{"id":17259,"date":"2018-05-14T17:10:36","date_gmt":"2018-05-14T15:10:36","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17259"},"modified":"2018-05-14T17:10:36","modified_gmt":"2018-05-14T15:10:36","slug":"der-zeitgeist-erobert-jetzt-auch-die-katholische-kirche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=17259","title":{"rendered":"Der Zeitgeist erobert jetzt auch die katholische Kirche"},"content":{"rendered":"<p>Von den Protestanten ist man nichts anderes gew\u00f6hnt: seit ihren bahnbrechenden &#8222;Denkschriften&#8220; zur Ostpolitik vor einem halben Jahrhundert sind ihre politischen Aussagen immer einseitiger und blau\u00e4ugiger, ihre Diskussionen \u00fcber den christlichen Glauben dagegen immer d\u00fcrftiger, seichter und substanzloser geworden.<\/p>\n<p>Die Folgen kann man in fast jedem evangelischen Gottesdienst erleben.<\/p>\n<p>Die katholische Kirche war gegen diese Anbiederung an den Zeitgeist lange gefeit. Sie hat sich &#8211; v\u00f6llig zurecht! &#8211; auf den Kern des Glaubens konzentriert, wie er sich in der Liturgie wiederspiegelt. Inzwischen mu\u00df man leider beobachten, wie &#8211; mit Kardinal Marx an der Spitze &#8211; eine Generation von Bisch\u00f6fen den Ton bestimmt, die nach all den leidigen Skandalen (Mi\u00dfbrauch, Finanzen usw.) die Gunst der Menschen zur\u00fcckgewinnen will, indem sie sich fortschrittlich, tolerant und weltoffen geriert.<\/p>\n<p>Nun sind solche Attribute, f\u00fcr sich genommen und unpolitisch betrachtet, harmlos und eher positiv, aber im zeitgen\u00f6ssischen politischen Kontext haben sie eine ganz andere, semantisch eingeengte Bedeutung. Sie stehen f\u00fcr eine bestimmte politische Ideologie, die fern jeder Wirklichkeit an starren Dogmen und Ritualen festh\u00e4lt: da\u00df jeder Fl\u00fcchtling gut sei und aufgenommen werden m\u00fcsse, da\u00df niemand zur\u00fcckgeschickt werden d\u00fcrfe, weil ihm in der Heimat wom\u00f6glich Unbill drohen k\u00f6nne usw. Wenn man dann sagt, da\u00df wir doch schon mehr Fl\u00fcchtlinge aufgenommen haben als jedes andere Land in Europa, da\u00df es aber nat\u00fcrliche und ganz praktische Grenzen gebe (und soziale Spannungen!), dann reagiert man im linken Milieu, zu dem die Aktivisten und Fl\u00fcchtlingsverb\u00e4nde geh\u00f6ren, mit den gewohnten Schimpfw\u00f6rtern, die l\u00e4ngst zu blo\u00dfen Worth\u00fclsen geworden sind: man ist dann wahlweise Rassist, Reaktion\u00e4r, man ist fremdenfeindlich, islamophob oder gar ein Nazi. Diese Menschen, die jeden Fl\u00fcchtling hier aufnehmen m\u00f6chten, egal, woher er kommt, egal, ob er verfolgt worden ist oder nicht, egal, ob er ein ehrlicher Mensch oder ein Schurke ist, und die mit allen rechtlichen Mitteln und einem offenbar unbegrenzten Reservoir an Geld und Anw\u00e4lten um das Dableiberecht jedes Fl\u00fcchtlings k\u00e4mpfen, statt die Spreu vom Weizen zu trennen &#8211; sie alle sonnen sich in ihrer Moral und interessieren sich nicht f\u00fcr die praktischen Folgen ihres Tuns.<\/p>\n<p>Auf dem Katholikentag, einem Treffen der katholischen Laien, war zu beobachten, wie der Zeitgeist inzwischen auch die katholische Kirche mit Macht ergreift. Das Hauptthema war nat\u00fcrlich das Kreuz, genauer gesagt: S\u00f6ders Erla\u00df, im Eingangsbereich aller bayerischen Beh\u00f6rden ein Kreuz anzubringen. Die Stimmung auf dem Katholikentag war von Mi\u00dftrauen gegen die CSU beherrscht, S\u00f6ders Vorsto\u00df wurde (wenn ich die Berichte richtig verfolgt habe) von der Mehrheit der Besucher abgelehnt. Nat\u00fcrlich habe man nichts gegen das Kreuz (das w\u00e4re ja auch noch sch\u00f6ner!), aber &#8230; Diesem etwas listigen ABER, hinter dem man sich gut verstecken kann, das sogar ein bi\u00dfchen nach kluger Differenzierung aussieht, folgt dann die schroffe Absage: Kreuz ja, aber doch nicht von Staats wegen, und schon gar nicht durch die CSU, und erst recht nicht vor Wahlen! Kardinal Marx geht noch weiter: S\u00f6der schaffe &#8222;Spaltung, Unruhe, Gegeneinander&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden. Dann w\u00fcrde das Kreuz im Namen des Staates enteignet.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das klingt, als habe S\u00f6der (wie einst Konstantin) soeben die christliche Staatskirche eingef\u00fchrt. Und man staunt: so gro\u00dfe Worte zu einer so kleinen Sache? Wozu hat die katholische Kirche in der Verhangenheit nicht schon fromm geschwiegen, und jetzt braust sie auf, ausgerechnet, wenn sich ein Bundesland zu seiner christlichen Tradition bekennt?<\/p>\n<p>Seehofers Entgegnung kann man da nur zustimmen:<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe keinerlei Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass der Kardinal es kritisiert, wenn Kreuze in unseren bayerischen Beh\u00f6rden aufgeh\u00e4ngt werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe daf\u00fcr auch kein Verst\u00e4ndnis, und ich habe einen Verdacht: da\u00df n\u00e4mlich die unbegreifliche Schroffheit in den kirchlichen Reaktionen eigentlich nichts mit dem Kreuz und schon gar nichts mit dem christlichen Glaubensinhalt zu tun hat. K\u00f6nnte es nicht eher so sein, da\u00df die Infantilisierung des Glaubens, seine Reduzierung auf ein bi\u00dfchen seichte Lebenshilfe und frommes Moralisieren, wie sie bei den Protestanten schon gang und g\u00e4be ist, jetzt auch die katholische Kirche bis in ihre h\u00f6chsten Kreise erfa\u00dft hat?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den Protestanten ist man nichts anderes gew\u00f6hnt: seit ihren bahnbrechenden &#8222;Denkschriften&#8220; zur Ostpolitik vor einem halben Jahrhundert sind ihre politischen Aussagen immer einseitiger und blau\u00e4ugiger, ihre Diskussionen \u00fcber den christlichen Glauben dagegen immer d\u00fcrftiger, seichter und substanzloser geworden. 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