{"id":19482,"date":"2020-04-11T23:57:17","date_gmt":"2020-04-11T21:57:17","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=19482"},"modified":"2020-04-11T23:57:17","modified_gmt":"2020-04-11T21:57:17","slug":"waechst-das-rettende-auch-ein-wort-zu-hoelderlin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=19482","title":{"rendered":"&#8222;W\u00e4chst das Rettende auch&#8220; &#8211; Ein Wort zu H\u00f6lderlin"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor ein paar Tagen wurde in allen Feuilletons H\u00f6lderlins 250. Geburtstag gefeiert. Und es ist seltsam: fast alle Kritiker beginnen ihre Artikel, bevor sie ihr Lob verteilen, mit der Warnung, da\u00df H\u00f6lderlins Lyrik doch ganz unzeitgem\u00e4\u00df sei, die Sprache zu dunkel und zu hymnisch, das Pathos heutzutage kaum ertr\u00e4glich. <\/p>\n\n\n\n<p>Stimmt das wirklich? <\/p>\n\n\n\n<p>Im Grunde kritisieren sie damit ja nicht nur H\u00f6lderlin , sondern jede Lyrik, die \u00fcber banales und seichtes Gereime hinausgeht. Lyrik ist zweifellos die schwierigste literarische Gattung. Wenn man sie selbst bei fl\u00fcchtigem Lesen versteht, dann handelt es sich &#8211; mit Verlaub &#8211; um schlechte Lyrik. Ein lyrisches Gedicht kann man nicht &#8222;lesen&#8220;, so wie man die S\u00e4tze eines Romans herunterliest. Es ist ein sprachliches Geflecht aus W\u00f6rtern, Bildern und &#8222;Augenblicken&#8220;, das eben nicht, wie die Prosa, von der Linearit\u00e4t, von einem zeitlichen Nacheinander lebt (&#8222;erst geschah dieses, danach jenes, dann ein drittes&#8220;), es ist vielmehr ein Geflecht, ein Netzwerk, in dem alles gleichzeitig ist und jedes Wort, jede Zeile sich auf alle anderen bezieht. Lyrik bedarf deshalb eines konzentrierten Lesers, der geistige Anstrengung und die M\u00fche des Nachdenkens und R\u00e4tselns nicht scheut &#8211; das mag einer der Gr\u00fcnde sein, weshalb sie in einer Zeit der sprachlichen Regression und Infantilisierung nur noch wenige Liebhaber hat. <\/p>\n\n\n\n<p>In diesen Tagen, in denen wir alle das Rettende in der Gefahr gut gebrauchen k\u00f6nnen, mag ein kleiner Auszug aus H\u00f6lderlins Gedicht &#8222;Patmos&#8220; Trost spenden:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>     Nah ist<br>     Und schwer zu fassen der Gott.<br>     Wo aber Gefahr ist, w\u00e4chst<br>     Das Rettende auch.<br>     Im Finstern wohnen<br>     Die Adler und furchtlos gehn<br>     Die S\u00f6hne der Alpen \u00fcber den Abgrund weg<br>     Auf leichtgebaueten Br\u00fccken.<br>     Drum, da geh\u00e4uft sind rings<br>     Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten<br>     Nah wohnen, ermattend auf<br>     Getrenntesten Bergen,<br>     So gib unschuldig Wasser,<br>     O Fittige gib uns, treuesten Sinns<br>     Hin\u00fcberzugehn und wiederzukehren.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Tagen wurde in allen Feuilletons H\u00f6lderlins 250. Geburtstag gefeiert. Und es ist seltsam: fast alle Kritiker beginnen ihre Artikel, bevor sie ihr Lob verteilen, mit der Warnung, da\u00df H\u00f6lderlins Lyrik doch ganz unzeitgem\u00e4\u00df sei, die Sprache zu &hellip; <a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=19482\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-19482","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-deutsche-sprache"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19482","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19482"}],"version-history":[{"count":14,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19482\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19554,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19482\/revisions\/19554"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}