{"id":18631,"date":"2019-08-21T13:33:46","date_gmt":"2019-08-21T11:33:46","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18631"},"modified":"2019-08-21T13:36:36","modified_gmt":"2019-08-21T11:36:36","slug":"johann-gottfried-herder-und-die-geringschaetzung-der-weiber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18631","title":{"rendered":"Johann Gottfried Herder und die Geringsch\u00e4tzung der Weiber"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;An keinem Umstande&#8220;, schreibt Johann Gottfried Herder in seinen <em>Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit<\/em> (1784-91), &#8222;l\u00e4\u00dft sich der eigentliche Charakter eines Mannes oder einer Nation so unterscheidend erkennen als an der Behandlung des Weibes&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und er f\u00e4hrt fort:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die meisten V\u00f6lker, denen ihre Lebensart schwer wird, haben das weibliche Geschlecht zu Haustieren erniedrigt und ihm alle Beschwerlichkeiten der H\u00fctte aufgetragen; durch eine gefahrvolle, k\u00fchne, m\u00e4nnliche Unternehmung glaubte der Mann dem Joch aller kleinen Gesch\u00e4fte entnommen zu sein und \u00fcberlie\u00df diese den Weibern. Daher die gro\u00dfe Subalternit\u00e4t dieses Geschlechts unter den meisten Wilden von allerlei Erdstrichen; daher auch die Geringsch\u00e4tzung der S\u00f6hne gegen ihre M\u00fctter, sobald sie in die m\u00e4nnlichen Jahre treten. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Kommt einem das nicht, gut zwei Jahrhunderte sp\u00e4ter, bekannt vor? Aber lesen wir weiter:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Von Gr\u00f6nland bis zum Lande der Hottentotten herrscht diese Geringsch\u00e4tzung der Weiber bei allen unkultivierten Nationen, ob sie sich gleich in jedem Volk und Weltteil anders gestaltet. In der Sklaverei sogar <br> ist das Negerweib weit unter dem Neger, und der armseligste Karibe d\u00fcnkt sich in seinem Hause ein K\u00f6nig.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Aber nicht nur die Schwachheit des Weibes scheint es dem Mann untergeordnet zu haben, sondern an den meisten Orten trug auch die gr\u00f6\u00dfere Reizbarkeit desselben, seine List, ja \u00fcberhaupt die feinere Beweglichkeit seiner Seele dazu noch ein mehreres bei. Die <br> Morgenl\u00e4nder z. B. begreifen es nicht, wie in Europa, dem Reich der Weiber, ihre ungemessene Freiheit ohne die \u00e4u\u00dferste Gefahr des Mannes stattfinden oder bestehen k\u00f6nne; bei ihnen, meinen sie, w\u00e4re alles voll<br> Unruh, wenn man diese leicht beweglichen, listigen, alles unternehmenden Gesch\u00f6pfe nicht einschr\u00e4nkte. Von manchen tyrannischen Gebr\u00e4uchen gibt man keine Ursache an, als da\u00df durch dies oder jenes Betragen die Weiber sich ehemals selbst ein so hartes Gesetz verdient und die M\u00e4nner ihrer Sicherheit und Ruhe wegen dazu gezwungen h\u00e4tten.<br><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Solcherlei m\u00e4nnliche Argumentation ist auch heute noch in manchen &#8222;Kulturkreisen&#8220; zu h\u00f6ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Germanen freilich war von Anfang an alles anders:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Der alte Deutsche, auch in seinen rauhen W\u00e4ldern, erkannte das Edle im Weibe und geno\u00df an ihm die sch\u00f6nsten Eigenschaften seines Geschlechts, Klugheit, Treue, Mut und Keuschheit; allerdings aber kam ihm auch sein Klima, sein genetischer Charakter, seine ganze Lebensweise hierin zu H\u00fclfe. Er und sein Weib wuchsen, wie die Eichen, langsam, unverw\u00fcstlich und kr\u00e4ftig; die Reize der Verf\u00fchrung fehlten seinem Lande; Triebe zu Tugenden dagegen gab beiden Geschlechtern sowohl die gewohnte Verfassung als die Not. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dann kommt Herder auf die &#8222;Tugenden des Weibes&#8220; zu sprechen &#8211; aber dar\u00fcber berichte ich ein andermal. <br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;An keinem Umstande&#8220;, schreibt Johann Gottfried Herder in seinen Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (1784-91), &#8222;l\u00e4\u00dft sich der eigentliche Charakter eines Mannes oder einer Nation so unterscheidend erkennen als an der Behandlung des Weibes&#8220; Und er f\u00e4hrt fort: &hellip; <a href=\"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=18631\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,16,12,9],"tags":[],"class_list":["post-18631","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-islam","category-philosophie","category-politik","category-die-deutsche-sprache"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18631"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18631\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18638,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18631\/revisions\/18638"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/antibarbarus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}