{"id":1502,"date":"2011-08-09T01:37:40","date_gmt":"2011-08-08T23:37:40","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=1502"},"modified":"2011-08-09T15:46:48","modified_gmt":"2011-08-09T13:46:48","slug":"ertappte-sunder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=1502","title":{"rendered":"Ertappte S\u00fcnder"},"content":{"rendered":"<p>Die Zahl der aberkannten Doktortitel unter unseren Politikern w\u00e4chst und w\u00e4chst. Da k\u00f6nnte man h\u00fcbsche Psychogramme anfertigen, denn jeder dieser Politiker geht mit seiner Schuld anders um &#8211; und eine Schuld ist das Erschleichen eines akademischen Titels ja wahrhaftig.<\/p>\n<p>Die kl\u00fcgeren unter ihnen gehen in sich und sagen &#8211; nichts. Leider kenne ich keinen einzigen prominenten Fall, den man dieser Gruppe zurechnen k\u00f6nnte. Es mu\u00df n\u00e4mlich niemand eine Schuld \u00f6ffentlich eingestehen, und niemand mu\u00df die Sensationsgier der Presse befriedigen. Wenn er selbst mit sich ins Reine kommt, dann ist schon viel gewonnen. Man mu\u00df nur zur eigenen Schuld stehen und (nicht wenige der Delinquenten sind ja gute Katholiken) beichten und bereuen. Aber sie tun es nicht! So gut katholisch scheinen sie also dann doch nicht zu sein. Also, wie gesagt: ein Fall von Einsicht und stiller Reue ist mir nicht bekannt.<\/p>\n<p>Der Normalfall sieht leider anders aus: man ist trotzig, st\u00f6rrisch und gibt die Schuld der ganzen Welt &#8211; nur nicht sich selbst.<\/p>\n<p>Nehmen wir <strong>Veronica Sa\u00df<\/strong>, die Tochter von Edmund Stoiber. Die Universit\u00e4t Konstanz hat ihr die Doktorw\u00fcrde aberkannt, weil &#8222;erhebliche Teile ihrer Arbeit&#8220; (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/aberkennung-des-doktorgrads-stoiber-tochter-will-klagen_aid_626392.html\">hier<\/a> nachzulesen) schlicht und einfach abgeschrieben seien. Die Internetseite <em>VroniPlag<\/em> berichtet, da\u00df ihre Dissertation u.a. ein &#8222;fast durchg\u00e4ngiges, wortw\u00f6rtliches Plagiat von knapp 40 Seiten&#8220; aufweise (Quelle siehe oben). Geht Frau Sa\u00df in sich? Keineswegs! Ihre Anw\u00e4lte (heutzutage hat man ja immer gleich mehrere Anw\u00e4lte) sagen, ihrer Mandantin sei nicht die M\u00f6glichkeit gegeben worden, \u201enach der bevorstehenden Geburt ihres Kindes pers\u00f6nlich vor dem Promotionsausschuss Stellung zu nehmen\u201c. Das verstehe ich nun wirklich nicht: was hat denn die Geburt ihres Kindes mit ihrer mutma\u00dflichen Schwindelei in der Doktorarbeit zu tun? Wenn man der Universit\u00e4t Glauben schenkt, hat sie die M\u00f6glichkeit zu einer pers\u00f6nlichen Stellungnahme nicht angenommen, obwohl man bei der Einladung ihre Schwangerschaft ber\u00fccksichtigt habe. Sie habe lediglich eine umfangreiche schriftliche Stellungnahme geschickt. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Konstanz gegen sie wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Versicherung.<\/p>\n<p>Auch <strong>Karl-Theodor zu Guttenberg<\/strong> gibt bis heute keine vors\u00e4tzliche F\u00e4lschung zu, obwohl die Universit\u00e4t Bayreuth, die ihm den Titel aberkannt hat, den Sachverhalt drastisch genug formuliert (der Wikipedia entnommen):<\/p>\n<blockquote><p>Eine von der Universit\u00e4t Bayreuth eingesetzte Untersuchungskommission kam nach dreimonatiger Pr\u00fcfung zu dem Schluss, dass zu Guttenberg \u201edie Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vors\u00e4tzlich get\u00e4uscht\u201c habe. Er habe Plagiate \u00fcber die ganze Arbeit verteilt eingebaut, die Originaltexte umformuliert, den Satzbau umgestellt, Synonyme verwendet und Einzelheiten ausgelassen. Dies setze ein \u201ebewusstes Vorgehen\u201c voraus, mit dem er sich die Autorschaft angema\u00dft habe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Guttenberg freilich bleibt dabei: die Dissertation sei zwar &#8222;sehr fehlerhaft&#8220;, aber das sei nur seiner Mehrfachbelastung als Abgeordneter und Familienvater geschuldet. Er habe einfach den \u00dcberblick verloren.