{"id":20017,"date":"2020-07-28T12:03:26","date_gmt":"2020-07-28T10:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20017"},"modified":"2020-07-28T12:03:26","modified_gmt":"2020-07-28T10:03:26","slug":"auch-nach-vier-jahrzehnten-noch-immer-hoechst-lesenswert-horst-sterns-buch-rettet-den-wald","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=20017","title":{"rendered":"Auch nach vier Jahrzehnten noch immer h\u00f6chst lesenswert: Horst Sterns Buch &#8222;Rettet den Wald&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Dem Wald geht es nicht gut. Das hat mehrere Gr\u00fcnde: den Klimawandel, die Trockenheit, aber eben auch die Zusammensetzung der Baumarten. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4ltere Menschen werden sich vielleicht noch an ein Buch erinnern, das im Jahr 1979 f\u00fcr Furore gesorgt hat: &#8222;Rettet den Wald&#8220; von Horst Stern. Es wurde ein Bestseller, 1984 erschien schon die 6. Auflage. Damals war der Wald vor allem durch den &#8222;sauren Regen&#8220; gef\u00e4hrdet, das Wort vom drohenden &#8222;Waldsterben&#8220; machte die Runde. Horst Stern und seine Mitautoren (Koryph\u00e4en wie Peter Burschel, Hans Bibelriether oder Richard Plochmann) lieferten aber viel mehr als nur einen aktuellen Schadensbericht &#8211; der w\u00e4re heute auch nicht mehr aktuell, weil (nicht zuletzt durch dieses Buch!) die Schadstoffemissionen der Industrie in den Jahren danach immer mehr reduziert wurden. Nein, Sterns Buch ist eine gro\u00dfe <em>tour d&#8217;horizont<\/em> \u00fcber den mitteleurop\u00e4ischen Wald, seine Biologie, seine Geschichte, und sie ist voller interessanter Details. Das meiste, was ich \u00fcber den Wald gelernt habe, stammt aus diesem Buch: Plenterwirtschaft und R\u00fcckepferde, Kahlhieb, das Bodenleben, Stangenholz, Durchforstung und vieles, vieles mehr. Vor allem aber ist das Buch ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Mischwald und gegen die Monokulturen aus Fichten, die damals (und zum Teil auch heute noch) gro\u00dfe Fl\u00e4chen unseres Landes bedeckten.   <\/p>\n\n\n\n<p>Wie ich jetzt nach so langer Zeit auf Horst Sterns Buch gekommen bin? In einem F.A.Z.-Artikel \u00fcber den schlimmen Zustand des Frankfurter Stadtwalds wird ein F\u00f6rster mit dem Satz zitiert, &#8222;gemischte W\u00e4lder&#8220; halte er f\u00fcr die beste Strategie, um mit dem Klimawandel fertigzuwerden. Was f\u00fcr eine revolution\u00e4re Idee! \u00dcber die Gefahr durch Monokulturen (nicht nur in der Forst-, sondern auch in der Landwirtschaft!) hat man seit den 70er Jahren \u00fcberall im Land diskutiert, und die Forstverwaltungen haben damals allesamt zumindest den Eindruck erweckt, da\u00df sie ihre Lektion gelernt h\u00e4tten. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber offenbar geh\u00f6rt es zu den kulturell schwierigsten Dingen \u00fcberhaupt, die Erfahrungen einer Generation an die n\u00e4chste weiterzugeben. Tr\u00e4gkeit und Bequemlichkeit (&#8222;das haben wir schon immer so gemacht!&#8220;) tragen meistens den Sieg davon. Geradezu ein Musterbeispiel daf\u00fcr sind die Gr\u00fcnen. Ihre Geburtsstunde war der Kampf gegen die Monokulturen in der Landwirtschaft &#8211; und heute preisen sie die Raps- und Maismonokulturen, die immer gr\u00f6\u00dfere landwirtschaftliche Fl\u00e4chen verschlingen und den Boden auf lange Zeit unfruchtbar machen, als &#8222;nachwachsende Rohstoffe&#8220;. Vielfalt interessiert sie nur noch bei den sexuellen Orientierungen, nicht in der Natur. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit der langfristigen Lernf\u00e4higkeit des Menschen scheint es nicht weit her zu sein. Das sollte man, wenn es ums Menschenbild geht, immer im Auge behalten. <\/p>\n\n\n\n<p>PS:  Sterns Buch &#8222;Rettet den Wald&#8220; bekommt man antiquarisch &#8211; gut erhalten &#8211; schon f\u00fcr 50 Cent. Der Kauf lohnt sich! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem Wald geht es nicht gut. 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