{"id":20674,"date":"2021-01-22T11:52:13","date_gmt":"2021-01-22T10:52:13","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20674"},"modified":"2021-01-22T11:55:12","modified_gmt":"2021-01-22T10:55:12","slug":"fundstuecke-aus-einem-alten-duden-1-abprotzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20674","title":{"rendered":"Fundst\u00fccke aus einem alten Duden (1): &#8222;abprotzen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left\"><em>An dieser Stelle will ich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von W\u00f6rtern erz\u00e4hlen, wie man sie nur in alten B\u00fcchern findet &#8211; in diesem Fall in einer Ausgabe von Dudens &#8222;Orthographischem W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache&#8220; (8. Auflage 1908).  <\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210118_1751502.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210118_1751502-1024x315.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20683\" width=\"312\" height=\"96\" srcset=\"http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210118_1751502-1024x315.jpg 1024w, http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210118_1751502-300x92.jpg 300w, http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210118_1751502-768x236.jpg 768w, http:\/\/antibarbarus.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20210118_1751502.jpg 1450w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">&#8222;Protzen&#8220; ist ein Wort, das jeder kennt: es bedeutet laut Duden soviel wie <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>in der Absicht, Neid oder Bewunderung zu erwecken, eigene [vermeintliche] Vorz\u00fcge oder Vorteile in prahlerischer Weise zur Geltung bringen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>&#8222;Prahlen&#8220; h\u00e4tte als Erkl\u00e4rung auch gen\u00fcgt, aber der Duden neigt hin und wieder zu einer gewissen Umst\u00e4ndlichkeit beim Definieren.  <\/p>\n\n\n\n<p>Aber &#8211; was um alles in der Welt bedeutet dann &#8222;abprotzen&#8220;? Das Protzen geh\u00f6rt ja zu den beliebten Ausdrucksmitteln von Menschen, die es f\u00fcr n\u00f6tig halten, ihr Licht (ihr <em>vermeintliches <\/em>Licht, w\u00fcrde der Duden da zurecht einschr\u00e4nken!) nicht unter den Scheffel zu stellen. Das Gute zu tun, ohne alle Welt lautstark darauf aufmerksam zu machen &#8211; das geht bei Menschen, die man heute als <em>Protzende <\/em>bezeichnen w\u00fcrde, gar nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Bischof (so mancher wird sich an ihn erinnern), der wollte mit dem Geld seiner Sch\u00e4flein sein Haus mit gar edlen und kostbaren Dingen ausstatten, darum nannte man ihn \u00fcberall im Land den <em>Protzbischof<\/em>. K\u00f6nnte es nicht sein, da\u00df man ihn damals mit dem energischen Zuruf &#8222;du protzest jetzt gef\u00e4lligst ab!&#8220; zur Vernunft h\u00e4tte bringen k\u00f6nnen?  <\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00e4re zu sch\u00f6n gewesen. Aber ob der Bischof, der jetzt in Rom sein Auskommen hat und bester Laune ist, tats\u00e4chlich abgeprotzt h\u00e4tte? Eher unwahrscheinlich. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt wollen wir das Geheimnis aber l\u00fcften. Das Wort &#8222;abprotzen&#8220; hat n\u00e4mlich mit Angeberei und \u00e4hnlichen Charakterfehlern rein gar nichts zu tun. Es geht auf das alte Wort &#8222;Protze&#8220; (ital. birazzo) zur\u00fcck, und noch \u00e4lter ist das Wort &#8222;Protzwagen&#8220;. Beides beschreibt nach dem Grimmschen W\u00f6rterbuch den &#8222;vorderwagen der gesch\u00fctze&#8220;. Ein Gesch\u00fctz ist n\u00e4mlich auf einem fahrbaren Gestell mit einer Achse und zwei R\u00e4dern befestigt, der Lafette. Damit man nun das Gesch\u00fctz  bequem transportieren kann, verbindet man die Lafette mit einem ebenfalls zweir\u00e4drigen &#8222;Vorderwagen&#8220;, eben der Protze. So entsteht ein vierr\u00e4driges Gef\u00e4hrt, das von Pferden gezogen werden kann. Auf der Protze kann sogar (Bild unten) ein Kutschbock befestigt sein. Wenn das Gesch\u00fctz zum Einsatz kommen soll, trennt man es von von der Protze, es wird dann, wie man sagt, &#8222;abgeprotzt&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>So, jetzt wissen Sie, was eine Protze ist, und wenn sich die Gelegenheit ergibt, k\u00f6nnen Sie mit diesem neuen Wissen &#8211; protzen!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/3\/39\/Altes_schweizerisches_Feldgesch%C3%BCtz_-_CH-BAR_-_3241540.tif\/lossy-page1-1280px-Altes_schweizerisches_Feldgesch%C3%BCtz_-_CH-BAR_-_3241540.tif.jpg\" alt=\"\" width=\"510\" height=\"355\"\/><figcaption>Protze mit Kutschbock (links) und Feldgesch\u00fctz auf Lafette (rechts) &#8211; Wikipedia<\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dieser Stelle will ich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von W\u00f6rtern erz\u00e4hlen, wie man sie nur in alten B\u00fcchern findet &#8211; in diesem Fall in einer Ausgabe von Dudens &#8222;Orthographischem W\u00f6rterbuch der deutschen Sprache&#8220; (8. 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