<\/p>\n<p>Auch <strong>Silvana Koch-Mehrin<\/strong> (FDP) hat ihren Titel verloren &#8211; sie hat es, so der Dekan der Universit\u00e4t Heidelberg, auf 80 Textseiten auf immerhin 120 Plagiatstellen gebracht. Ist sie jetzt eine reuige S\u00fcnderin? Nichts liegt ihr ferner. Sie r\u00e4umt zwar ein, da\u00df ihre Dissertation &#8222;kein Meisterst\u00fcck&#8220; sei und auch &#8222;nicht frei von Schw\u00e4chen, nicht selten ungenau, oberfl\u00e4chlich und manchmal geradezu fehlerhaft&#8220;. Aber der Doktortitel sei ihr &#8222;in voller Kenntnis aller eklatanten Schw\u00e4chen&#8220; verliehen worden. Die Universit\u00e4t habe die vorgelegte Arbeit auch &#8211; entgegen guter wissenschaftlicher Praxis &#8211; nicht sorgf\u00e4ltig genug gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>Da er\u00fcbrigt sich jeder Kommentar.<\/p>\n<p>Der neueste Fall ist der des FDP-Politikers <strong>Georgios Chatzimarkakis<\/strong>. Ihm hat der Promotionsausschu\u00df der Universit\u00e4t Bonn nachgewiesen, da\u00df \u00fcber die H\u00e4lfte des Textes seiner Dissertation von anderen Autoren stamme (<a title=\"hier\" href=\"http:\/\/www.radio96acht.de\/Themen\/Campus\/800\/Doktortitel_aberkannt.html\">hier<\/a> nachzulesen). Auch Chatzimarkakis (wie k\u00f6nnte es anders sein!) leugnet jede T\u00e4uschungsabsicht, spricht von einem &#8222;Grenzfall&#8220; und schreibt auf seiner Internetseite:<\/p>\n<blockquote><p>Dass meine damals gew\u00e4hlte Zitierweise heute als unzureichend angesehen wird, bedauert niemand mehr als ich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ist das nicht fein ausgedr\u00fcckt? &#8222;Meine damals gew\u00e4hlte Zitierweise&#8220; &#8211; da kann man ihm doch keinen Strick daraus drehen. Sind doch alles Kinkerlitzchen!<\/p>\n<p>Als jetzt herauskam, da\u00df der Gr\u00fcnder der Internet-Plattform <em>VroniPlag<\/em> der SPD angeh\u00f6rt, war es \u00fcbrigens Chatzimarkakis, der den Enth\u00fcllungen &#8222;parteipolitisches und kommerzielles Interesse&#8220; unterstellte.<\/p>\n<p>Alle diese F\u00e4lle, so unterschiedlich sie sonst auch sein m\u00f6gen, haben eine Gemeinsamkeit: die hartn\u00e4ckige Weigerung der Betroffenen, ihre Verfehlung einzugestehen. Diese Unf\u00e4higkeit, sich der Wahrheit \u00f6ffentlich zu stellen, ist offenbar unabh\u00e4ngig von Alter, Geschlecht und Parteizugeh\u00f6rigkeit. Man besch\u00e4ftigt ganze St\u00e4be von Anw\u00e4lten, wo doch ein einziges aufrichtiges Wort gen\u00fcgt h\u00e4tte, die Sympathie der Menschen zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses Verhalten liegen aber vielleicht noch tiefer. Sie k\u00f6nnten auch mit der fortschreitenden S\u00e4kularisierung unserer Gesellschaft zu tun haben, die mit Begriffen wie &#8222;Schuld&#8220;, &#8222;Reue&#8220; und &#8222;S\u00fchne&#8220; nur mehr wenig anfangen kann. F\u00fcr einen Christen sind das vertraute W\u00f6rter. In der katholischen Liturgie etwa geh\u00f6rt das allgemeine Schuldbekenntnis &#8211; <em>mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa<\/em> &#8211; zu den Gebeten der Heiligen Messe, und was man als pers\u00f6nliche Schuld auf sich geladen hat, kann man dem Beichtvater schildern. Das mag in vielen F\u00e4llen nur noch ein blo\u00dfes Herunterbeten sein, aber wie ernst er ein solches Sakrament nimmt, liegt ja immer beim einzelnen Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n<p>Der moderne, aufgekl\u00e4rte Mensch braucht so etwas nat\u00fcrlich nicht mehr. Er mu\u00df sich ja auch vor keiner h\u00f6heren Instanz mehr verantworten. Was k\u00f6nnte ihn also noch hindern, fr\u00f6hlich zu schummeln und dann alles zu leugnen?<\/p>\n<p>\u00dcbrigens gibt es schon neue Kandidaten. Nach einem Bericht der Wochenzeitung <em>Die Zeit<\/em> soll der nieders\u00e4chsische Kultusminister <strong>Bernd Althusmann<\/strong> in seiner Dissertation &#8222;die Sorgfaltspflicht verletzt und im gro\u00dfen Stil gegen wissenschaftliche Regeln versto\u00dfen&#8220; haben. Althusmann ist pikanterweise auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz.\u00a0 Und &#8211; man h\u00e4tte es sich denken k\u00f6nnen &#8211; er weist alle Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auch gegen den s\u00e4chsischen Kultusminister <strong>Roland W\u00f6ller<\/strong> sind Plagiatsvorw\u00fcrfe erhoben worden. Die seien aber schon im Jahr 2008 ausger\u00e4umt worden &#8211; sagt Roland W\u00f6ller.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahl der aberkannten Doktortitel unter unseren Politikern w\u00e4chst und w\u00e4chst. Da k\u00f6nnte man h\u00fcbsche Psychogramme anfertigen, denn jeder dieser Politiker geht mit seiner Schuld anders um &#8211; und eine Schuld ist das Erschleichen eines akademischen Titels ja wahrhaftig. 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