{"id":19104,"date":"2020-01-19T14:05:36","date_gmt":"2020-01-19T13:05:36","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=19104"},"modified":"2020-01-19T14:05:36","modified_gmt":"2020-01-19T13:05:36","slug":"ein-kirchenneubau-in-neuperlach-von-architektenlyrik-umnebelt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=19104","title":{"rendered":"Ein Kirchenneubau in Neuperlach, von Architektenlyrik umnebelt"},"content":{"rendered":"\n<p>Unsere modernen Architekten k\u00f6nnen zwar kaum noch sch\u00f6ne Geb\u00e4ude errichten, aber in der Besch\u00f6nigung des H\u00e4\u00dflichen durch ihren Marketing-Jargon sind sie immer noch unschlagbar. Man denke nur an die &#8222;harmonische Verbindung von Alt und Neu&#8220;, die immer ins Feld gef\u00fchrt wird, wenn neben ein altehrw\u00fcrdiges Geb\u00e4ude ein moderner Klotz gesetzt wird. Das gewaltige Ulmer M\u00fcnster, um nur ein Beispiel zu nennen, ist auf diese Weise von furchtbaren neuen Geb\u00e4uden so umzingelt, da\u00df wir bei unserem ersten Aufenthalt in Ulm, so schnell uns die F\u00fc\u00dfe getragen haben, ins Fischerviertel und an die Donau gefl\u00fcchtet sind.   <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist also im M\u00fcnchener Stadtteil Neuperlach eine neue Kirche gebaut und geweiht wurden &#8211; und das ist etwas Besonderes, denn es ist der einzige Kirchenneubau im Jahr 2019 in Deutschland. Da wird man sich doch ganz besonders viel M\u00fche gegeben haben, denkt man &#8211; aber nur so lange, bis man einen Blick auf das \u00c4u\u00dfere und in das Innere dieser Kirche geworfen hat (beides ist <a href=\"https:\/\/www.katholisch.de\/artikel\/23876-das-ist-die-einzige-2019-neugeweihte-kirche-deutschlands\">hier<\/a> zu sehen). Zur Warnung: f\u00fcrchten Sie das Schlimmste, und es wird noch \u00fcbertroffen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die bauf\u00e4llig gewordene Vorg\u00e4ngerkirche, so liest man auf katholische.de, sei 1974 in einer schnell hochgezogenen Siedlung aus Hochh\u00e4usern und Wohnbl\u00f6cken gebaut worden:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Architektonisch passte der Bau zur Umgebung: freiliegender Beton und kantige Formen. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und was charakterisiert heute, Jahrzehnte sp\u00e4ter &#8211; und, wie man denken k\u00f6nnte, Jahrzehnte kl\u00fcger! &#8211; den Neubau? Richtig, freiliegender Beton und kantige Formen. Nur die Gemeinder\u00e4ume hat man gn\u00e4dig mit Holz verkleidet. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Au\u00dfen wie innen besticht das Gotteshaus durch seine Schlichtheit&#8220;, lobt katholisch.de. Aber ist das denn ein Lob? Seit fast zwei Jahrtausenden baut man jetzt schon Kirchen, und immer ist es darum gegangen, den Entbehrungen des irdischen Lebens, der N\u00fcchternheit des Alltags in der Gestalt der Kirche etwas entgegenzusetzen: Sch\u00f6nheit und Erhabenheit. Der erste Schritt hin ins &#8222;Schlichte&#8220; waren viele der evangelischen Kirchen, wie man sie heute noch erlebt: oft sch\u00f6n von au\u00dfen, innen aber kahl und schmucklos (es z\u00e4hlt ja nur das Wort, nur das Wort!). Nach dem Krieg, als man in kurzer Zeit Kirchen f\u00fcr die vielen katholischen Vertriebenen bauen mu\u00dfte, sind dann auch die ersten katholischen Kirchen im &#8222;modernistischen Stil&#8220; entstanden: allesamt ungeliebt von den Gl\u00e4ubigen, weil sie nicht nur billig <em>waren, <\/em>sondern auch billig <em>aussahen<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Innere der neuen Kirche schreibt katholisch.de:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Im Kirchenraum dient ein an der Oberseite abgeschnittener Findling aus  dem Allg\u00e4u als Altar, in den auf der R\u00fcckwand angebrachten Rillen  scheint eine Kreuzform auf. Daneben gibt es nur einen h\u00f6lzernen Ambo  sowie eine historisierende Marienfigur und einen versilberten Tabernakel  aus der alten Kirche.  <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und weiter:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Durch die wenigen Ausstattungsst\u00fccke und das vor allem aus einer  Deckenluke einfallende indirekte Licht entsteht eine meditative  Atmosph\u00e4re. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Au\u00dfen billiger Beton, innen (sicher absichtlich) ein Hauch von Zen-Buddhismus. Und wo bleibt da die reiche Tradition christlicher Architektur? <\/p>\n\n\n\n<p>Der Artikel gipfelt in einer Aussage, die wohl tr\u00f6stlich gemeint ist &#8211; und der wir nichts hinzuf\u00fcgen wollen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Der Kirchbau entstand in kubischen Formen: Ein hoher in Sichtbeton ausgef\u00fchrter Quader ist durch ein goldenes Kreuz, das sich um eine Geb\u00e4udeecke biegt, als Kirche erkennbar.  <\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere modernen Architekten k\u00f6nnen zwar kaum noch sch\u00f6ne Geb\u00e4ude errichten, aber in der Besch\u00f6nigung des H\u00e4\u00dflichen durch ihren Marketing-Jargon sind sie immer noch unschlagbar. 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