{"id":18642,"date":"2019-08-27T19:38:14","date_gmt":"2019-08-27T17:38:14","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18642"},"modified":"2019-08-27T19:38:14","modified_gmt":"2019-08-27T17:38:14","slug":"johann-gottfried-herder-und-die-tugenden-des-weibes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18642","title":{"rendered":"Johann Gottfried Herder und die Tugenden des Weibes"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor ein paar Tagen hatte ich <a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18631\">an dieser Stelle<\/a> Herders Verdikt \u00fcber die &#8222;Geringsch\u00e4tzung des Weibes&#8220; zitiert. Hier sind nun ein paar S\u00e4tze \u00fcber dessen Tugenden:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Auch unter den wildesten V\u00f6lkern unterscheidet sich das Weib vom Mann durch eine z\u00e4rtere Gef\u00e4lligkeit, durch Liebe zum Schmuck und zur  Sch\u00f6nheit; auch da noch sind diese Eigenschaften kennbar, wo die Nation mit dem Klima und dem schn\u00f6desten Mangel k\u00e4mpfet. \u00dcberall schm\u00fcckt sich das Weib, wie wenigen Putz es auch hie und da, sich zu schm\u00fccken, habe.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Reinlichkeit ist eine andre Weibertugend, dazu sie ihre Natur zwingt und der Trieb, zu gefallen, reizet. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Noch eines gr\u00f6\u00dfern Ruhmes ist die sanfte Duldung, die unverdrossene Gesch\u00e4ftigkeit wert, in der sich, ohne den Mi\u00dfbrauch der Kultur, das zarte Geschlecht \u00fcberall auf der Erde auszeichnet Mit Gelassenheit tr\u00e4gt es das Joch, das ihm die rohe \u00dcbermacht der M\u00e4nner, ihre Liebe zum M\u00fc\u00dfiggange und zur Tr\u00e4gheit, endlich auch die Ausschweifungen seiner Vorfahren selbst als eine geerbte Sitte auflegten, und bei den armseligsten V\u00f6lkern finden sich hierin oft die gr\u00f6\u00dfesten Muster. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Endlich die s\u00fc\u00dfe Mutterliebe, mit der die Natur dies Geschlecht ausstattete; fast unabh\u00e4ngig ist sie von kalter Vernunft und weit entfernt von eigenn\u00fctziger Lohnbegierde. Nicht, weil es liebensw\u00fcrdig ist, liebet die Mutter ihr Kind, sondern weil es ein lebendiger Teil ihres Selbst, das Kind ihres Herzens, der Abdruck ihrer Natur ist. Darum regen sich ihre Eingeweide \u00fcber seinem Jammer; ihr Herz klopft st\u00e4rker bei seinem Gl\u00fcck; ihr Blut flie\u00dft sanfter, wenn die Mutterbrust, die es trinkt, es gleichsam noch an sie kn\u00fcpfet. Durch alle unverdorbene Nationen der Erde geht dieses Muttergef\u00fchl.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das sind nicht gerade Tugenden, auf die sich der heutige Feminismus berufen w\u00fcrde. Ich h\u00f6re f\u00f6rmlich die spitze Schreie, die manche aussto\u00dfen, wenn sie vom &#8222;Muttergef\u00fchl&#8220; lesen oder vom Joch, das &#8222;mit Gelassenheit&#8220; ertragen wird. Die einzige Tugend, die man beim &#8222;Weibe&#8220; heutzutage noch gelten l\u00e4\u00dft, ist die St\u00e4rke. &#8222;Eine starke Frau!&#8220; &#8211; das ist das einzige erlaubte Kompliment, alle anderen werden schroff zur\u00fcckgewiesen. Dieser Feminismus hat etwas Strenges, Freudloses, er l\u00e4\u00dft nichts mehr gelten, was einmal als Galanterie und H\u00f6flichkeit das Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau bestimmt hat. Wie im Kommunismus wird \u00fcberall mit Begeisterung nach &#8222;Herrschaftsverh\u00e4ltnissen&#8220; gesucht, und selbst, wenn der Mann einer Frau nur die T\u00fcr aufh\u00e4lt, wird ihm B\u00f6ses unterstellt. Eine starke Frau brauche derlei H\u00f6flichkeiten nicht, sagt man. <\/p>\n\n\n\n<p>Ach, wir leben in merkw\u00fcrdigen Zeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ein paar Tagen hatte ich an dieser Stelle Herders Verdikt \u00fcber die &#8222;Geringsch\u00e4tzung des Weibes&#8220; zitiert. Hier sind nun ein paar S\u00e4tze \u00fcber dessen Tugenden: Auch unter den wildesten V\u00f6lkern unterscheidet sich das Weib vom Mann durch eine z\u00e4rtere &hellip; <a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18642\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,15,9],"tags":[],"class_list":["post-18642","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie","category-sonstiges","category-die-deutsche-sprache"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18642","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18642"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18642\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18648,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18642\/revisions\/18648"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18642"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18642"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18642"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}