{"id":20796,"date":"2021-02-18T15:43:56","date_gmt":"2021-02-18T14:43:56","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20796"},"modified":"2021-02-19T18:00:00","modified_gmt":"2021-02-19T17:00:00","slug":"jetzt-weiss-ich-wirklich-nicht-mehr-ob-ich-schwarz-gross-oder-weiss-klein-schreiben-soll","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20796","title":{"rendered":"Jetzt Wei\u00df ich wirklich nicht mehr, ob ich schwarz Gro\u00df oder wei\u00df Klein schreiben soll!"},"content":{"rendered":"\n<p>Die <em>New York Times<\/em> schreibt n\u00e4mlich seit neuestem das Adjektiv &#8222;black&#8220; immer gro\u00df, w\u00e4hrend &#8222;white&#8220; klein bleibt. Warum tut sie das? Zwei ihrer Herausgeber, Dean Baquet und Phil Corbett, versuchen eine Erkl\u00e4rung (<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/07\/05\/insider\/capitalized-black.html\">hier<\/a> nachzulesen):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>We believe this style best conveys elements of shared history and identity, and reflects our goal to be respectful of all the people and communities we cover. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Da ist also von gemeinsamer (&#8222;shared&#8220;) Geschichte und Identit\u00e4t die Rede &#8211; und nat\u00fcrlich wieder vom Respekt &#8222;gegen\u00fcber allen Menschen und Bev\u00f6lkerungsgruppen&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber <em>allen <\/em>Menschen? Aber warum wird dann die bei weitem gr\u00f6\u00dfte Bev\u00f6lkerungsgruppe buchst\u00e4blich <em>kleingeschrieben<\/em>? Dazu hei\u00dft es im Artikel der <em>New York Times<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>White doesn\u2019t represent a shared culture and history in the way Black does, and also has long been capitalized by hate groups.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das leuchtet mir freilich \u00fcberhaupt nicht ein. Die Wei\u00dfen h\u00e4tten also, anders als die Schwarzen, keine gemeinsame Kultur und Geschichte? Keine gemeinsame Identit\u00e4t? Eine seltsame Begr\u00fcndung. Und die nachgeschobenen wei\u00dfen &#8222;Ha\u00dfgruppen&#8220;, die &#8222;White&#8220; immer gro\u00dfschreiben? Weil <em>wirklich <\/em>rassistische Gruppen &#8222;wei\u00df&#8220; immer gro\u00dfschreiben, schreibt die <em>New York Times<\/em> das Wort klein? Logik sieht anders aus. K\u00f6nnte es nicht einfach so sein, da\u00df die Redaktion sich dem Druck der &#8222;Black lives matter&#8220;-Bewegung in vorauseilendem Gehorsam genauso gebeugt hat, wie sich bei uns Journalisten, die man einmal f\u00fcr seri\u00f6s und kompetent und unabh\u00e4ngig gehalten hat, gleich scharenweise von sprach- und kulturwissenschaftlich unbedarften Feministinnen zum kindischen Gendern haben dr\u00e4ngen lassen? <\/p>\n\n\n\n<p>Um in unser Land zur\u00fcckzukehren &#8211; auch Marie Schoe\u00df, die auf <em>Bayern 2<\/em> Filme und Literatur bespricht, sorgt sich (<a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/black-grossschreibung-rassismus-schwarz-gesellschaft,S3ecOcg\">hier<\/a> nachzulesen) und stellt die bange Frage:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wie verhalte ich mich als wei\u00dfe Deutsche?<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Denn, so gr\u00fcbelt sie, wenn auch sie &#8222;wei\u00df&#8220; klein und &#8222;schwarz&#8220; gro\u00dfschreibt,<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>suggeriert das nicht, dass &#8222;wei\u00df&#8220; eine quasi-nat\u00fcrliche, in jedem Fall nicht weiter zu befragende Kategorie ist, w\u00e4hrend schwarz einer Markierung bedarf? Werde ich, als wei\u00dfe Deutsche, nicht zu einem unmarkierten Markierer, wenn ich &#8222;schwarz&#8220; gro\u00dfschreibe und &#8222;wei\u00df&#8220; so belasse wie zuvor, als habe dieses kleine Adjektiv, &#8222;wei\u00df&#8220;, rein gar nichts mit Rassismus zu tun?<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wenn ich aber jetzt &#8211; als alter und auch ziemlich altmodischer Mensch &#8211; darauf beharre, da\u00df es sich hier auch um Rassismus, n\u00e4mlich um einen blo\u00df schwarz eingef\u00e4rbten Rassismus handelt, der mir um keinen Deut sympathischer ist als der wei\u00dfe, wenn ich mich dabei auf die Bibel berufe, die mit dem Bild von der Gottebenbildlichkeit des Menschen die philosophische Grundlage f\u00fcr die Gleichheit <em>aller Menschen vor Gott<\/em> (und damit auch auf Erden!) gelegt hat, wenn ich mich weiter auf die amerikanische  <em>Declaration of Indepence<\/em> berufe, eines der nobelsten und zugleich k\u00fchnsten Dokumente der menschlichen Geschichte, die mit beispielloser Klarheit festgestellt hat, <em>that all men are created equal<\/em>, und wenn ich endlich auch unser Grundgesetz zitiere, in dem es kategorisch hei\u00dft, da\u00df niemand wegen seiner Rasse benachteiligt, da\u00df aber auch niemand wegen seiner Rasse <em>bevorzugt <\/em>werden darf, dann bekomme ich daf\u00fcr aus dem &#8222;fortschrittlichen Lager&#8220; meines Landes keine Zustimmung mehr. Es bildet sich ein &#8222;Antirassismus&#8220; heraus, der &#8211; dumm, wie er ist &#8211; das Wort &#8222;Rasse&#8220; erst wieder hoff\u00e4hig gemacht hat, statt es auf den M\u00fcllplatz der Geschichte zu werfen. Insofern gehen diese Menschen, die sich allen anderen moralisch \u00fcberlegen f\u00fchlen, noch hinter die Aufkl\u00e4rung des 18. Jahrhunderts zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6ren wir dazu die Kulturwissenschaftlerin Susan Arndt: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wenn wir sagen: Wir sind alle gleich, wir sind alle Menschen, dann bleibt nicht erz\u00e4hlt, dass Rassismus Menschen immer noch positioniert. Und deshalb hat sich der Widerstand gegen Rassismus darauf besonnen, von Wei\u00dfen und Schwarzen zu sprechen. In der Wissenschaft hei\u00dft das Racial Turn: weg von Rasse als biologischem Konstrukt, hin zu Rasse als sozialer Position, weg vom N-Wort als biologischem Konstrukt des Rassismus, hin zu schwarz als sozialer Position. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die schwarze Hautfarbe entspricht also einer &#8222;sozialen Position&#8220;? Das schwarze Gangmitglied in Chicago hat also dieselbe &#8222;soziale Position&#8220; wie ein schwarzer Professor am MIT? <\/p>\n\n\n\n<p>Was ist das f\u00fcr ein dummes, ganz und gar r\u00fcckschrittliches &#8222;Konstrukt&#8220;! Es hat, mit Verlaub, genauso viel wissenschaftliche Substanz in sich wie das Gendern, n\u00e4mlich &#8211; gar keine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die New York Times schreibt n\u00e4mlich seit neuestem das Adjektiv &#8222;black&#8220; immer gro\u00df, w\u00e4hrend &#8222;white&#8220; klein bleibt. Warum tut sie das? 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