{"id":20268,"date":"2020-10-03T12:17:32","date_gmt":"2020-10-03T10:17:32","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20268"},"modified":"2020-10-03T12:17:32","modified_gmt":"2020-10-03T10:17:32","slug":"ein-brief-von-frauen-an-den-sehr-geehrten-papst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20268","title":{"rendered":"Ein Brief von Frauen an den &#8222;sehr geehrten Papst&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Sprachfeminismus schie\u00dft sich auf immer neue Ziele ein. Eines der d\u00fcstersten Kapitel war schon vor vielen Jahren die &#8222;Bibel in gerechter Sprache&#8220;, die mit gr\u00f6\u00dfter Unverfrorenheit den alten Text in das Prokrustesbett des Feminismus zwang  (&#8222;J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger&#8220;) und gar noch daf\u00fcr sorgte, da\u00df die linke Philosophie der Gegenwart r\u00fcckwirkend Eingang in die Bibel fand: die &#8222;Unterdr\u00fcckungsbedingungen&#8220; und &#8222;Gewaltstrukturen&#8220; des R\u00f6mischen Reiches, die in den bisherigen \u00dcbersetzungen immer verharmlost worden seien, sollten nun klar herausgearbeitet werden. Das Ganze ist eine grandiose Textverf\u00e4lschung, in der die Ideologien des 21. Jahrhunderts den biblischen B\u00fcchern einfach \u00fcbergest\u00fclpt wurden.   <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt versuchen auch katholische Frauenverb\u00e4nde, ihrer Kirche den feministischen Ungeist aufzuzwingen. Am Sonntag wird Papst Franziskus den Text seiner neuen Enzyklika ver\u00f6ffentlichen, die nach alter Tradition mit ihren beiden ersten W\u00f6rtern zitiert wird. &#8222;Fratelli tutti&#8220; soll sie hei\u00dfen, auf deutsch &#8222;alle Br\u00fcder&#8220;. Aber wo sind die Schwestern? Es ist ein Zitat von Franz von Assisi, und sofort regt sich der Widerstand der Feministinnen, genauer: des <em>Catholic Women&#8217;s Council<\/em>. Dieses Netzwerk wurde, wie man <a href=\"https:\/\/www.katholisch.de\/artikel\/27041-katholikinnen-netzwerk-schreibt-papst-titel-fratelli-tutti-aendern\">hier<\/a> nachlesen kann,<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>im November 2019 von katholischen Frauen im deutschsprachigen Raum gegr\u00fcndet. Das Netzwerk will Reformen in der Kirche voranbringen und setzt sich&nbsp;f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern ein. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Warum die &#8222;Frauen aus dem deutschsprachigen Raum&#8220; sich so einen Namen gegeben haben, lassen wir einmal beiseite. Sie haben jetzt dem Papst einen Brief geschrieben, in dem sie ihn dr\u00e4ngen, den Namen der Enzyklika zu \u00e4ndern. Dieser Titel, schreiben sie an den &#8222;sehr geehrten Papst&#8220;, stelle<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>ein Problem f\u00fcr viele dar, die ansonsten begeistert von der Enzyklika sind und bereit w\u00e4ren, mit Ihnen an einer dauerhaften sozialen, spirituellen und nachhaltigen Ver\u00e4nderung zu arbeiten.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Seltsam! Da sind also Menschen begeistert von einer Enzyklika, die sie noch gar nicht gelesen haben. Wie geht das? Aber die Enzyklika, das merkt man schnell, ist ihnen herzlich gleichg\u00fcltig, es geht ihnen nur um die feministische Herrschaft \u00fcber die Sprache. Da schrecken die unfrommen Katholikinnen nicht einmal davor zur\u00fcck, den Papst &#8211; nachdem sie ihm ordentlich Honig ums Maul geschmiert haben &#8211; zu einer Umformulierung seiner Enzyklika zu dr\u00e4ngen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Im Sinne des Evangeliums und der von Jesus Christus gelebten Gerechtigkeit, w\u00e4re es ein kraftvolles Zeichen von Ihnen, wenn Sie diese \u00c4nderung vornehmen w\u00fcrden. