{"id":20770,"date":"2021-02-09T15:50:03","date_gmt":"2021-02-09T14:50:03","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20770"},"modified":"2021-02-28T16:33:04","modified_gmt":"2021-02-28T15:33:04","slug":"im-rausch-der-gerechten-sprache","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20770","title":{"rendered":"Im Rausch der gerechten Sprache"},"content":{"rendered":"\n<p>In einer gemeinsamen Zeitungsanzeige von Autoh\u00e4usern und Handwerksbetrieben versichern uns die Firmen (in genau dieser Rechtschreibung):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>wir sind weiter f\u00fcr sie da.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Warum die Werbeagentur, die diese &#8222;Anzeigen-Sonderver\u00f6ffentlichung&#8220; gestaltet hat, nicht einmal den Satzanfang (und auch sonst nichts) gro\u00df schreibt, wei\u00df niemand. Vielleicht will sie damit nur die Aufmerksamkeit des Lesers erregen. Die Frage ist nur: <em>wer <\/em>ist jetzt eigentlich <em>f\u00fcr wen<\/em> da?<\/p>\n\n\n\n<p>Genau deshalb gibt es im Deutschen den Unterschied von Gro\u00df- und Kleinschreibung. So wie der Satz schwarz auf wei\u00df dasteht, wei\u00df niemand, <em>f\u00fcr wen<\/em> die Firmen da sind. H\u00e4tte man das &#8222;Sie&#8220; aber gro\u00dfgeschrieben, w\u00e4re jedem klar gewesen, da\u00df sie sich direkt an ihre Kunden wenden. <\/p>\n\n\n\n<p>Das mag vielen allzu penibel vorkommen, aber man sieht gerade an einem so einfachen Beispiel, da\u00df die Sprache ein wunderbar komplexes, in Jahrhunderten organisch gewachsenes Gebilde ist.  Wer da mutwillig herumpfuscht, tut sich selbst und der Kultur, deren R\u00fcckgrat immer die Sprache sein wird, nichts Gutes. Und man sieht auch die Bedeutung der Orthographie f\u00fcr das schnelle Erfassen der Satzbedeutung: das gro\u00dfe &#8222;Sie&#8220; erkl\u00e4rt den Sinn des Satzes auf den ersten Blick, so wie &#8211; vor der unheilvollen &#8222;Neuen Rechtschreibung&#8220; &#8211; auch &#8222;das&#8220; und &#8222;da\u00df&#8220; klar unterscheidbar waren. Die &#8222;Rechtschreibreform&#8220;, \u00fcbrigens damals von der Duden-Redaktion, schon wegen erstklassiger Gewinnaussichten, eilfertig unterst\u00fctzt, hat alle Schleusen ge\u00f6ffnet &#8211; selbst von Beh\u00f6rden und gro\u00dfen Firmen bekommt man heute kaum noch Briefe ohne haarstr\u00e4ubende Rechtschreibfehler, von den Usern, die sich in den Internetforen tummeln, ganz zu schweigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das alles wird freilich noch \u00fcbertroffen von dem Gro\u00dfangriff einer kleinen feministischen Minderheit, die dabei ist, der deutschen Sprache mit Doppelformen, Sternchen, Unterstrichen und l\u00e4cherlichen Sprechpausen mitten im Wort endg\u00fcltig den Garaus zu machen. In jedem anderen Land w\u00fcrde man solche Versuche dem gerechten Hohn und Spott preisgeben, bei uns aber ist es dieser Gruppe mit ihrem beinahe sektenhaften, fanatischen Gebaren gelungen, tief in die Gesellschaft einzudringen. Die Vorstellung von einer &#8222;gerechten Sprache&#8220;, die klingt, als sei sie in einem Zustand heftiger Berauschtheit entstanden (zumindest der Berauschung an einem totalit\u00e4r gef\u00e4rbten Begriff von Gerechtigkeit), w\u00e4re ohne die politische Sch\u00fctzenhilfe des (im weitesten Sinne) &#8222;linken&#8220; Lagers niemals aus ihrer Nische herausgewachsen. Eine Schreib- und Sprechweise, die auf einer erbarmenswerten Unkenntnis dessen fu\u00dft, was Sprache \u00fcberhaupt ist, kann auch jetzt nur mit administrativem Zwang gegen den Mehrheitswillen der Bev\u00f6lkerung durchgesetzt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Noch kann man diesem Treiben ein Ende setzen, zum Beispiel, indem man den absurden sprachpolizeilichen Vorschriften einfach nicht folgt &#8211; oder, um Wolfgang Borchert abzuwandeln:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst ihren dummen Sprachregeln folgen, dann gibt es nur eins: <br>Sag NEIN!<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dieses laute und vielstimmige NEIN h\u00e4tte ich auch von unseren Lehrern, Journalisten und Schriftstellern erwartet, von den letzteren vor allem, aber au\u00dfer einem kleinen H\u00e4uflein um Monika Maron und Uwe Tellkamp herrscht bei den bekannteren Namen peinliches Schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Zeitungsschreibern darf man leider, was Sprache betrifft, nie allzuviel erwarten, da\u00df aber selbst Journalisten wie Anne Will und Petra Gerster nicht begreifen, was sie mit ihrer devoten Unterwerfung unter das Diktat des Sprachfeminismus unserer Sprache antun, ist schon entt\u00e4uschend. <\/p>\n\n\n\n<p>PS:  Ich empfehle allen meinen Leser dringend, den Aufruf &#8222;Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden!&#8220; zu unterschreiben. <a href=\"https:\/\/vds-ev.de\/allgemein\/aufrufe\/rettet-die-deutsche-sprache-vor-dem-duden\/\">Hier<\/a> finden Sie das Formular und alle, die den Aufruf bisher unterzeichnet haben &#8211; es sind schon jetzt knapp 20.000 Freunde der deutschen Sprache. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie werden sehen &#8211; mit Ihrer Unterschrift befinden Sie sich in bester Gesellschaft!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer gemeinsamen Zeitungsanzeige von Autoh\u00e4usern und Handwerksbetrieben versichern uns die Firmen (in genau dieser Rechtschreibung): wir sind weiter f\u00fcr sie da. 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