{"id":14322,"date":"2016-01-23T13:49:28","date_gmt":"2016-01-23T12:49:28","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=14322"},"modified":"2016-01-23T13:56:37","modified_gmt":"2016-01-23T12:56:37","slug":"mann-stoesst-in-berlin-frau-vor-die-einfahrende-s-bahn-warum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=14322","title":{"rendered":"Mann st\u00f6\u00dft in Berlin Frau vor die einfahrende S-Bahn &#8211; warum?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Mann hat im U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz in Berlin eine 20j\u00e4hrige Frau, die er nicht kannte, vor die einfahrende U-Bahn gesto\u00dfen. Die junge Frau war auf der Stelle tot. Sofort beginnen da die Vermutungen: warum macht ein Mensch so etwas?<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ist das &#8211; wie immer &#8211; die Stunde der Psychologen.<\/p>\n<p>Vielleicht gibt es ja irgendwo auf der Welt kluge, einsichtsvolle, kompetente Psychologen. Die aber, die man nach jedem Ereignis dieser Art ins Fernsehen holt, haben meist au\u00dfer trivialen Analysen (zu denen man auch mit dem gesunden Menschenverstand und ganz ohne Diplom h\u00e4tte kommen k\u00f6nnen!) wenig zu bieten. Aber vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Vielleicht merkt da doch der eine oder andere, da\u00df auch die Psychologie nur die Funktion erf\u00fcllt, Dinge &#8222;wegzuerkl\u00e4ren&#8220; &#8211; <em>explaining away <\/em>nennt man das im Englischen.<\/p>\n<p>Der moderne Mensch, der (ob er es selbst wei\u00df oder nicht) seine ganze geistige Existenz auf den Naturwissenschaften aufbaut, duldet nichts Unerkl\u00e4rliches, und wenn ihm dann doch einmal so etwas begegnet, stehen ihm Heerscharen von Wissenschaftlern zur Seite, die ihm dabei helfen, seine kleine, \u00fcberschaubare Welt &#8211; auf Teufel komm raus! &#8211; zu bewahren.<\/p>\n<p>Der Psychologe ist zufrieden damit, da\u00df er eine St\u00f6rung nach dem DSM-5 oder dem ICD-10 klassifizieren kann, dann ist die Welt f\u00fcr ihn in Ordnung. Der Astrophysiker bestimmt den Zeitpunkt des Urknalls fast auf den Tag genau &#8211; und fragt sich nur selten, was vor dem Urknall war. Alles, was nicht erkl\u00e4rt werden kann, ist f\u00fcr den modernen Menschen <em>noch nicht <\/em>erkl\u00e4rbar. Die L\u00f6sung aller Menschheitsr\u00e4tsel ist f\u00fcr ihn nur eine Frage der Zeit.<\/p>\n<p>Dabei kann der Mensch zurecht stolz darauf sein, was er in den letzten Jahrhunderten erkl\u00e4rbar gemacht hat, aber (und das ist ein ganz wichtiges Aber!): er hat die Grenzen der Naturwissenschaften nach und nach vergessen, und das, obwohl die Philosophie gerade dar\u00fcber seit Jahrtausenden nachdenkt. Die eigenen Grenzen auch bei der allt\u00e4glichen Arbeit immer mit im Auge zu haben: das ist eigentlich eine selbstverst\u00e4ndliche Pflicht jedes Wissenschaftlers, und es ist zugleich seine am h\u00e4ufigsten vernachl\u00e4ssigte Pflicht. Der Naturwissenschaftler blickt, statt den Diskurs mit ihnen zu suchen, auf Philosophie und Religion herab wie ein Erwachsener auf seine unm\u00fcndigen Kinder. Daher r\u00fchrt auch das merkw\u00fcrdig Unreife, Unerwachsene bei vielen Wissenschaftlern.<\/p>\n<p>Wie gut w\u00fcrde ihnen ein Gespr\u00e4ch auf Augenh\u00f6he mit Religion und Philosophie tun!<\/p>\n<p>Kehren wir zum Mord an der jungen Frau in Berlin zur\u00fcck. Der Psychologe w\u00e4re damit zufrieden, wenn er die Tat schl\u00fcssig kategorisieren und klassifizieren k\u00f6nnte. Wenn ihm nun jemand entgegenhielte, da\u00df <em>das B\u00f6se<\/em> eben doch in der Welt sei, w\u00fcrde er vermutlich nur mitleidig l\u00e4cheln. Das B\u00f6se taucht n\u00e4mlich weder im DSM-5 noch im ICD-10 auf, es klingt in den Ohren des modernen Menschen verd\u00e4chtig nach S\u00fcnde und Theologie, nach Mittelalter und Aberglauben &#8211; und ist doch ein Bild, das vieles pr\u00e4ziser beschreibt als die seichten, rationalistischen Erkl\u00e4rungsversuche der Wissenschaft.<\/p>\n<p>So ist es zum Beispiel auch mit der Erkl\u00e4rung des Lebens: die Naturwissenschaften tun sich seit jeher schwer damit, seine Entstehung zu erkl\u00e4ren. Die Bibel beschreibt den Vorgang in Genesis 2,7 so:<\/p>\n<blockquote><p>Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenklo\u00df, und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also war der Mensch eine lebendige Seele.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist &#8211; man mu\u00df es dem modernen Menschen sagen &#8211; ein Bild, eine Metapher, aber es erscheint mir nicht nur sch\u00f6ner, sondern auch <em>wahrer <\/em>als die banalen Erk\u00e4rungsversuche der Naturwissenschaften. Wir m\u00fcssen n\u00e4mlich, wenn wir der Wahrheit auf den Grund kommen wollen, aufh\u00f6ren, uns dem Diktat dieser (oft arroganten!) Wissenschaften zu beugen, die &#8211; wenn es zum Kern der Dinge kommt &#8211; oft nur dahinplappern wie ein Kind.<\/p>\n<p>Es sind nicht nur die Geisteswissenschaften, die oft hoch \u00fcber den Naturwissenschaften stehen, es sind vor allem ihre Gegenst\u00e4nde: ein Gedicht von Rilke, eine Oper von Verdi, eine Fabel, der <em>K\u00f6nig Lear<\/em> von Shakespeare, ein Gleichnis aus dem Neuen Testament: sie alle k\u00f6nnen es mit jeder Relativit\u00e4ts- und Urknalltheorie aufnehmen.<\/p>\n<p>Und auch das B\u00f6se, meine Damen und Herren Psychologen, ist in der Welt (wenn auch nicht in den Klassifizierungen der Schulweisheit) &#8211; es ist in jedem Menschen, und das Leben des Menschen ist (auch!) ein immerw\u00e4hrender Kampf gegen diesen D\u00e4mon.<\/p>\n<p>Oft gewinnt (wie in Berlin) das B\u00f6se.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Mann hat im U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz in Berlin eine 20j\u00e4hrige Frau, die er nicht kannte, vor die einfahrende U-Bahn gesto\u00dfen. 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