{"id":17819,"date":"2018-11-07T13:16:54","date_gmt":"2018-11-07T12:16:54","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17819"},"modified":"2018-11-09T09:27:43","modified_gmt":"2018-11-09T08:27:43","slug":"digitalisierung-an-den-schulen-die-zwei-gesichter-der-f-a-z","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17819","title":{"rendered":"Digitalisierung an den Schulen &#8211; am Beispiel von Meinungsartikeln in der F.A.Z."},"content":{"rendered":"<p>Keine deutsche Tageszeitung besch\u00e4ftigt sich so kenntnisreich und so beharrlich mit dem Zustand unserer Schulen und der dort praktizierten P\u00e4dagogik wie die F.A.Z. Besonders die Artikel von Heike Schmoll sind fast immer kleine journalistische Meisterwerke.<\/p>\n<p>Aber: die Frankfurter Allgemeine hat nat\u00fcrlich auch einen Wirtschaftsteil, und sie hat einen &#8222;Chefredakteur digitale Produkte&#8220;. Der hei\u00dft Knop, Carsten Knop, und ihm ist offenbar nichts wichtiger als die totale Digitalisierung des Unterrichts.<\/p>\n<p>&#8222;Auch Schulen geh\u00f6ren an das beste Netz&#8220;, so lautet die \u00dcberschrift seines heutigen Artikels (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/diginomics\/schliesst-die-schulen-an-das-schnelle-internet-an-15877502.html\">hier<\/a> nachzulesen), und ich hatte schon beim Lesen der \u00dcberschrift das sichere Gef\u00fchl: da werden wir gleich etwas \u00fcber Manfred Spitzer h\u00f6ren, und bestimmt nichts Gutes. Ich hatte recht: die Diskussion \u00fcber die Digitalisierung sei &#8222;emotional&#8220;, schreibt Knop, und es w\u00fcrde immer jemand<\/p>\n<blockquote><p>eine der zahlreichen Erkenntnisse des Hirnforschers Manfred Spitzer [zitieren], der mit seinem Hinweis auf die digitale Demenz zum Dagobert Duck unter den Wissenschaftlern seines Fachs geworden sein d\u00fcrfte. Und die Sch\u00fcler? Fragen sich, warum ihre Ranzen platzen, daheim alles viel moderner ist als in der Schule und Papa und Mama von der Arbeit nur noch erz\u00e4hlen, das eigne Unternehmen werde durch die Digitalisierung auf den Kopf gestellt und das ganze Leben sowieso.<\/p><\/blockquote>\n<p>Soviel zum Niveau der industriefreundlichen Wirtschaftsjournalisten, die das geplante Jahrhundertgesch\u00e4ft mit der digitalen Ausstattung aller deutschen Schulen wohlwollend begleiten. Manfred Spitzer, der in seinem Buch &#8222;Digitale Demenz &#8211; Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen&#8220; pr\u00e4zise belegt, wie verh\u00e4ngnisvoll sich das immer l\u00e4ngere Starren auf den Bildschirm bei unseren Kindern auswirkt, ist \u00fcbrigens keineswegs &#8222;Hirnforscher&#8220;, sondern Psychiater. Er hat ein Diplom in Psychologie, ist Doktor der Medizin und der Philosophie und hat seit 1997 den Lehrstuhl f\u00fcr Psychiatrie an der Universit\u00e4t Ulm inne. Er hat es also auch beruflich mit den Opfern des digitalen Wahns zu tun und kennt als Arzt die Folgen der Digitalisierung, \u00fcber die ein Wirtschaftsjournalist gro\u00dfz\u00fcgig hinwegsehen kann.<\/p>\n<p>Schulen geh\u00f6ren an das beste Netz? Das soll die Devise sein? Nein:<\/p>\n<blockquote><p><strong>an die Schulen geh\u00f6ren die besten Lehrer<\/strong>,<\/p><\/blockquote>\n<p>so mu\u00df es hei\u00dfen, denn nur in der pers\u00f6nlichen Beziehung zwischen Lehrer und Sch\u00fcler kann Gutes und Gedeihliches entstehen. Maschinen mag man hie und da einsetzen, ihre didaktische und erst recht ihre p\u00e4dagogische Bedeutung ist aber gering.<\/p>\n<p>Da\u00df Manfred Spitzer in ein Wespennest gestochen hat, sieht man an solchen Artikeln im Wirtschaftsteil unserer Tageszeitungen wie dem von Carsten Knop. Man sieht es aber auch am Wikipedia-Eintrag \u00fcber Spitzer, der von einer geradezu \u00e4rgerlichen Einseitigkeit ist. Hier trifft die unkritische Bejubelung des &#8222;Netzes&#8220; durch die &#8222;User&#8220; auf wunderbare Art mit den wirtschaftlichen Interessen der IT-Branche zusammen.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein B\u00fcndnis!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine deutsche Tageszeitung besch\u00e4ftigt sich so kenntnisreich und so beharrlich mit dem Zustand unserer Schulen und der dort praktizierten P\u00e4dagogik wie die F.A.Z. Besonders die Artikel von Heike Schmoll sind fast immer kleine journalistische Meisterwerke. 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