{"id":19249,"date":"2020-01-29T12:41:08","date_gmt":"2020-01-29T11:41:08","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=19249"},"modified":"2020-01-29T13:30:36","modified_gmt":"2020-01-29T12:30:36","slug":"die-armen-kinder-von-erfurt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=19249","title":{"rendered":"Die armen Kinder von Erfurt"},"content":{"rendered":"\n<p>In den USA ist die f\u00fcrsorgliche Zensur des gesamten Alltags schon weit fortgeschritten, da wird von den Kindern alles ferngehalten, was die (vermeintlich) zarten, verletzlichen Seelen verst\u00f6ren k\u00f6nnte. B\u00fccher werden zensiert oder aus den Schulbibliotheken entfernt, wenn sie irgendetwas enthalten, was den selbsternannten Tugendw\u00e4chtern nicht behagt. Viele W\u00f6rter sind an den Schulen und Universit\u00e4ten im <em>land of the free<\/em> mittlerweile mit einem Tabu belegt. Lehrer oder Professoren, die dagegen versto\u00dfen, m\u00fcssen mit Disziplinarma\u00dfnahmen rechnen, die nicht selten zu ihrer Entlassung f\u00fchren. Die Freiheit von Forschung und Lehre wird inzwischen sogar von amerikanischen Studenten selbst in Frage gestellt, weil der Schutz ihrer Verletzlichkeit &#8211; <em>vulnerability<\/em> &#8211; vor Diskriminierung wichtiger sei als jede Freiheit. Erwachsene, intelligente Menschen im Alter von 25 oder 30 Jahren werden einer Infantilisierung unterworfen, die sie wieder zu kleinen Kindern macht, die des st\u00e4ndigen Schutzes durch die Universit\u00e4tsleitung bed\u00fcrfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem beunruhigenden Ph\u00e4nomen gibt es im angels\u00e4chsischen Sprachraum inzwischen eine F\u00fclle von Literatur. Die meisten B\u00fccher sind leider nur in englischer Sprache verf\u00fcgbar. Dazu z\u00e4hlt auch der Band &#8222;What&#8217;s Happened to the University?&#8220; (2016) von Frank Furedi, den ich nur jedem als Einstieg empfehlen kann. Furedi, der als kleiner Junge mit seinen Eltern nach der brutalen Niederschlagung des Ungarnaufstands 1956 nach Kanada geflohen ist und es in England zum Professor f\u00fcr Soziologie an der University of Kent gebracht hat, analysiert den Zustand an den amerikanischen Universit\u00e4ten in einem klaren, unverschwurbelten Englisch, das man auch dann mit Gewinn lesen kann, wenn man die Sprache nicht perfekt beherrscht. Ich werde, wenn ich dazu komme, in den n\u00e4chsten Wochen an dieser Stelle einiges aus seinem Buch zitieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was hat das jetzt mit den armen Kindern von Erfurt zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Furedi berichtet auch von der gro\u00dfen Auseinandersetzung an der Yale University \u00fcber politisch korrekte Verkleidungen an Halloween, die 2015 nicht nur Yale ersch\u00fctterte. Ein C<em>ommittee on cultural affairs<\/em> der Universit\u00e4t hatte damals die Studenten angehalten, nur &#8222;kultursensible Kost\u00fcmierungen&#8220; zu tragen. Der Widerspruch gegen diese absurde G\u00e4ngelung und die Einteilung in &#8222;recommended and non-recommended costumes&#8220; hatte damals f\u00fcr landesweites Aufsehen gesorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>In Erfurt hat jetzt die Kita &#8222;Campus-Kinderland&#8220; des &#8222;Studierendenwerks&#8220; den Versuch gemacht, \u00e4hnlich wie in Yale und mit \u00e4hnlichem Vokabular nur noch politisch korrekte Verkleidungen zu erlauben. In einer Verlautbarung der Kitaleitung hei\u00dft es:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Mit der Kost\u00fcmierung der Kinder wird in den Einrichtungen des Studierendenwerks generell sehr bewusst und kultursensibel umgegangen. Dies ist einer der Bausteine des p\u00e4dagogischen Konzepts, mit dem Stereotype vermieden werden sollen. Es wird Wert daraufgelegt, keine Bev\u00f6lkerungsgruppen zu beleidigen oder Kindern falsche Bilder zu vermitteln. Zudem kann eine Kost\u00fcmierung Angst und \u00dcberforderung bei den Kindern ausl\u00f6sen. Vor allem f\u00fcr Kleinkinder ist es befremdlich, wenn sie ihr Gegen\u00fcber nicht mehr erkennen k\u00f6nnen. Anhand des Verhaltens ist au\u00dferdem oft zu erkennen, dass sich Kinder in ihren Kost\u00fcmen unwohl f\u00fchlen.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bravo! Endlich werden einmal die vielen Kinder ins rechte Licht ger\u00fcckt, die bis heute unter Angstzust\u00e4nden leiden, weil sie damals ihre verkleideten Gegen\u00fcber nicht mehr erkannt haben. Manche sind auch heute noch traumatisiert, so wenig kultursensibel sind die Erzieherinnen mit ihnen umgegangen!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ein Trostpflaster f\u00fcr die abgesagten Faschingsfeiern hat das &#8222;Studierendenwerk&#8220;: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Insgesamt haben die Kinder aber nat\u00fcrlich das ganze Jahr \u00fcber die M\u00f6glichkeit, sich zu verkleiden. Ihnen werden daf\u00fcr auch Verkleidungsutensilien zur Verf\u00fcgung gestellt, die im Voraus von dem p\u00e4dagogischen Fachpersonal bewusst ausgew\u00e4hlt werden.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich h\u00e4tte da ein paar Vorschl\u00e4ge f\u00fcr das p\u00e4dagogische Fachpersonal. Man k\u00f6nnte, um die vorhandenen Stereotype kultursensibel aufzubrechen, den kleinen Jungs weibliche, den kleinen M\u00e4dchen m\u00e4nnliche Verkleidungsutensilien zur Verf\u00fcgung stellen. Auch queer- und transm\u00e4\u00dfige Kleidung w\u00e4re sicher geeignet, das \u00fcberholte Stereotyp von den zwei biologischen Geschlechtern schon in den Kinderhirnen zu bek\u00e4mpfen.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den USA ist die f\u00fcrsorgliche Zensur des gesamten Alltags schon weit fortgeschritten, da wird von den Kindern alles ferngehalten, was die (vermeintlich) zarten, verletzlichen Seelen verst\u00f6ren k\u00f6nnte. 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