{"id":17825,"date":"2018-11-11T14:50:47","date_gmt":"2018-11-11T13:50:47","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17825"},"modified":"2018-11-11T16:45:38","modified_gmt":"2018-11-11T15:45:38","slug":"schoene-arme-woerter-6-respekt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17825","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne arme W\u00f6rter (6): &#8222;Respekt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\u00c4ltere Menschen werden noch das Wort &#8222;Respektsperson&#8220; kennen. Der Lehrer war vor langer Zeit so eine Respektsperson (und noch kein &#8222;fauler Sack&#8220;!), der Pfarrer, der Richter, der Arzt, der Polizist. Sie alle waren Menschen, denen man schon von Berufs wegen Respekt entgegenbrachte. Auch die eigenen Eltern geh\u00f6rten fr\u00fcher, zumindest f\u00fcr ihre Kinder, zu den Respektspersonen.<\/p>\n<p>Aber was bedeutet Respekt eigentlich?<\/p>\n<p>Es kommt wieder einmal aus dem Lateinischen. Das Verb <em>respicere <\/em>bedeutet laut Georges w\u00f6rtlich &#8222;zur\u00fccksehen, hinter sich sehen&#8220;, im \u00fcbertragenen Sinne dann auch &#8222;f\u00fcr etwas sorgen, auf etwas sehen, etwas beachten&#8220;. Wie man im Deutschen W\u00f6rterbuch der Br\u00fcder Grimm nachlesen kann, ist dann im 17. Jahrhundert das Substantiv &#8222;Respekt&#8220; (damals meist noch &#8222;Respect&#8220; geschrieben) in der Bedeutung &#8222;Achtung, Ehrerbietung&#8220; aus dem Franz\u00f6sischen ins Deutsche aufgenommen worden. Diese Bedeutung hat es heute noch, es kann sogar, im verst\u00e4rkten Wortsinn, &#8222;ehrerbietige Scheu&#8220; bedeuten.<\/p>\n<p>Heute hat das Wort immer \u00f6fter einen Migrationshintergrund: viele junge M\u00e4nner aus der T\u00fcrkei, die in meinem Land leben, fordern etwas ein, was sie selbst \u00fcberhaupt nicht gern gew\u00e4hren (uns Deutschen schon gar nicht): Respekt. Mit Achtung, Ehrerbietung oder gar ehrerbietiger Scheu hat das freilich nichts zu tun, eher mit viel Testosteron und nationaler \u00dcberheblichkeit.<\/p>\n<p>Respekt zollt man n\u00e4mlich nur dem, der es verdient: den eigenen Eltern zum Beispiel, die viele Opfer auf sich nehmen, um ihre Kinder zu anst\u00e4ndigen Menschen zu erziehen, oder dem Polizisten, der seine Gesundheit, manchmal sogar sein Leben riskiert, um uns zu besch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Einem schlecht erzogenen jungen Mann mu\u00df ich nun wirklich keinen Respekt erweisen.<\/p>\n<p>Aber auch bei uns ist zusammen mit dem Wort auch der Respekt selbst auf dem R\u00fcckzug. Es gen\u00fcgt, wie fast immer, ein Blick ins Internet: da artikuliert sich vor allem der P\u00f6bel, der zwar keinen einzigen richtig geschriebenen Satz zustandebringt, aber (buchst\u00e4blich!) vor nichts Respekt hat. Es wird &#8211; unter dem Schutz der Anonymit\u00e4t &#8211; nur noch denunziert, geflucht, gep\u00f6belt. Tugenden wie Besonnenheit, Klugheit, Gelassenheit &#8211; wo findet man die noch? Gerade das sind Tugenden, die heute ganz besonders wichtig w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Aber da gilt: was H\u00e4nschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c4ltere Menschen werden noch das Wort &#8222;Respektsperson&#8220; kennen. Der Lehrer war vor langer Zeit so eine Respektsperson (und noch kein &#8222;fauler Sack&#8220;!), der Pfarrer, der Richter, der Arzt, der Polizist. 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