{"id":16352,"date":"2017-07-02T16:01:48","date_gmt":"2017-07-02T14:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=16352"},"modified":"2017-07-03T15:30:21","modified_gmt":"2017-07-03T13:30:21","slug":"eine-ehe-ist-eine-ehe-ist-eine-ehe-gegen-juergen-kaube-von-der-f-a-z","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=16352","title":{"rendered":"Eine Ehe ist eine Ehe ist eine Ehe! oder: Hier irrt J\u00fcrgen Kaube"},"content":{"rendered":"<p>Da traut man seinen Augen nicht. Der von mir gesch\u00e4tzte J\u00fcrgen Kaube, einer der Herausgeber der F.A.Z., widerspricht in einem merkw\u00fcrdig verschwurbelten Artikel im Feuilleton seiner Zeitung den eigenen Kollegen. Die haben n\u00e4mlich in den letzten Tagen mit gro\u00dfer Pr\u00e4zision herausgearbeitet, da\u00df eine &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; (\u00fcbrigens auch sprachlich eine selten dumme Parole!) mit Buchstaben und Geist des Grundgesetzes nicht vereinbar ist.<\/p>\n<p>Nun hat es in der F.A.Z. eine lange Tradition, da\u00df man im Feuilleton bei manchen Themen ein bi\u00dfchen liberaler ist, ein bi\u00dfchen anders argumentiert als im politischen Teil der Zeitung. Das ist gut so, und oft macht es auch wirklich Spa\u00df, wenn man beobachtet, wie sich da zwei Fraktionen innerhalb der Redaktion intellektuell miteinander messen. Im Fall Kaube freilich bleibe ich ratlos zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&#8222;Der Staat hat nicht dar\u00fcber zu befinden, was &#8217;nat\u00fcrlich&#8216; ist&#8220;, schreibt er gleich am Anfang kategorisch ((<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/ehe-fuer-alle-ist-neuanfang-einer-debatte-15086756-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2\">hier<\/a> nachzulesen). Als ob der Staat das t\u00e4te! Das Grundgesetz jedenfalls tut es nicht, es sch\u00fctzt und st\u00e4rkt nur, was f\u00fcr Staat und Gesellschaft von elementarer Bedeutung ist, und das ist nicht nur das Recht, sondern die Pflicht einer Verfassung. Da\u00df man jenseits des Rechts dar\u00fcber nachdenken darf, ob etwas &#8222;normal&#8220; oder &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; ist, versteht sich von selbst, und ich sehe nicht ein, da\u00df ich mir das verbieten lassen sollte. Wenn \u00fcber 90% der Paare bei uns heterosexuell sind, dann ist das <em>normal<\/em>, und niemand wird diskriminiert, wenn man diesen Tatbestand feststellt.<\/p>\n<p>Aber dann argumentiert Kaube mit einer List, man k\u00f6nnte freilich auch, etwas b\u00f6sartiger sagen: er baut einen kleinen Popanz auf, damit er umso kr\u00e4ftiger draufschlagen kann.<\/p>\n<blockquote><p>Der Schutzanspruch der Ehe ist in den meisten Argumentationen an den Gedanken gebunden, dass Familien soziale Gebilde sind, in denen Kinder gut heranwachsen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Haben sie es bemerkt? Das W\u00f6rtchen &#8222;gut&#8220; ist der kleine Popanz. Keine Verfassung der Welt w\u00fcrde es wagen zu behaupten, da\u00df alle Kinder in Familien &#8222;gut heranwachsen&#8220;. Dagegen spricht der gesunde Menschenverstand. Entscheidend ist, da\u00df \u00fcberhaupt aus der Ehe Kinder entstehen k\u00f6nnen und damit der Fortbestand der Gesellschaft gesichert ist. Das trifft auf homosexuelle Partnerschaften nicht zu, deshalb sind sie immer auf heterosexuelle &#8222;Leihm\u00fctter&#8220; (im weitesten Sinne des Wortes) angewiesen.<\/p>\n<p>Kaube haut dann noch lange auf den Popanz ein, den er selbst geschaffen hat:<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt Kernfamilien, in denen Kinder schlechter heranwachsen, als wenn sie von den Gro\u00dfeltern oder jemand anderem erzogen w\u00fcrden. Dass Mann und Frau Kinder bekommen k\u00f6nnen, qualifiziert sie noch nicht dazu, sie auch erziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Seit es die Liebesheirat gibt, gibt es auch die Hasskrisen, von denen noch niemand behauptet hat, sie seien ein Beitrag zum Gemeinwohl oder dem der Kinder.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sind haargenau dieselben Nebelkerzen, die von den Schwulenverb\u00e4nden geworfen werden. Sie klingen plausibel, gehen aber am politischen und rechtlichen Kern der Sache vorbei.