{"id":17593,"date":"2018-09-01T19:13:02","date_gmt":"2018-09-01T17:13:02","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17593"},"modified":"2018-09-03T11:13:04","modified_gmt":"2018-09-03T09:13:04","slug":"enid-blyton-ein-ausbund-von-rassismus-und-sexismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17593","title":{"rendered":"Enid Blyton &#8211; ein Ausbund von Rassismus und Sexismus?"},"content":{"rendered":"<p>Gut, da\u00df wir das damals noch nicht gewu\u00dft haben. Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir ihnen n\u00e4mlich viele Romane von Enid Blyton vorgelesen, und sie waren begeistert, vor allem von den Abenteuer- und den F\u00fcnf-Freunde-B\u00fcchern.<\/p>\n<p>Und wir dachten in unserer Naivit\u00e4t, da\u00df es sich hier einfach nur um spannende Geschichten handelte. Jetzt wissen wir es besser.<\/p>\n<p>Die Wikipedia hat uns aufgekl\u00e4rt. Nur ein paar Ausz\u00fcge aus der Blyton-Kritik, die bezeichnenderweise in den fortschrittlichen 60ern beginnt:<\/p>\n<blockquote><p>Die Geschichten seien alle gleich, hie\u00df es, und die Grammatik sei schlecht.<\/p>\n<p>Blyton propagiere von einem b\u00fcrgerlichen Standpunkt aus Klassenvorurteile; zudem seien ihre Werke rassistisch und sexistisch.<\/p>\n<p>Man warf der Autorin vor, die Mittelschicht zu betonen und jede existenzielle Not sowohl der Protagonisten als auch der Leser auszuklammern.<\/p>\n<p>B\u00f6sewichte seien dunkelh\u00e4utig oder Ausl\u00e4nder. M\u00e4dchen machten Hausarbeiten und ihnen sei eine Mitl\u00e4uferrolle zugedacht, denn Anf\u00fchrer einer Bande seien immer Jungen.<\/p>\n<p>Undifferenzierte schematische Einteilung der Personenwelt in \u201eGute und B\u00f6se\u201c. Die Figuren seien keine ausgeformten Charaktere, sondern stereotyp und angepasst.<\/p>\n<p>Das \u201eB\u00f6se\u201c muss vom \u201eGuten\u201c bek\u00e4mpft und bekehrt werden; das \u201eGute\u201c siegt. Diese stereotype Gestaltung verhindere zugleich eine eigenst\u00e4ndige Interpretation der Handlung durch den Leser; dieser d\u00fcrfe nicht selbst entscheiden, was \u201egut\u201c oder \u201eb\u00f6se\u201c sei.<\/p>\n<p>Zumeist vertrete der \u00e4lteste Junge die elterliche Autorit\u00e4t und Befehlsgewalt gegen\u00fcber den J\u00fcngeren. Die M\u00e4dchen und Jungen erf\u00fcllen nach Ansicht der Kritiker stereotype Geschlechterrollenvorgaben.<\/p><\/blockquote>\n<p>In den Bearbeitungen und \u00dcbersetzungen wurden schon lange &#8222;Streichungen bei sozialer und rassischer Diskriminierung wie auch bei autorit\u00e4rem Verhalten&#8220; vorgenommen.<\/p>\n<p>Jetzt wollen wir einmal Klartext reden: wer sich dar\u00fcber beschwert, da\u00df in Kinderb\u00fcchern das Gute siegt, wer es ungeh\u00f6rig findet, da\u00df darin auch Mittelschichtkinder vorkommen, wer seine strunzdumme Gendertheorie und seine Auffassung von &#8222;Geschlechterrollen&#8220; r\u00fcckwirkend auf die Kinderb\u00fccher der letzten hundert Jahre anwenden und am liebsten alle unhistorisch reinigen und umschreiben m\u00f6chte, der sollte so schnell wie m\u00f6glich einen Psychiater seines Vertrauens aufsuchen.<\/p>\n<p>Kinder bed\u00fcrfen nicht der f\u00fcrsorglichen Zensur durch fortschrittliche Menschen aus dem linken und feministischen Milieu, sie sind geistig viel weiter (und sensibler!) als ihre selbsternannten Vorm\u00fcnder. Und sie k\u00f6nnen sehr gut zwischen Wirklichkeit und Fiktion unterscheiden!<\/p>\n<p>Eine besonders entt\u00e4uschende Blyton-Kritik habe ich gestern gefunden, sie stammt aus einem Interview, das J.K. Rowling der <em>Frankfurter Rundschau gegeben hat:<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Was haben Sie denn gegen Enid Blyton?<\/p>\n<p>Sie war keine gute Schriftstellerin. Nur f\u00fcr ganz kleine Kinder konnte sie gut schreiben. F\u00fcr \u00e4ltere Kinder war sie v\u00f6llig uninteressant. Nie erlaubte sie ihren Figuren \u201eHanni und Nanni\u201c oder den f\u00fcnf Freunden, erwachsen zu werden. Nie verschwenden diese 14-J\u00e4hrigen einen Gedanken an sexuelle Gef\u00fchle, nie haben sie einen schlechten Wunsch. Es gab immer nur die bitterb\u00f6sen Verbrecher und die anst\u00e4ndigen reizenden Mittelklasse-Kinder. Bei ihr steht Mutti immer in der K\u00fcche und backt Kuchen, w\u00e4hrend Daddy das Auto repariert. Aber Kinder erleben den Alltag nie so harmonisch. Enid Blyton war einfach eine L\u00fcgnerin.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist das vielleicht der Neid gegen\u00fcber einer Kollegin, deren Auflage (600 Millionen B\u00fccher weltweit) nicht einmal Rowling je erreichen wird? Ich wei\u00df es nicht. Ungerecht und b\u00f6sartig ist es auf jeden Fall.<\/p>\n<p>Enid Blyton h\u00e4tte mit einem Satz geantwortet, mit dem sie schon zu Lebzeiten auf solche Kritik reagiert hat:<\/p>\n<blockquote><p>Kritik von Leuten \u00fcber zw\u00f6lf interessiert mich \u00fcberhaupt nicht.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gut, da\u00df wir das damals noch nicht gewu\u00dft haben. Als unsere Kinder noch klein waren, haben wir ihnen n\u00e4mlich viele Romane von Enid Blyton vorgelesen, und sie waren begeistert, vor allem von den Abenteuer- und den F\u00fcnf-Freunde-B\u00fcchern. 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