{"id":14648,"date":"2016-04-17T09:31:03","date_gmt":"2016-04-17T07:31:03","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=14648"},"modified":"2016-04-17T09:31:03","modified_gmt":"2016-04-17T07:31:03","slug":"papst-franziskus-und-helmut-kohl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=14648","title":{"rendered":"Papst Franziskus und Helmut Kohl"},"content":{"rendered":"<p>Das Christentum ist heute immer noch ein konfessioneller Flickerlteppich. Katholiken, Protestanten, Orthodoxe &#8211; sie alle haben lange mit Lust das betont, was sie voneinander unterscheidet. Theologische Spitzfindigkeiten, etwa zur Rechtfertigungslehre oder zur Stellung des Bischofs von Rom, sind ihnen (oft sogar heute noch) wichtiger als der Kern ihres Glaubens.<\/p>\n<p>Dabei ist dieser Kern so einfach, da\u00df man nun wirklich kein Theologiestudium braucht, um ihn zu verstehen. Eine Gesetzesreligion, die den Gl\u00e4ubigen vorschreibt, was sie essen, tun und lassen d\u00fcrfen, ist das Christentum nie gewesen. Im Grunde kann man den ganzen christlichen Glauben in zwei Worten zusammenfassen, die sich auch noch weitgehend \u00fcberschneiden: N\u00e4chstenliebe und Barmherzigkeit. Das ist der Glaubenskern, und an ihm (und nicht an irgendwelchen Vorschriften und Verboten) mu\u00df sich ein Christ messen lassen.<\/p>\n<p>Insofern ist gerade die sog. &#8222;Fl\u00fcchtlingskrise&#8220; ein Pr\u00fcfstein f\u00fcr den christlichen Glauben.<\/p>\n<p>Hic Lesbos, hic salta! &#8211; das m\u00f6chte man zumindest jenen Politikern zurufen, die sich christlich nennen oder das &#8222;christliche Abendland&#8220; verteidigen wollen. Einer, der sich uneingeschr\u00e4nkt und bewundernswert daran h\u00e4lt, ist Papst Franziskus &#8211; das hat er bei seinem Kurzbesuch auf Lesbos wieder auf eindrucksvolle Weise gezeigt.<\/p>\n<p>Und Helmut Kohl? Vielleicht h\u00e4tte ihn seine junge Frau davon \u00fcberzeugen sollen, da\u00df er besser nicht mehr \u00f6ffentlich auftreten sollte. Wenn er es aber doch tut, dann darf man ihn genauso kritisieren wie jeden anderen Politiker auch. Seine historischen Verdienste um die deutsche Einigung, die unbestreitbar sind, machen ihn nicht unantastbar.<\/p>\n<p>Jetzt hat er sich mit einem Paukenschlag in die Tagespolitik eingemischt: ausgerechnet zugunsten seines &#8222;Freundes&#8220; Viktor Orb\u00e1n, den er am Dienstag in Oggersheim empfangen will. In einem Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines Buches &#8222;Aus Sorge um Europa&#8220; kritisiert Kohl nicht nur die deutsche Fl\u00fcchtlingspolitik allgemein, sondern gerade auch die Rettung der in Ungarn im September 2015 gestrandeten und von Orb\u00e1ns Regierung gedem\u00fctigten und wie Auss\u00e4tzige behandelten Menschen.<\/p>\n<p>Kohls Argument (<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/fluechtlingskrise\/kohl-zur-fluechtlingskrise-die-loesung-liegt-nicht-in-europa-14182262.html\">hier<\/a> nachzulesen):<\/p>\n<blockquote><p>Einsame Entscheidungen, so begr\u00fcndet sie dem einzelnen erscheinen m\u00f6gen, und nationale Alleing\u00e4nge m\u00fcssen der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wohlgemerkt: damit meint er nicht die &#8222;einsamen Entscheidungen&#8220; von Orb\u00e1n, von Polen, Tschechien und vielen anderen EU-L\u00e4ndern, die sich der europ\u00e4ischen Solidarit\u00e4t hartn\u00e4ckig verweigert und nicht einen einzigen Fl\u00fcchtling aufgenommen haben. Damit meint er Deutschland, das sich als einziges Land in einer extrem schwierigen Lage dazu entschlossen hat, <em>christlich <\/em>zu handeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr Kohl ist das ein Fehler gewesen, denn die Fl\u00fcchtlinge<\/p>\n<blockquote><p>folgen oft auch einem anderen als dem j\u00fcdisch-christlichen Glauben, der zu den Grundlagen unserer Werte- und Gesellschaftsordnung geh\u00f6rt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit anderen Worten: da, wo Menschen in Not sind, fragen wir sie erst einmal, an welchen Gott sie glauben, zu welchem Kulturkreis sie geh\u00f6ren? Und da die meisten von ihnen Muslime waren, h\u00e4tten wir sie besser im ungarischen Morast lassen sollen, ohne richtige Kleidung, ohne Nahrung, ohne \u00e4rztliche Versorgung?<\/p>\n<p>Eine der Fl\u00fcchtlingsfrauen hat in einem Bahnhof ihr Kind zur Welt gebracht. Kein ungarischer Arzt hat ihr geholfen. Kohls Freund Orb\u00e1n hat nur lapidar erkl\u00e4rt, man habe die Fl\u00fcchtlinge ja nicht eingeladen.<\/p>\n<p>Das ist nicht meine Vorstellung vom christlichen Glauben.<\/p>\n<p>Und wie der &#8222;praktizierende Katholik&#8220; Kohl so etwas ausgerechnet im von Papst Franziskus ausgerufenen &#8222;Jahr der Barmherzigkeit&#8220; schreiben kann, bleibt mir ein R\u00e4tsel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Christentum ist heute immer noch ein konfessioneller Flickerlteppich. Katholiken, Protestanten, Orthodoxe &#8211; sie alle haben lange mit Lust das betont, was sie voneinander unterscheidet. 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