{"id":17906,"date":"2018-12-14T14:14:02","date_gmt":"2018-12-14T13:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17906"},"modified":"2018-12-14T14:15:33","modified_gmt":"2018-12-14T13:15:33","slug":"noch-einmal-ein-zitat-von-stefan-zweig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17906","title":{"rendered":"Noch einmal ein Zitat von Stefan Zweig"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich mu\u00df doch noch einmal auf Stefan Zweigs wunderbare Biographie des Erasmus zur\u00fcckkommen (<em>Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam<\/em>, Wien 1934). Die in weiten Teilen nachpr\u00fcfbar rechtsextreme AfD hat ja, wie zu lesen war, ihre Parteistiftung in der ihr eigenen Dreistigkeit nach dem gro\u00dfen Humanisten benannt. <\/p>\n\n\n\n<p>Stefan Zweig, der sich 1942 aus Verzweiflung \u00fcber das Vordringen des Faschismus das Leben genommen hat, schreibt darin:<br><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wir m\u00fcssen leider klar erkennen und bekennen, da\u00df niemals ein Ideal breiten Volksmassen vollkommen Gen\u00fcge tut, das einzig die allgemeine Wohlfahrt ins Auge fa\u00dft; bei den durchschnittlichen Naturen fordert auch der Ha\u00df sein d\u00fcsteres Recht neben der blo\u00dfen Liebesgewalt, und der Eigennutz des einzelnen will von jeder Idee auch rasche pers\u00f6nliche Nutznie\u00dfung. Immer wird der Masse das Konkrete, das Greifbare <br>eing\u00e4ngiger sein als das Abstrakte, immer darum im Politischen jede Parole am leichtesten Anhang finden, die statt eines Ideals eine Gegnerschaft proklamiert, einen bequem fa\u00dfbaren, handlichen Gegensatz, der gegen eine andere Klasse, eine andere Rasse, eine andere Religion sich wendet, denn am leichtesten kann der Fanatismus seine frevlerische Flamme am Ha\u00df entz\u00fcnden. <\/p><p>Ein blo\u00df bindendes, ein \u00fcbernationales, ein panhumanes Ideal dagegen wie das erasmische entbehrt selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr eine Jugend, die ihrem Gegner k\u00e4mpferisch ins Auge sehen will, das optisch Eindrucksvolle und bringt niemals jenen elementaren Anreiz wie das stolz Absondernde, das jedesmal den Feind jenseits der eigenen Landesgrenze und au\u00dferhalb der eigenen Religionsgemeinschaft aufzeigt. Immer werden es darum die Parteigeister leichter haben, welche die ewig menschliche Unzufriedenheit in eine bestimmte Windrichtung jagen; der Humanismus aber, die erasmische Lehre, die f\u00fcr keinerlei Ha\u00dfleidenschaft Raum hat, setzt heroisch ihre geduldige Anstrengung auf ein fernes und kaum sichtbares Ziel, sie ist und bleibt ein geistaristokratisches Ideal, solange das Volk, das sie sich tr\u00e4umt, solange die europ\u00e4ische Nation nicht verwirklicht ist. <\/p><p>Zugleich Idealisten und doch Kenner der menschlichen Natur, d\u00fcrfen darum die Anh\u00e4nger einer zuk\u00fcnftigen Menschheitsverst\u00e4ndigung niemals im unklaren sein, da\u00df ihr Werk st\u00e4ndig von dem ewig Irrationalen der Leidenschaft bedroht ist, sie m\u00fcssen aufopfernd bewu\u00dft bleiben, da\u00df immer wieder in den Zeiten eine Sturzflut des Fanatismus, geballt aus den Urtiefen der menschlichen Triebwelt, alle D\u00e4mme \u00fcberfluten und zerrei\u00dfen wird: fast jede neue Generation erlebt solch einen R\u00fcckschlag, und es ist dann ihre moralische Aufgabe, ihn ohne innere Verwirrung zu \u00fcberdauern. <\/p><p><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Besser kann man die Situation kaum beschreiben, in der sich auch heute Demokratie und Menschlichkeit befinden. <\/p>\n\n\n\n<p>Es hat freilich auch sein Gutes, da\u00df die Gef\u00e4hrdung aller Kultur heute so deutlich zutagetritt. Die Illusion, da\u00df eine gefestigte Demokratie wie die deutsche gegen den Angriff eines dumpfen Fanatismus f\u00fcr alle Zeit gefeit sei, l\u00e4\u00dft sich nicht mehr halten. Immerhin: noch bleibt der politische Mob bei uns eine kleine (wenn auch lautstarke) Minderheit. Wir sollten alles tun, da\u00df es dabei bleibt.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich mu\u00df doch noch einmal auf Stefan Zweigs wunderbare Biographie des Erasmus zur\u00fcckkommen (Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam, Wien 1934). 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