{"id":13108,"date":"2015-04-10T17:44:44","date_gmt":"2015-04-10T15:44:44","guid":{"rendered":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=13108"},"modified":"2015-04-10T17:44:44","modified_gmt":"2015-04-10T15:44:44","slug":"muss-denn-alles-bunt-sein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/antibarbarus.de\/?p=13108","title":{"rendered":"Mu\u00df denn alles bunt sein?"},"content":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngere Generation ist im Zeitalter der Digitalkamera mit dem Farbbild aufgewachsen. Ein Schwarz-Wei\u00df-Bild wirkt auf sie wie ein Fundst\u00fcck aus (buchst\u00e4blich!) <em>grauer <\/em>Vorzeit (etwa mit den Sepiat\u00f6nen aus der Fr\u00fchzeit der Fotografie vergleichbar). Dabei hat es auch nach der Einf\u00fchrung des Farbfilms immer Fotografen gegeben, die bewu\u00dft auf die Farbe verzichtet haben.<\/p>\n<p>Aber warum? Ist ein buntes Bild denn nicht viel sch\u00f6ner?<\/p>\n<p>Die Antwort darauf bekommen Sie zum Beispiel in Frankfurt am Main in der U-Bahn-Station Bockenheimer Warte. Dort schm\u00fccken \u00fcberlebensgro\u00dfe Bilder von Barbara Klemm die W\u00e4nde: alle etwa ein halbes Jahrhundert alt, alle schwarz-wei\u00df. Es sind Szenen aus dem studentenbewegten Frankfurt der 60er Jahre, und sie zeigen nicht nur die handwerkliche und k\u00fcnstlerische Perfektion der Fotografin, sie beweisen auch, da\u00df der Verzicht auf Farbe nicht Snobismus, Nischenkunst ist, sondern die Voraussetzung f\u00fcr h\u00f6chste Qualit\u00e4t. Ich bin sicher, da\u00df schon mancher Fahrgast bei der Betrachtung dieser Bilder seine U-Bahn verpa\u00dft hat. Man kann sich kaum von ihnen trennen.<\/p>\n<p>Wenn wir uns diese Bilder, die schon eine historische Bedeutung haben, f\u00fcr einen Moment farbig vorstellen: sie w\u00fcrden alles einb\u00fc\u00dfen, was ihre Einzigartigkeit ausmacht. Es w\u00e4ren eben nur &#8211; bunte Bilder. Denn schwarz-wei\u00df fotografieren hei\u00dft immer auch: erst das Bild im Kopf komponieren, \u00fcberlegen, wie sich die Farben als Graut\u00f6ne darstellen, und alles (wenn m\u00f6glich) in der Dunkelkammer zu einem perfekten Bild machen. So geht Barbara Klemm auch heute noch vor. Mit\u00a0<em>Knipsen\u00a0<\/em>hat diese handwerkliche Kunst wirklich nichts zu tun.<\/p>\n<p>Aber heutzutage mu\u00df eben alles bunt sein, und nicht umsonst intensivieren viele digitale Kameras die Farben noch \u00fcber alles Realistische hinaus.<\/p>\n<p>Es kann uns gar nicht bunt genug sein!<\/p>\n<p>Und so ist es, wenn ich den gro\u00dfen Sprung ins Metaphorische wagen darf, auch in der Gesellschaft. Wir treiben es bunt, selbst Bundespr\u00e4sidenten sprechen begeistert von der &#8222;bunten Republik Deutschland&#8220;. Da darf es keine Schwarz-Wei\u00df-T\u00f6ne mehr geben, und graue M\u00e4use stehen auf der untersten Stufe der Beliebtheitsskala. Die traditionelle Familie teilt dieses Schicksal: grau ist sie und eint\u00f6nig. Schrecklich! Nur in gleichgeschlechtlichen Beziehungen geht es bunt zu, deshalb haben sie als ihr Symbol den Regenbogen usurpiert, obwohl der in der unserer Kultur eine ganz andere Bedeutung hat. Er ist in der Bibel das Zeichen des Bundes, den Gott nach der Sintflut mit den Menschen geschlossen hat (Genesis 9,13 ff.):<\/p>\n<blockquote><p>Ich stelle meinen Bogen in die Wolken, er soll ein Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde sein &#8230; Nie mehr soll das Wasser zur Flut werden, um alles Fleisch zu vernichten.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcbrigens &#8211; aber das nur am Rande! &#8211; geht es in Bibel \u00fcberhaupt \u00e4u\u00dferst bunt zu, aber das merkt man nat\u00fcrlich nur, wenn man in ihr liest. Das wagen freilich immer weniger Menschen, weil es ihnen auf eine diffuse Art peinlich ist. Auch k\u00f6nnte ja der atheistische S\u00e4ulenheilige Dawkins einen Blitz herabschleudern, oder der Leser wird wom\u00f6glich Opfer eines Shitstorms der Giordano-Bruno-Stiftung!<\/p>\n<p>Und doch: es mu\u00df nicht immer alles bunt sein. Ist nicht ein feines, gleichm\u00e4\u00dfiges Grau viel beruhigender? Brauche ich wirklich immer und \u00fcberall diese grellen, poppigen Farben, wie sie uns in jedem Werbespot anschreien? Und ist nicht eine schwarz-wei\u00dfe Sicht der Dinge oft viel n\u00e4her an der Wahrheit als der gesellschaftlich aufgezw\u00e4ngte Druck, alles in tausend Zwischent\u00f6nen zu sehen?<\/p>\n<p>Das nur als kleine Anregung, sich ab und zu dem Zeitgeist zu widersetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngere Generation ist im Zeitalter der Digitalkamera mit dem Farbbild aufgewachsen. 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