{"id":18692,"date":"2019-09-10T12:47:01","date_gmt":"2019-09-10T10:47:01","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18692"},"modified":"2019-09-12T18:58:39","modified_gmt":"2019-09-12T16:58:39","slug":"gibt-es-den-oekofaschismus-wirklich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18692","title":{"rendered":"Gibt es den \u00d6kofaschismus wirklich?"},"content":{"rendered":"\n<p>Noch vor ein paar Jahren h\u00e4tte ich die Frage mit gro\u00dfer Emp\u00f6rung verneint. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Es stimmt mich traurig, da\u00df radikale &#8222;Aktivisten&#8220; als Wiederg\u00e4nger der 68er-Bewegung heute dieselben dummen Spr\u00fcche klopfen wie damals die linken Studenten, nur da\u00df es diesmal kein rotes, sondern ein gr\u00fcnes M\u00e4ntelchen ist, hinter dem sie sich verstecken. M\u00fcssen solche Untoten denn immer wieder aus ihren Gr\u00e4bern steigen?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Enteignet Springer!&#8220; hat man 1968 gerufen. Heute fordert der Attac-Sprecher Achim Heier: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Autoindustrie mu\u00df entmachtet werden, sie muss radikal zur\u00fcckgebaut werden. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mu\u00df sie das? Und wer entscheidet dar\u00fcber? Die Aktivisten? Woher nehmen sie die Vollmacht, solche Entscheidungen zu treffen? Nein, &#8222;Aktivisten&#8220; sind aus gutem Grunde in einer Demokratie nicht vorgesehen, denn sie setzen sich selbst an die Stelle der W\u00e4hler und behaupten dreist, da\u00df nur sie den Volkswillen <em>(volont\u00e9 g\u00e9n\u00e9rale)<\/em> verk\u00f6rpern. Zu Aktivisten werden sie, weil sie die Menschen auf demokratischem Wege nicht von ihrem Vorhaben \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Deshalb setzen sie eine Spirale der Gewalt in Gang, die schon einmal in brutalen Morden geendet hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Das mu\u00df nicht wieder so kommen, aber man sollte &#8211; auf der linken genau wie auf der rechten Seite &#8211; den Anf\u00e4ngen wehren. Die Parallelen sind leider da. &#8222;Das Auto&#8220; wird auf einmal zum Feind, gegen den alle Mittel erlaubt sind. Eine Aktivistengruppe, die sich &#8222;Sand im Getriebe&#8220; nennt (wie lustig!), will die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt verhindern und dabei, wie ihre Vertreterin vor der Presse ank\u00fcndigte, &#8222;die Grenzen des legalen Protestes \u00fcberschreiten\u201c. Die Klimakrise verlange das von ihnen. Die &#8222;hochgradig kriminelle Autoindustrie&#8220; sei anders nicht in die Schranken zu weisen. <\/p>\n\n\n\n<p>Aber so l\u00e4uft es in einer Demokratie eben nicht. Da kann man die Menschen nicht zu ihrem Gl\u00fcck zwingen &#8211; man mu\u00df sie \u00fcberzeugen, man mu\u00df f\u00fcr die eigenen Vorstellungen werben und eine Mehrheit gewinnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Teil der Anti-Auto-Aktivisten ist schon (wie damals in den 60ern) zur angeblich legitimen &#8222;Gewalt gegen Sachen&#8220; \u00fcbergegangen. In Kronberg haben Aktivisten Dutzende teurer Autos eines H\u00e4ndlers besch\u00e4digt und ihren Vandalismus fast mit denselben Worten begr\u00fcndet, wie die RAF in den ersten &#8222;Bekennerbriefen&#8220;: man habe versucht, &#8222;so viele Luxuskarren wie m\u00f6glich kaputt zu schlagen&#8220; und &#8222;diese Dreckschleudern zu entsorgen&#8220;. Es sei h\u00f6chste Zeit, &#8222;der kapitalistischen Profitlogik als Ganzes Steine ins Getriebe zu werfen!&#8220; Militanz gegen die &#8222;Protzschlitten&#8220; sei notwendig und legitim.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt: wenn man um die 70 ist, hat man das alles schon einmal erlebt, und man wundert sich, da\u00df es uns offenbar nicht gelungen ist, unsere Erfahrungen an die n\u00e4chsten Generationen weiterzugeben. Dabei w\u00e4re es so leicht, aus der Vergangenheit zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>PS:  Das Wort &#8222;\u00d6kofaschismus&#8220; halte ich immer noch f\u00fcr abwegig, weil es den echten Faschismus verharmlost. Aber es ist nicht zu leugnen, da\u00df es aus dem linken und gr\u00fcnen Milieu einen immer energischeren Willen gibt, die Menschen zu ihrem Gl\u00fcck zu <em>zwingen<\/em>, wenn man sie denn nicht <em>\u00fcberzeugen <\/em>kann. Der vorgeschriebene Veggie Day war ein noch harmloses Beispiel, demn\u00e4chst soll ich gezwungen werden, ein Elektroauto zu kaufen,  kein Fleisch mehr zu essen,  Windkraftanlagen in immer geringerer Entfernung zu meinem Haus hinzunehmen, die \u00d6lheizung und meinen Diesel zu verschrotten, keine Luftballons mehr steigen zu lassen usw. All das ist \u00f6kologischer Unfug, das meiste ist bestenfalls wirkungslos, vermutlich aber \u00f6kologisch eher sch\u00e4dlich. Weil viele das begriffen haben und sich wehren, wird man mit allen Mitteln versuchen, die Menschen einzusch\u00fcchtern: durch Verbote (und das nicht nur von Plastikt\u00fcten und Gl\u00fchbirnen), durch hohe Besteuerung, einen sozialen Pranger &#8211; und notfalls auch durch &#8222;Gewalt gegen Sachen&#8220;, wie es die Aktivisten jetzt vormachen. Gleichzeitig wird die mediale Hysterie gesch\u00fcrt, damit man gar nicht mehr die Ruhe findet, dar\u00fcber nachzudenken, ob diese ganzen Zwangsma\u00dfnahmen irgendeinen Sinn haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Umso wichtiger ist es jetzt f\u00fcr jeden Menschen, sich nicht einsch\u00fcchtern zu lassen, sondern sich eines k\u00fchlen und scharfen Verstandes zu bedienen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch vor ein paar Jahren h\u00e4tte ich die Frage mit gro\u00dfer Emp\u00f6rung verneint. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher. 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