{"id":20624,"date":"2021-01-04T14:14:27","date_gmt":"2021-01-04T13:14:27","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20624"},"modified":"2021-01-06T14:52:39","modified_gmt":"2021-01-06T13:52:39","slug":"lesbische-sichtbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20624","title":{"rendered":"Lesbische Sichtbarkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Man hat in siebzig Lebensjahren ja schon viel erlebt, aber da\u00df vom Land Hessen, also von Amts wegen, ein mit 10.000 Euro dotierter &#8222;Preis f\u00fcr lesbische Sichtbarkeit&#8220; ausgelobt wird, zeigt mir, da\u00df das Leben immer noch f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal ist man im \u00fcbrigen froh, da\u00df man \u00fcber eine Nachricht hinweggelesen hat, so auch hier, denn die \u00dcbergabe des Preises &#8222;im Rahmen eines feierlichen Festakts&#8220; an die Sozialp\u00e4dagogin Veronica King fand schon im Oktober statt &#8211; und ist spurlos an mir vor\u00fcbergegangen. Der Hessische Minister f\u00fcr Soziales und Integration, Kai Klose (Die Gr\u00fcnen), hat es sich nat\u00fcrlich nicht nehmen lassen, den Preis pers\u00f6nlich zu \u00fcberreichen. Eine &#8222;sehr w\u00fcrdige Preistr\u00e4gerin&#8220; sei Veronica King, sie sei<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>als schwarze lesbische Frau erkennbar, teile ihre Erfahrungen und arbeite mit viel Energie daran, Strukturen zu \u00f6ffnen und weiterzuentwickeln.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Den lesbischen Aktivismus verkn\u00fcpft sie dabei gekonnt mit Antirassismus- und Bildungsarbeit.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nun mu\u00df man zwei Dinge voneinander trennen. Die <em>Diskriminierung <\/em>von Homosexuellen ist in einer liberalen Demokratie (und die liegt mir sehr am Herzen!) unannehmbar, sie verst\u00f6\u00dft nicht nur gegen unsere Verfassung, sie mu\u00df auch in der Gesellschaft, also im gew\u00f6hnlichen Alltag, bek\u00e4mpft werden. Das ist freilich weithin schon erreicht, wenn man von ein paar sehr l\u00e4ndlichen und sehr frommen Gegenden absieht.  <\/p>\n\n\n\n<p>Etwas anderes ist die \u00dcberschwemmung der ganzen Gesellschaft mit Lobpreisungen eines spezifisch schwulen oder lesbischen Lebensstils, den viele (wenn nicht die meisten!) homosexuellen Menschen gar nicht teilen. Mit der jeweiligen sexuellen Orientierung ist man auf die Welt gekommen, es ist also keine Leistung, und wenn man hin und wieder liest, jemand sei stolz, schwul zu sein, dann ist das v\u00f6llig absurd, denn stolz kann man nur auf etwas sein, das man durch eigene Leistung erreicht hat. Die sexuelle Orientierung geh\u00f6rt gewi\u00df nicht dazu &#8211; sie ist einfach gegeben. Und was die <em>Sichtbarkeit <\/em>in der medialen \u00d6ffentlichkeit angeht, so sind Schwule und Lesben dort inzwischen wirklich nicht mehr unter-, sondern im Verh\u00e4ltnis zu ihrer Zahl \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Wer Fernsehkrimis schaut, wei\u00df, da\u00df praktisch kein einziger Film mehr ohne Schwule, Lesben oder Transen auskommt. Drehb\u00fccher ohne Rollen aus dem LGBT-Milieu werden vermutlich gar nicht mehr angenommen. Das gilt auch f\u00fcr Farbige: mu\u00df ein Kommissar oder ein Staatsanwalt ersetzt werden, dann ist die Rollenbeschreibung <em>Frau\/jung\/farbig<\/em> ideal, w\u00e4hrend <em>Mann\/alt\/wei\u00df<\/em> g\u00e4nzlich chancenlos ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier hat ein ideologisch begr\u00fcndeter Proporz- und &#8222;Gerechtigkeits&#8220;-Fanatismus eingesetzt, \u00fcber den man nur den Kopf sch\u00fctteln kann. Er betrifft ja nicht nur die Homosexualit\u00e4t. Nehmen wir die Veganer, die (im Unterschied zu den Vegetariern!) eine verschwindend kleine Minderheit bilden, aber in den Medien mit einer Ehrfurcht behandelt werden, als handele es sich bei ihnen um Vertreter der heiligsten und moralischsten aller denkbaren Lebensformen. Fast niemand, der auf Stra\u00dfenumfragen interviewt wird, traut sich noch, etwas gegen sie zu sagen. Oder die (Sprach-) Feministinnen: auch sie eine kleine Minderheit, die es aber geschafft hat, ihren unheilvollen Einflu\u00df auf die deutsche Sprache weit in die Medien und in die Gesellschaft hineinzutragen. Obwohl diese Minderheiten, jede f\u00fcr sich, sehr unterschiedliche Ziele haben, ist ihnen strukturell eines gemeinsam: sie begn\u00fcgen sich nicht damit, ihre selbstverst\u00e4ndlichen Rechte wahrzunehmen, sie wollen mit