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Eine wachsende Zahl von Katholikinnen und Katholiken sei<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;besorgt wegen des Titels f\u00fcr die Enzyklika&#8220;. Es sei zwar bekannt, dass der Titel ein Zitat des Heiligen Franziskus\u00a0sei und alle Menschen damit gemeint seien. &#8222;Trotzdem wird das m\u00e4nnliche Substantiv viele vor den Kopf sto\u00dfen&#8220;,\u00a0hei\u00dft es\u00a0weiter.\u00a0&#8222;In einer Zeit, in der das Bewusstsein f\u00fcr die Macht von Sprache w\u00e4chst, akzeptieren viele Frauen die Begr\u00fcndung nicht mehr, dass die m\u00e4nnliche Form\u00a0&#8218;Fratelli&#8216;\u00a0verallgemeinernd sei und sie mitgemeint seien.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich bin sicher, da\u00df sich &#8222;die Macht von Sprache&#8220; am Ende auch gegen die sp\u00e4tfeministischen Sprachzerst\u00f6rer durchsetzen wird, aber offenbar ist der Tiefpunkt noch nicht erreicht. Wenn etwa in den USA die gro\u00dfen Werke der Weltliteratur zensiert, verst\u00fcmmelt oder gleicht in den Giftschrank verbannt werden, weil in ihnen unliebsame W\u00f6rter (wie &#8222;Nigger&#8220; in Mark Twains <em>Huckleberry Finn<\/em>) auftauchen, dann darf man sich nicht wundern, da\u00df sich auch in Deutschland Fundamentalistinnen das Recht anma\u00dfen, das Werk des heiligen Franz von Assisi zu zensieren, weil ein &#8222;m\u00e4nnliches Substantiv&#8220; sie vor den Kopf st\u00f6\u00dft. Ein literarischer Text, das sollte man diesen Damen einmal sagen, hat etwas Sakrosanktes, Heiliges. Niemand mu\u00df ihn m\u00f6gen, man darf ihn sogar abscheulich finden, und es wird ja auch niemand gezwungen, ihn \u00fcberhaupt zu lesen. Aber niemand &#8211; ich wiederhole: NIEMAND! &#8211; hat das Recht, einen Text nachtr\u00e4glich zu \u00e4ndern, weil ihm eine Stelle nicht in den (ideologischen) Kram pa\u00dft. Generationen von Philologen arbeiten seit mindestens zwei Jahrhunderten mit akribischer Sorgfalt und kriminalistischem Sp\u00fcrsinn an solchen Werken, um Wort f\u00fcr Wort, Buchstabe um Buchstabe daraufhin zu untersuchen, ob sie vom Autor stammen oder nachtr\u00e4glich ver\u00e4ndert wurden. Sie machen das aus Respekt vor dem literarischen Text, der f\u00fcr sie (und f\u00fcr jeden gebildeten Menschen) sakrosankt ist. Wo k\u00e4men wir hin, wenn Hinz und Kunz ihn ver\u00e4ndern d\u00fcrften? <\/p>\n\n\n\n<p>Genau das haben aber die (frommen?) Aktivistinnen vom &#8222;Council&#8220; im Sinn. Sie wollen einen alten Text aus niedrigen (n\u00e4mlich politisch-ideologischen) Beweggr\u00fcnden verf\u00e4lschen und sogar den Papst zu ihrem Komplizen machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Unterschrieben ist der Offene Brief \u00fcbrigens unter anderem von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), dem Katholischen Deutschen Frauenbund\u00a0(KDFB)\u00a0und &#8222;Maria 2.0&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria 2.0? Da mu\u00df ich gestehen, da\u00df mir Jesus 1.0 mehr am Herzen liegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sprachfeminismus schie\u00dft sich auf immer neue Ziele ein. Eines der d\u00fcstersten Kapitel war schon vor vielen Jahren die &#8222;Bibel in gerechter Sprache&#8220;, die mit gr\u00f6\u00dfter Unverfrorenheit den alten Text in das Prokrustesbett des Feminismus zwang (&#8222;J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger&#8220;) und &hellip; <a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20268\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,9],"tags":[],"class_list":["post-20268","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-christentum","category-die-deutsche-sprache"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20268"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20278,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20268\/revisions\/20278"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}