{"id":1820,"date":"2011-09-03T01:47:25","date_gmt":"2011-09-02T23:47:25","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=1820"},"modified":"2011-09-03T08:23:05","modified_gmt":"2011-09-03T06:23:05","slug":"hausgemachter-analphabetismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=1820","title":{"rendered":"Hausgemachter Analphabetismus"},"content":{"rendered":"<p>Bremen war schon immer ein fortschrittliches Land. Auch Hamburg ist neuerdings fortschrittlich &#8211; deshalb hat es jetzt den Schulen die M\u00f6glichkeit gegeben, den Kindern die Schreibschrift erst gar nicht beizubringen. Und es gibt Grundschulen, die es den Kleinen freistellen, wie sie die W\u00f6rter schreiben. Das glauben Sie nicht?<\/p>\n<p>Dann lesen Sie doch einmal die F.A.Z. vom Donnerstag. Da berichtet Heike Schmoll von norddeutschen Grundschulen Dinge, die einem fast das Herz stillstehen lassen.<\/p>\n<p>So ist es offenbar an vielen Schulen erlaubt, da\u00df die Kinder <em>phonetisch<\/em> schreiben: das klingt irgendwie gut, bedeutet aber, da\u00df die Rechtschreibung &#8211; &#8222;wom\u00f6glich bis zur vierten Klasse&#8220; &#8211; au\u00dfer Kraft gesetzt wird. Mit anderen Worten: die Sch\u00fcler d\u00fcrfen die W\u00f6rter schreiben, wie es ihnen pa\u00dft. <em>Schraibe, vi du schbrichst<\/em> &#8211; so k\u00f6nnte das Motto lauten. Wenn sie Gl\u00fcck haben, versucht man, ihnen am Ende der Grundschulzeit noch ein bi\u00dfchen Rechtschreibung beizubringen, nat\u00fcrlich ohne gro\u00dfen Erfolg. Die Kinder haben sich jahrelang falsche Schreibungen im Heft und an der Tafel eingepr\u00e4gt, wie sollen sie da verstehen, da\u00df das alles falsch war?<\/p>\n<p>Wie sich da ihre Bildungskarrieren an weiterf\u00fchrenden Schulen entwickeln werden, kann man sich vorstellen.<\/p>\n<p>In Bremen hat man Viertkl\u00e4sslern die Frage gestellt, warum man sich f\u00fcr Zeitungen interessieren sollte. Hier eine typische Antwort:<\/p>\n<blockquote><p>Wall mann \u00fcber die Zeitung erfahren kann. Und ich w\u00f6rte gerne Reporterin werden. Es ist n\u00e4mlich spannt in der Zeitung zu lesen. Wall das sind spannte Sachen drin sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein anderer Sch\u00fcler antwortet kurz und b\u00fcndig:<\/p>\n<blockquote><p>Wall es schba\u00df macht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sind, wie Heike Schmoll schreibt, keineswegs besonders mi\u00dfratene, sondern ganz normale Antworten. In zwei vierten Klassen in Bremen &#8222;gibt es nicht einen einzigen Sch\u00fcler, der fehlerlos schreibt&#8220;. Das schulische und berufliche Scheitern einer ganzen Grundschulgeneration ist hier vorprogrammiert.<\/p>\n<p>In Th\u00fcringen und Bayern sieht es anders aus &#8211; schon in der dritten Klasse schreiben die Sch\u00fcler dort (nat\u00fcrlich in Schreibschrift, wie sich das geh\u00f6rt) fast fehlerfreie Texte.<\/p>\n<p>Was ist das f\u00fcr eine Politik, was ist das f\u00fcr eine Schulb\u00fcrokratie (denn <em>sie<\/em> sind an der Misere schuld, nicht etwa die Lehrer!), da\u00df sie nicht einmal schaffen, was die alte &#8222;Volksschule&#8220; problemlos hinbekommen hat: allen Kindern unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft und Intelligenz die grundlegenden Kulturtechniken beizubringen!<\/p>\n<p>Und dann haben sie noch die Frechheit, ihr eigenes Versagen auf eine angebliche &#8222;Legasthenie&#8220; der Sch\u00fcler zu schieben. Nein, diese Pseudo-Legasthenie ist nicht angeboren, sie ist hausgemacht.<\/p>\n<p>Sie ist das Ergebnis einer ideologisch gef\u00e4rbten Schulpolitik, die immer neue Experimente macht, statt den Schulen das zu geben, was sie am dringendsten brauchen: Ruhe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bremen war schon immer ein fortschrittliches Land. Auch Hamburg ist neuerdings fortschrittlich &#8211; deshalb hat es jetzt den Schulen die M\u00f6glichkeit gegeben, den Kindern die Schreibschrift erst gar nicht beizubringen. 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