{"id":20759,"date":"2021-02-06T16:51:15","date_gmt":"2021-02-06T15:51:15","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20759"},"modified":"2021-02-06T16:52:48","modified_gmt":"2021-02-06T15:52:48","slug":"eine-weisse-fernsehserie-das-geht-gar-nicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20759","title":{"rendered":"Eine &#8222;wei\u00dfe Fernsehserie&#8220;? Das geht gar nicht!"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt S\u00e4tze, an denen auf den ersten Blick nichts Besonderes ist. Sie besch\u00e4ftigen sich, sagen wir, mit einer Fernsehsendung oder einer Preisverleihung, und es geht bei ihnen nun wirklich nicht um die wichtigen Dinge des Lebens. So scheint es, und doch kann in einem solchen Satz wie in einem Brennglas der Geist der Zeit aufscheinen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Portal &#8222;jetzt&#8220; ist das Online-Magazin der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em>. Seine Schreiber sehen aus, als h\u00e4tten sie grade erst ihr Abitur gemacht, und sie entsprechen dem journalistischen Ideal von heute: jung, weiblich, divers. Garantiert kein Platz f\u00fcr alte wei\u00dfe M\u00e4nner. Gestandene Journalisten wie einst Gerd Ruge, Peter Scholl-Latour oder Helmut Schmidt, allesamt durch keinerlei <em>colour <\/em>geadelt, h\u00e4tten hier null Chance. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine aus dieser Redaktion ist Magdalena Pulz, Jahrgang 1991. Sie hat sich im Januar mit dem &#8222;dunklen Erbe der Kolonialreiche&#8220;, dem &#8222;unheilvollen Zeitalter des Imperialismus&#8220; besch\u00e4ftigt. Jetzt hat sie andere Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Serie &#8222;Emily in Paris&#8220; ist gerade in der Kategorie &#8222;Beste Comedy-Serie&#8220; f\u00fcr den Golden Globe Award nominiert worden, eine andere, &#8222;I may destroy you&#8220;, aber nicht. Frau Pulz ist ungehalten. Damit ihr Urteil von Anfang an auch optisch deutlich wird, stellt sie die beiden Hauptdarstellerinnen im Foto nebeneinander. Links Michaela Coel, die farbige Schauspielerin mit ghanaischen Wurzeln und rot gef\u00e4rbten Haaren, rechts Lily Collins, die Darstellerin der &#8222;Emily&#8220;, wei\u00df, brav und &#8222;niedlich&#8220;. Dort die farbenfrohen, glamour\u00f6sen People of Colour, hier die biedere langweilige Wei\u00dfe. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesem Foto h\u00e4tte sich Pulz ihren Artikel eigentlich sparen k\u00f6nnen. Aber sie fa\u00dft Ihr Urteil noch einmal zusammen <a href=\"https:\/\/www.jetzt.de\/meine-theorie\/golden-globes-emily-in-paris-i-may-destroy-you-serie-comedy\">(hier<\/a> nachzulesen): <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wieso bekommt eine mittelm\u00e4\u00dfige wei\u00dfe Serie die Lorbeeren, die eine divers besetzte, wirklich geniale Produktion verdient h\u00e4tte?<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die &#8222;faden Klischees&#8220;, die sie der &#8222;wei\u00dfen Serie&#8220; vorwirft, triefen in Wirklichkeit aus ihrem eigenen Text. Emily setzt sich in Paris zwar als Frau durch, aber <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>sie tut es immer breit l\u00e4chelnd, in Highheels und Minirock und vor allem mit dieser niedlichen Naivit\u00e4t, die einen einfach erobern muss.  Noch dazu ist sie f\u00fcr Kunden des Unternehmens vor allem als Sexualobjekt interessant. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der differenzierte Kommentar unserer jungen Journalistin dazu: &#8222;Kotzw\u00fcrg.&#8220; Ganz anders dagegen die Serie mit der farbigen Hauptdarstellerin: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Nicht nur ist die Serie inhaltlich relevant (die Hauptdarstellerin arbeitet ein Vergewaltigungstrauma auf), klug, lustig und traurig zugleich. Sie ist auch visuell gro\u00dfartig, innovativ und DANN repr\u00e4sentiert sie auch noch nicht nur privilegierte, wei\u00dfe, d\u00fcnne US-Amerikaner*innen. F\u00fcr viele Kritiker*innen war IMDY deshalb die Serie des Jahres.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Gerade dieses &#8222;deshalb&#8220; ist unfreiwillig entlarvend. Die K\u00e4mpferinnen gegen &#8222;Rassismus&#8220; und &#8222;Sexismus&#8220; haben ja recht, aber ganz anders, als sie es meinen. <em>Sie selbst<\/em> sind n\u00e4mlich die neuen Rassisten, denn wer einen Film vor allem deshalb lobt, weil er <em>keine <\/em>&#8222;privilegierten, wei\u00dfen, d\u00fcnnen US-Amerikaner*innen&#8220; enth\u00e4lt, dem sollte man sein eigenes Verdikt entgegenschleudern; &#8222;Kotzw\u00fcrg!&#8220; Einen Chefredakteur, der sich der jungen, unbedarften Mitarbeiter annimmt und ihnen wenigstens die Grundbegriffe des Journalismus beibringt, scheint es in Online-Medien kaum mehr zu geben.   <\/p>\n\n\n\n<p>Nur noch ein Wort zum wieder beliebt gewordenen Begriff &#8222;Sexualobjekt&#8220;. Wer in meinem Alter ist, hat diesen Begriff, der immer mit betont vorwurfsvoller Miene und streng tadelnd verwendet wird, schon vor einem halben Jahrhundert kennengelernt. Jetzt wird er also wieder aufgew\u00e4rmt. Dabei ist die Sache doch relativ einfach, und man braucht dazu keine Ideologie und auch keinen journalistischen Beistand. Die Frau wird zum Sexualobjekt des Mannes, und der Mann wird zum Sexualobjekt der Frau. Genau das nennt man: Sexualit\u00e4t. Zwei Subjekte werden f\u00fcr einander zum Objekt &#8211; kann es etwas Sch\u00f6neres, Aufregenderes, Spannenderes geben im Leben? <\/p>\n\n\n\n<p>Wer freilich am liebsten in lauter Opferseligkeit versinkt, der m\u00f6chte von so einem nat\u00fcrlichen Gl\u00fcck nichts mehr wissen und sucht selbst in einer Comic-Serie verzweifelt nach Traumata, Mi\u00dfbrauch und &#8222;sexistischen&#8220; Narrativen. Und nat\u00fcrlich nach Schauspielern, die eines auf keinen Fall sein d\u00fcrfen: d\u00fcnn, wei\u00df und privilegiert. Ideal w\u00e4ren dann also dicke Farbige aus der Unterschicht? Schwul oder trans k\u00f6nnte auch nicht schaden. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon ein bi\u00dfchen armselig, oder? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt S\u00e4tze, an denen auf den ersten Blick nichts Besonderes ist. Sie besch\u00e4ftigen sich, sagen wir, mit einer Fernsehsendung oder einer Preisverleihung, und es geht bei ihnen nun wirklich nicht um die wichtigen Dinge des Lebens. 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