ihren Themen und Zielen der Mehrheitsgesellschaft &#8211; und ich gebrauche dieses Wort sehr bewu\u00dft &#8211; <em>die Show stehlen<\/em>. Ihr (nicht nur medialer) Herrschaftsanspruch geht weit \u00fcber die eigene Klientel hinaus. Deshalb werden Vertreter der Mehrheit oft herablassend behandelt. Die oft unfl\u00e4tige Beschimpfung der &#8222;Fleischfresser&#8220; durch rabiate Veganer (man besuche ein beliebiges Internetforum!) ist ein trauriges Beispiel daf\u00fcr. Und Veronica King etwa, die oben genannte Preistr\u00e4gerin, \u00fcbernimmt kritiklos den feministischen Begriff der &#8222;Heteronormativit\u00e4t&#8220;, der in der (politisch immer einseitigeren) Wikipedia so definiert wird:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Heteronormativit\u00e4t bezeichnet eine Weltanschauung, welche die Heterosexualit\u00e4t als soziale Norm postuliert. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Falsch: Heterosexualit\u00e4t wird nicht als soziale Norm <em>postuliert<\/em>, sie <em>ist<\/em> die biologische und soziale Norm. Wenn je nach Definition an die 90% der Menschen heterosexuell sind, dann ist das ja wohl die Norm. Da helfen keine Sophismen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Zugrunde liegt eine bin\u00e4re Geschlechterordnung &#8230; Das heteronormative Geschlechtermodell geht von einer dualen Einteilung in Mann und Frau aus, wobei es als selbstverst\u00e4ndlich angesehen wird, dass eine heterosexuelle Entwicklung vorgesehen ist und damit der \u201enormalen\u201c Verhaltensweise entspricht. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wieder falsch: nicht die <em>Anschauung <\/em>von der Welt ist bin\u00e4r oder dual, sondern <em>die Welt selbst<\/em>. Wer die &#8222;Einteilung in Mann und Frau&#8220; nicht der Natur, sondern einem &#8222;Geschlechtermodell&#8220; zuschreibt, h\u00e4ngt einer pseudowissenschaftlichen Ideologie nach, die sich nur deshalb an den Universit\u00e4ten hat ausbreiten k\u00f6nnen, weil sie auf allen Ebenen politisch vom linken und gr\u00fcnen Lager unterst\u00fctzt und mit Professuren \u00fcberh\u00e4uft wird. Eine wirklich freie Diskussion dar\u00fcber ist kaum mehr m\u00f6glich, weil man sich Andersdenkende vom Leibe h\u00e4lt (d.h. von Diskussionen ausl\u00e4dt oder einfach nicht zu Wort kommen l\u00e4\u00dft). <\/p>\n\n\n\n<p>Der Vergleich mit den rabiaten marxistischen Studenten der 68er-Bewegung ist daher mehr als gerechtfertigt. Die feministischen Frauennetzwerke sind freilich viel besser organisiert, und sie haben es, anders als die vergleichsweise plump agierenden (und agitierenden) Studenten damals,  geschafft, tief in die Medien einzudringen, die ihre pseudowissenschaftlichen Begriffe fast kritiklos \u00fcbernehmen und sich den feministischen Sprachvorschriften beugen. <\/p>\n\n\n\n<p>PS:  Gerade lese ich auf einer Genderseite von der im Alltag leider immer noch verbreiteten  <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Annahme, es g\u00e4be zwei gegens\u00e4tzliche Geschlechter und diese seien sexuell aufeinander bezogen. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Zwei gegens\u00e4tzliche Geschlechter? Und die auch noch sexuell aufeinander bezogen? Ja, wer glaubt denn noch an so etwas! <\/p>\n\n\n\n<p> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man hat in siebzig Lebensjahren ja schon viel erlebt, aber da\u00df vom Land Hessen, also von Amts wegen, ein mit 10.000 Euro dotierter &#8222;Preis f\u00fcr lesbische Sichtbarkeit&#8220; ausgelobt wird, zeigt mir, da\u00df das Leben immer noch f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut &hellip; <a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20624\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,11,14,12,9],"tags":[],"class_list":["post-20624","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-grune-bewegung","category-fernsehen","category-internet","category-politik","category-die-deutsche-sprache"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20624","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20624"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20624\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20636,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20624\/revisions\/20636"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20624"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20624"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20624"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}