageszeitungen in Deutschland. Mit ihr verbindet man so gro\u00dfe Namen des Journalismus wie Karl Gerold, Karl-Hermann Flach, Werner Holzer und Roderich Reifenrath. Doch irgendwann sank die Auflage, das Blatt ging von Hand zu Hand, geh\u00f6rte erst der SPD, dann dem DuMont-Verlag und wurde immer weiter saniert und &#8222;gesundgeschrumpft&#8220;. Heute befindet es sich im Besitz der <em>Zeitungsholding Hessen<\/em>, die wiederum Teil der verschachtelten Ippen-Gruppe ist. Zu ihr geh\u00f6rt ein Sammelsurium von kleinen und gro\u00dfen Zeitungen &#8211; vom <em>M\u00fcnchner Merkur<\/em> \u00fcber die <em>Kreiszeitung Syke<\/em> bis zur <em>Offenbach-Post<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche Zeitung eignet sich, wenn das stabile Fundament einmal zerst\u00f6rt ist, ganz wunderbar f\u00fcr ideologische Einwanderungen jeder Art. Nehmen wir nur einmal Katja Thorwarth, auf die ich durch ihren gestrigen Artikel in der Online-Ausgabe der FR aufmerksam geworden bin.  Sein Titel (<a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/tv-kino\/dieter-nuhr-im-ersten-ard-tv-kritik-angela-merkel-sexismus-gruene-mutti-90253086.html\">hier<\/a> nachzulesen): <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Dieter \u201eNuhr im Ersten\u201c (ARD): Sexismus gegen \u201eMutti\u201c-Merkel und Hetze gegen die Gr\u00fcnen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Diese Kolumne firmiert zwar unter &#8222;TV-Kritik&#8220;, ist aber, wenn man genauer hinsieht, nur eine plumpe Beschimpfung eines Andersdenkenden. Der Kabarettist Dieter Nuhr ist l\u00e4ngst zu einem Ha\u00dfobjekt in linken, gr\u00fcnen und islamistischen Kreisen geworden. Wie kommt es, da\u00df er den Unmut so unterschiedlicher politischer Milieus  auf sich zieht? Die Antwort ist ganz einfach, aber wir wollen erst einmal h\u00f6ren, was f\u00fcr &#8222;Argumente&#8220; Frau Thorwarth anf\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Erstens: Nuhr, so schreibt sie, betreibe &#8222;sexistisches Merkel-Bashing&#8220;. Ich habe mir die Sendung noch einmal angesehen und mu\u00df sagen: da ist nicht ein Hauch von Bashing oder Sexismus. Nichts, gar nichts, kein einziges Wort! Es sei denn &#8211; ja, es sei denn, schon die Bemerkung, da\u00df Merkel eine Frau sei, Laschet aber nicht, w\u00e4re Sexismus. Oder es ist schon sexistisch, wenn ein Mann \u00fcber Frauen redet. Das geht gar nicht, nur Frauen d\u00fcrfen \u00fcber Frauen reden! Und nur \u00dcbersetzer mit dunkler Hautfarbe d\u00fcrfen Gedichte von Autoren mit dunkler Hautfarbe \u00fcbersetzen! <\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens: sechs Wochen lang, erz\u00e4hlt Katja Thorwarth, habe bei ihr Nuhr auf dem Index gestanden, denn sie wollte nicht &#8222;versehentlich reinzappen&#8220;, jetzt sei es aber doch passiert:  <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Dieter Nuhr mit Verachtung zu strafen, ist inhaltlich konkret, darf aber nicht verwechselt werden mit der von Nuhr herbeiphantasierten \u201eCancel Culture\u201c.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das ist nicht nur ein Deutsch (&#8222;inhaltlich konkrete Verachtung&#8220;), wie man es fr\u00fcher nicht einmal einem Volont\u00e4r h\u00e4tte durchgehen lassen. Der Satz endet auch in einer dreisten L\u00fcge. Da\u00df die &#8222;Cancel Culture&#8220;, also die Ausgrenzung und Beschimpfung von Andersdenkenden, ihr Ausschlu\u00df von akademischen Veranstaltungen, Podiumsgespr\u00e4chen usw. an Universit\u00e4ten heute <em>nicht <\/em>g\u00e4ngige Praxis des linken, gr\u00fcnen und feministischen Lagers sei, sondern &#8211; man h\u00f6re und staune! &#8211; &#8222;von Nuhr herbeiphantasiert&#8220; werde, das so schwarz auf wei\u00df hinzuschreiben, zeugt von einer mit Realit\u00e4tsverweigerung einhergehenden ideologischen Borniertheit. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann folgt der Vergleich von &#8222;Nuhr im Ersten&#8220; mit der &#8222;Sendung mit der Maus&#8220;, und man wird lange (und vergeblich) r\u00e4tseln, was die Kolumnistin damit sagen will. Zu den Themen Impfung und Volkspartei schreibt sie:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das triggert aktuell jede, und wenn es noch an ein Merkel-Bashing \u2013 \u201eMutti\u201c \u2013 gekoppelt wird, ist das die Nummer. Oder auch nicht, weil, sorry, das ist voll 2016. Oder 2014. Egal. Es ist in jedem Fall v\u00f6llig weg aus der Ist-Zeit. Weil es nicht um \u201eMutti\u201c Angela Merkel geht und auch nie ging. Das ist schlicht sexistisch, und damit solltet ihr Typen endlich mal klarkommen. Reden wir doch mal \u00fcber die Papis der Union. Wo bleibt da die Kritik, Herr Nuhr. Alles brav allgemein gehalten, weil es ja die b\u00f6se \u201eMutti\u201c gibt.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Je mehr sich Katja Thorwarth erregt, umso mehr verf\u00e4llt sie in den Jargon von pubertierenden Jugendlichen, den sie offenbar beim Erwachsenwerden nicht abgelegt hat. Und ohne Beschimpfung (&#8222;ihr Typen&#8220;) geht da bei der Frau Redakteurin gar nichts mehr. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnen seien der eigentliche Feind Dieter Nuhrs, schreibt sie, und weiter:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Denn \u2013 g\u00e4hn \u2013 die Gr\u00fcnen sind eine \u201eVerbotspartei\u201c, die jetzt potentiell alle Einfamilienh\u00e4user wegsprengt. Und Fortbewegung wollen sie den \u201eDeutschen\u201c also auch noch madig machen? M\u00e4nno.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wieder die Regression ins pubert\u00e4re Schimpfen. Und dann:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Aber Nuhrs Herz-Thema kommt erst noch: das Gendern. Warum hat ein Mensch, der sich selbst als liberal bezeichnet, ein solch penetrantes Problem mit sprachlicher Ver\u00e4nderung? Ist es wirklich so billig, dass selbst ernannte \u201ealte wei\u00dfer M\u00e4nner\u201c(D.N.) nicht damit klarkommen, linguistisch nicht im Mittelpunkt zu stehen?<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Fazit: Dieter Nuhr schie\u00dft sich auf die Gr\u00fcnen ein und langweilt mit seiner Dauerignoranz, dahingehend, dass sich Sprache gesellschaftlich-emanzipatorischen Entwicklungen anpasst. Aber solange Frauen die Pille nehmen, beh\u00e4lt Nuhr auch seinen Sendeplatz.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hier endet die Kanonade, die immerhin eines zeigt: wie heruntergekommen &#8211; sprachlich und intellektuell &#8211; die <em>Frankfurter Rundschau<\/em> heute ist. Man kann nur wehm\u00fctig und mit einem weinenden Auge an die Zeit zur\u00fcckdenken, als sie noch eine der besten deutschen Tageszeitungen war. <\/p>\n\n\n\n<p>PS:  Da\u00df Dieter Nuhr den Ha\u00df aller extremen und in totalit\u00e4ren Denkstrukturen verhafteten politischen Lager auf sich zieht, ist ganz einfach zu erkl\u00e4ren. Er vertritt hartn\u00e4ckig das, was man in England den <em>common sense<\/em> nennt. Ideologen aber brauchen immer einen Feind. Sie beschimpfen sich zwar gegenseitig (<em>Antifa! Nazis!<\/em>), aber ihr eigentlicher Feind ist der kluge, pragmatische und f\u00fcr Kompromisse offene Demokrat in der Mitte der Gesellschaft. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frankfurter Rundschau (FR) war einmal eine der besten liberalen Tageszeitungen in Deutschland. Mit ihr verbindet man so gro\u00dfe Namen des Journalismus wie Karl Gerold, Karl-Hermann Flach, Werner Holzer und Roderich Reifenrath. 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