{"id":13168,"date":"2015-04-22T23:50:41","date_gmt":"2015-04-22T21:50:41","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=13168"},"modified":"2015-04-23T08:37:43","modified_gmt":"2015-04-23T06:37:43","slug":"ministerin-gesucht-jung-weiblich-usw","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=13168","title":{"rendered":"Ministerin gesucht: jung, weiblich usw."},"content":{"rendered":"<p>So k\u00f6nnte eine Stellenanzeige aussehen, wenn irgendwo in Europa ein neues Kabinett gebildet wird:<\/p>\n<blockquote><p>Ministerin gesucht. Voraussetzung: jung, weiblich, attraktiv, m\u00f6glichst mit Migrationshintergrund.<\/p><\/blockquote>\n<p>So eine Anzeige findet sich nat\u00fcrlich in keiner Zeitung, denn attraktive Kandidatinnen sucht man im Umfeld der eigenen Partei.<\/p>\n<p>Mit durchaus zweifelhaftem Ergebnis.<\/p>\n<p>Nehmen wir einmal die franz\u00f6sische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem, die der franz\u00f6sische Premierminister Valls letztes Jahr in sein Kabinett geholt hat. Die aus\u00a0 Marokko stammende Ministerin hat zwei gro\u00dfe Ziele: die Abschaffung der Prostitution\u00a0 (viel Erfolg damit!) und die Abschaffung der Eliten. Die Abschaffung der Prostitution wird ihr sowenig gelingen wie den USA einst das Alkoholverbot in der Zeit der Prohibition. Deshalb st\u00fcrzt sich Najat Vallaud-Belkacem jetzt erst einmal in den Kampf gegen das &#8222;elit\u00e4re&#8220; franz\u00f6sische Schulsystem.<\/p>\n<p>Aber Eliten, <em>ch\u00e8re Madame le Ministre<\/em>, braucht jeder Staat, und zwar auf allen sozialen Ebenen. Das Mi\u00dftrauen gegen die Eliten und alles &#8222;Elit\u00e4re&#8220; ist leider ein fester Bestandteil fast aller linken Ideologien. Das war schon <em>in nuce<\/em> bei Marx und Engels so (bitte nachlesen!), und es zieht sich durch die ganze Geschichte der sozialistischen L\u00e4nder. Wer aus der Intelligenz kam, wurde dort immer kritisch beobachtet: man mi\u00dftraute dem Geist (und nicht einmal zu unrecht). Gebildete &#8211; <em>wirklich<\/em> gebildete &#8211; Eltern zu haben, war f\u00fcr Kinder im Sozialismus kein Zuckerschlecken und ihrer Karriere denkbar sch\u00e4dlich. Und man bezahlte Lehrer, \u00c4rzte usw. ausgesprochen schlecht. Da, wo die linken Regime (wie in Ru\u00dfland und Kambodscha) zu Schurkenstaaten wurden, massakrierte man immer zuerst die &#8222;Intelligenz&#8220;.<\/p>\n<p>In Frankreich und anderen L\u00e4ndern macht man das nat\u00fcrlich subtiler, da gibt man vor, f\u00fcr die Chancengleichheit zu k\u00e4mpfen. Ein edles Unterfangen, nicht wahr? Aber wenn man genauer hinsieht, entdeckt man unter dem fortschrittlichen Zuckergu\u00df auch hier nur das alte sozialistische Mi\u00dftrauen gegen den Geist.<\/p>\n<p>Es ist weiter nichts als verkappter (und sehr verstaubter) Proletarismus.<\/p>\n<p>Mit Elite meine ich nat\u00fcrlich nicht den Geldadel, also die unansehnliche Melange aus Managern, reichgewordenen &#8222;Promis&#8220;, Sportmillion\u00e4ren und Empork\u00f6mmlingen &#8211; ich meine damit die\u00a0<em>echte\u00a0<\/em>Elite, die Frauen und M\u00e4nner aus Wissenschaft und Kunst, aber auch die vielen Menschen, die zum Beispiel ein altes Handwerk am Leben erhalten oder in einem der Orchideenf\u00e4cher (etwa der Hethitologie) forschen &#8211; was beides, wie Madame le Ministre sagen w\u00fcrde, die Chancengleichheit um kein Jota voranbringt. Sie macht deshalb mit ihrer geplanten Mittelstufenreform auch der deutschen Sprache den Garaus, denn, so sagt sie: die zweisprachigen Klassen an den franz\u00f6sischen Schulen seien elit\u00e4r und w\u00fcrden &#8222;nur von wohlhabenden Familien genutzt&#8220; (&#8222;ces classes sont trop \u00e9litistes et ne profiteraient alors qu&#8217;aux familles plus ais\u00e9es&#8220;). Wie man freilich das Deutschangebot demokratisieren will, indem man es erst einmal stark einschr\u00e4nkt, das wissen nur die G\u00f6tter.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich h\u00e4lt die Ministerin &#8211; auch das schlechte linke Tradition &#8211; wenig von der lateinischen und der altgriechischen Sprache: alles zu elit\u00e4r, alles nur f\u00fcr wohlhabende Familien. Jetzt, nachdem ein Sturm der Entr\u00fcstung \u00fcber sie hereingebrochen ist, l\u00e4\u00dft sie ausrichten, sie liebe die deutsche Sprache doch!<\/p>\n<p>Aber das mu\u00df sie gar nicht. Sie mu\u00df nur begreifen, da\u00df etwa die deutsch-franz\u00f6sische Auss\u00f6hnung nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, wenn nicht so viele junge Franzosen Deutsch, wenn nicht so viele junge Deutsche Franz\u00f6sisch gelernt h\u00e4tten. Und sie sollte begreifen, da\u00df man Kindern nicht alles aus dem Weg r\u00e4umen darf, was schwierig und &#8222;elit\u00e4r&#8220; ist.<\/p>\n<p>Kinder brauchen Herausforderungen, Ziele auch ganz in der Ferne. Die Hoffnung, einmal zur geistigen Elite seines Landes zu geh\u00f6ren, ist so ein Ziel. Und ein sehr respektables dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So k\u00f6nnte eine Stellenanzeige aussehen, wenn irgendwo in Europa ein neues Kabinett gebildet wird: Ministerin gesucht. Voraussetzung: jung, weiblich, attraktiv, m\u00f6glichst mit Migrationshintergrund. 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