{"id":14922,"date":"2016-06-19T16:55:19","date_gmt":"2016-06-19T14:55:19","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=14922"},"modified":"2016-06-19T16:55:19","modified_gmt":"2016-06-19T14:55:19","slug":"the-age-of-hate-wir-leben-im-zeitalter-des-hasses","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=14922","title":{"rendered":"The Age of Hate &#8211; Wir leben im Zeitalter des Hasses"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.<br \/>\nLieben und Hassen &#8230; hat seine Zeit.<br \/>\nDer Prediger Salomo (Kohelet), 3, 1 und 8.<\/em><\/p>\n<p>Ich bin im Zeitalter des Wassermanns erwachsen geworden &#8211; <em>Age of Aquarius <\/em>hie\u00df das in den 60er Jahren, und es war eine Zeit des Aufbruchs, der Befreiung von \u00dcberkommenem auf fast allen Gebieten des Geistes, der Politik, der Musik und &#8211; vor allem! &#8211; des Alltags. Auch wenn heute manches im R\u00fcckblick unfreiwillig komisch wirkt, auch wenn mir anderes, etwa der linke Terror, bis in die Gegenwart so widerw\u00e4rtig ist, da\u00df ich selbst heute noch keinen Film, keinen Artikel dar\u00fcber ertrage, und auch wenn vieles &#8211; etwa das an sich sch\u00f6ne Motto <em>make love, not war &#8211; <\/em>heute auf uns naiv wirken mag: es war doch eine Zeit, in der nach den Verkrustungen der sog. &#8222;Adenauerzeit&#8220; auf einmal alles m\u00f6glich schien.<\/p>\n<p><em>If you&#8217;re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair. <\/em><\/p>\n<p>Es waren Zeiten, auch das mu\u00df man der heutigen Generation einmal sagen, in denen auf einmal alles m\u00f6glich schien: buchst\u00e4blich alles, eine ganz neue, friedliche Welt, ein ganz neues Lebensgef\u00fchl, <em>peace and love <\/em>&#8211; und eine Musik, neben der die heutige so klein und kommerziell und armselig wirkt, da\u00df man sich sch\u00e4men m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Und heute?<\/p>\n<p>Wenn es heute ein Schl\u00fcsselwort gibt, das die Gegenwart in einem einzigen Begriff zusammenfa\u00dft, dann ist es der <strong>Ha\u00df<\/strong>. Wenn alles seine Stunde hat, dann ist heute nicht die Stunde des Liebens, sondern des Hassens.<\/p>\n<p>Wie aus dem Nichts ist dieser Ha\u00df entstanden, ohne jeden vern\u00fcnftigen Grund, aber er ist scheinbar nicht aufzuhalten. Aus allen Poren im Internet str\u00f6mt er, aus h\u00e4\u00dflichen Aufl\u00e4ufen in Dresden und anderswo, er quillt aus Kommentaren \u00fcber unsere Politiker und Parlamente und aus neugegr\u00fcndeten Parteien \u00fcberall auf der Welt, die nur von ihm leben.<\/p>\n<p>Der Ha\u00df ist ubiquit\u00e4r.<\/p>\n<p>G\u00e4be es ihn auch ohne das Internet? Ich glaube nicht. Jedenfalls nicht so brutal, nicht so dumpf und vulg\u00e4r.<\/p>\n<p>Es mag ja sein, da\u00df mancher in der Anfangszeit des Internets noch an ein durch und durch demokratisches (vielleicht auch anarchisches) Medium geglaubt hat. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Das Internet ist heute ein Kommunikationskanal f\u00fcr den Kommerz, aber auch f\u00fcr Verbrecher jeder Couleur, f\u00fcr Diktatoren, f\u00fcr alte und neue Nazis, f\u00fcr Wutb\u00fcrger &#8211; und vor allem f\u00fcr den P\u00f6bel, der dort (gut versteckt hinter der Anonymit\u00e4t des Netzes) seine niedersten Instinkte ausleben kann, ohne eine Behelligung durch strafrechtliche Folgen bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. Wer erfahren will, was der Mensch wirklich ist, der Mensch n\u00e4mlich, wenn er frei ist wie ein Vogel, wenn ihm kein Richter droht und kein Polizist, der sollte einmal die Foren des Internets besuchen. Der alte Satz, da\u00df die Kultur der Menschheit nur wie eine hauchd\u00fcnne Schicht \u00fcber dem barbarischen Kern liege, findet sich tausendfach verifiziert. Schopenhauer hat einmal sinngem\u00e4\u00df gesagt (ich kann die Stelle im Moment leider nicht finden), man solle nur einmal f\u00fcr einen Tag alle Gesetze au\u00dfer Kraft setzen, dann werde man schon merken, wie es um die &#8222;angeborene Moral&#8220; des Menschen bestellt sei.<\/p>\n<p>Der Ha\u00df breitet sich vor allem \u00fcber das Internet aus. Das liegt auch daran, da\u00df fast alle gro\u00dfen Zeitungen viel zu lange eine Kommentierung ihrer Artikel zugelassen haben &#8211; im guten Glauben, da\u00df es dabei, wie in einer B\u00fcrgergesellschaft \u00fcblich, vern\u00fcnftig und gesittet zugehen w\u00fcrde. Als die Mehrzahl der &#8222;Kommentare&#8220; nur noch Ha\u00dftiraden waren, h\u00e4tte man die Kommentarfunktion sofort abschalten m\u00fcssen, aber da\u00df die von ma\u00dflosem Ha\u00df erf\u00fcllten &#8222;User&#8220; dies als Zensur bezeichnen w\u00fcrden, hat wohl manche Zeitung davon abgehalten.<\/p>\n<p>Der &#8222;User&#8220; ist freilich alles andere als ein m\u00fcndiger Staatsb\u00fcrger. Er ist, wenn man einmal die Mehrzahl der Kommentare betrachtet, die er im Internet hinterl\u00e4\u00dft, ein geistig recht bescheiden ausgestatteter, gro\u00dfm\u00e4uliger, vom Ha\u00df getriebener Mensch, der obendrein nicht einen einzigen deutschen Satz fehlerfrei formulieren kann (was seinem Eintreten f\u00fcr das &#8222;deutsche Vaterland&#8220; eine besonders pikante Note gibt).<\/p>\n<p>Nein, dieser Sumpf schadet Deutschland nicht nur, er tr\u00e4gt das Vertrauen wieder ab, das wir uns seit der Wiedervereinigung (und erst recht seit dem fr\u00f6hlichen Sommerm\u00e4rchen von 2006) in der ganzen Welt erworben haben.<\/p>\n<p>Da ist es nur wenig tr\u00f6stlich, da\u00df der Ha\u00df auch in anderen L\u00e4ndern auf dem Vormarsch ist. Der einzige Trost ist, da\u00df auch diese h\u00e4\u00dfliche Zeit irgendwann vorbei sein wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde. 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