<\/p>\n<blockquote><p>Des Themas noch weniger w\u00fcrdig sind allerdings Beitr\u00e4ge, die aufgrund von Affekten wissen, was richtig ist, um dann an den Haaren Begr\u00fcndungen f\u00fcr diese Affekte herbeizuziehen, die aus Vorurteilen mitunter der niedrigsten Art zusammengefaselt sind.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was meint Kaube damit? Vor allen: wen meint er da? Die Wutb\u00fcrger im Internet? Die sind keiner Beachtung wert. Und in den gedruckten Medien habe ich zu diesem Thema keinen einzigen Artikel gelesen, in dem &#8222;Vorurteile der niedrigsten Art&#8220; artikuliert worden w\u00e4ren. Nat\u00fcrlich gibt es die noch, und wahrscheinlich wird es sie immer geben. Aber in der ernsthaften Diskussion spielen sie doch keine Rolle.<\/p>\n<p>Dann erw\u00e4hnt Kaube neue &#8222;Entwicklungen auf dem Gebiet der Liebe, der Sexualit\u00e4t, der Erziehung, der Reproduktionsmedizin und der famili\u00e4ren Rollenbilder&#8220;. Alles richtig, aber was hat das mit der Schutzfunktion von Art. 6 GG zu tun? Der Staat mischt sich doch nicht in Liebe, Sexualit\u00e4t und Erziehung ein &#8211; es sei denn, da\u00df Rechte etwa von Kindern verletzt werden. Und bei der Reproduktionsmedizin hat er (was ja auch die F.A.Z. immer wieder schreibt) wahrhaftig jedes Recht, sich einzumischen. Wenn hier also nur gesagt werden soll, da\u00df sich eine Gesellschaft laufend ver\u00e4ndert, dann ist das ein Platit\u00fcde. Die Aufgabe einer Verfassung ist es aber nicht, sich stromlinienf\u00f6rmig an den Zeitgeist anzupassen. Im Gegenteil, sie formuliert das Wichtige, Unverr\u00fcckbare, jene Werte und Grundrechte, die man notfalls auch gegen den Zeitgeist verteidigen mu\u00df. Dazu ist sie da.<\/p>\n<p>Dann k\u00e4mpft Kaube gegen die &#8222;Redensart&#8220;,<\/p>\n<blockquote><p>es habe die Natur die Ehe hervorgebracht, um die Reproduktion der Arten zu garantieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer sagt denn so etwas? Jeder halbwegs gebildete Mensch wei\u00df doch, da\u00df die Ehe ein Ergebnis der menschlichen Kultur ist (eines der gro\u00dfartigsten \u00fcbrigens!). Sie <em>b\u00e4ndigt<\/em> ja gerade die Natur, sie soll, auch wenn ihr das nat\u00fcrlich nicht immer gelingt, die aggressiven Bestandteile der Sexualit\u00e4t mildern und kanalisieren und so ein friedliches, auf Dauer angelegtes Zusammenleben von Mann und Frau herbeif\u00fchren. Also: schon wieder ein Popanz!<\/p>\n<p>&#8222;Wer die Ehe idealisiert&#8220;, sagt Kaube, &#8222;kennt einige ihrer Wirklichkeiten nicht&#8220;. Aber wer, um Himmels willen, idealisiert denn die Ehe? Sie ist ein gesellschaftlicher Kompromi\u00df, sie bedeutet lebenslange Arbeit &#8211; und nat\u00fcrlich kann sie scheitern. Und sie ist trotzdem eine der gr\u00f6\u00dften Errungenschaften in der Geschichte der Menschheit.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens waren den &#8222;M\u00fcttern und V\u00e4tern des Grundgesetzes&#8220;, \u00fcber die Sie <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/geschichte\/deutsche-geschichte\/grundgesetz-und-parlamentarischer-rat\/39043\/biografien\">hier<\/a> N\u00e4heres erfahren k\u00f6nnen, Naivit\u00e4t und Idealisierung fremd, dazu gen\u00fcgt ein Blick ins Grundgesetz. Das waren alles gestandene M\u00e4nner und Frauen, mit aller Lebenserfahrung, die Menschen haben k\u00f6nnen. Sie haben weder die Ehe noch sonst etwas idealisiert. Sie haben nur Pfl\u00f6cke eingeschlagen, und sie haben bei sparsamem Umgang mit der Sprache am Ende eine der besten Verfassungen der Welt geschaffen.<\/p>\n<p>Wir sollten unser Grundgesetz so lassen, wie es ist, und vor allem sollten wir uns nicht vom Zeitgeist Interpretationen aufzwingen lassen, die seinem Geist und seinen Buchstaben widersprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da traut man seinen Augen nicht. Der von mir gesch\u00e4tzte J\u00fcrgen Kaube, einer der Herausgeber der F.A.Z., widerspricht in einem merkw\u00fcrdig verschwurbelten Artikel im Feuilleton seiner Zeitung den eigenen Kollegen. 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